Corona: Die Schützensaison ist praktisch gelaufen

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Für den einen Schützenverein ist es eine trostlose Zeit, dem anderen reißt die Coronakrise ein Loch in die Kasse. Veranstaltungen sind gestrichen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es im September.

Castrop-Rauxel

, 04.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gemeinsam feiern. Das wird bei Schützenvereinen normalerweise groß geschrieben. Doch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens machen vor den Grünröcken nicht halt - auch nicht vor den Königen und Kaisern unter ihnen.

Hubert Hennemann, erster Kaiser des Allgemeinen Bürger-Schützen-Verein (ABSV) Henrichenburg seit 1999, kam bislang zu einem einzigen Ausmarsch, im September beim Erntedankfest in den Rieselfeldern. Der erste Kaiserball seit 20 Jahren sollte am 18. April über die Bühne gehen. Auf der Vogelwiese, wo normalerweise die Königsbälle im Jahr zwischen zwei Schützenfesten stattfinden.

Eine bittere Pille für Hubert I., doch der nimmt es gefasst. „Es ist traurig, aber ich denke schon, dass alle Schützen für die Situation Verständnis haben“, erklärt Hennemann, „wir sollten uns Zeit lassen, bevor wir das Schützenleben wieder in Angriff nehmen. Man weiß nicht, wie sich die Coronalage entwickelt.“ Für dieses Jahr sei die Schützensaison jedenfalls praktisch vorbei.

„Alles gerät aus dem Rhythmus“

„Es ist trostlos, es passiert nichts“, sagt der ABSV-Vorsitzede Udo Beckmann. Mit allen Schützenfesten, Ausmärschen und Geburtstagsfeiern sind Udo und Ehefrau Claudia Beckmann „so 30 Wochenenden im Jahr draußen“, erklärt Udo Beckmann.

Der ABSV-Vorsitzende Udo Beckman (vordere Reihe, Mitte) ist normalerweise an 30 Wochenenden pro Jahr unterwegs. Die derzeitige Lage findet er „trostlos“, er mahnt aber auch, dass man 2021 nicht alles nachholen kann, was in diesem Jahr ausfällt.

Der ABSV-Vorsitzende Udo Beckman (vordere Reihe, Mitte) ist normalerweise an 30 Wochenenden pro Jahr unterwegs. Die derzeitige Lage findet er „trostlos“, er mahnt aber auch, dass man 2021 nicht alles nachholen kann, was in diesem Jahr ausfällt. © Christian Püls

Osterfeuer, Tanz in den Mai, alles abgesagt. Ob das Oktoberfest der zweiten Kompanie im September steigen kann, ist unklar. Im Henrichenburger Traditionsverein wird bereits laut darüber nachgedacht, den Kaiserball im kommenden Jahr nachzuholen - auch wenn 2021 bereits das nächste Schützenfest ansteht. „Aber man kann nicht alles verschieben oder nachholen“, mahnt Beckman, „sonst gerät alles aus dem Rhythmus.“

Der befreundete Schützenverein Horneburg hat sein Schützenfest auf 2021 verschoben. „Nächstes Jahr haben wir dann also schon drei Schützenfeste“, erklärt Beckmann. Die Henrichenburger orientieren sich über die Stadtgrenze hinweg Richtung Norden. Würden dort alle Schützen-Veranstaltungen 2021 nachgeholt, dann „wären wir wohl jedes Wochenende draußen“, so Beckmann. Das würde nicht nur in Sachen Terminabsprachen und Koordination stressig.

Finanzielle Auswirkungen unterschiedlich

Finanziellen Schaden muss der ABSV nicht fürchten. Mit aktuell 367 Mitgliedern sind die Henrichenburger mit deutlichem Abstand größter Schützenverein in Castrop-Rauxel. „Bislang hat noch kein Schütze gesagt, dass er jetzt keine Beiträge mehr zahlt“, erklärt Beckmann, „natürlich haben wir einige weiterlaufende Kosten, aber auch Kaiserball und Ausmärsche hätten uns Geld gekostet.“ Unterm Strich dürften also sogar ein paar Euro mehr für den ABSV stehen.

Bei Schützen-Veranstaltungen kommen viele Menschen zusammen. Beim Marschieren ließe sich eventuell noch ein Mindestabstand durchsetzen. Im Festzelt, wo gefeiert und getanzt wird, wäre das schlicht unmöglich.

Bei Schützen-Veranstaltungen kommen viele Menschen zusammen. Beim Marschieren ließe sich eventuell noch ein Mindestabstand durchsetzen. Im Festzelt, wo gefeiert und getanzt wird, wäre das schlicht unmöglich. © Christian Püls

Anders verhält es sich beim BSV Rauxel-Bahnhof. „Bei unseren Veranstaltungen bauen wir immer ein kleines finanzielles Polster auf“, sagt Alexandra Fröhling, Vorsitzende des BSV Rauxel-Bahnhof. Der Verein hat rund 50 Mitglieder. Das Königsschießen am 25. April fiel aus. Auch der Krönungsball am 9. Mai wird nicht stattfinden. Das hat Konsequenzen. Ohne Vogelschießen und Krönung gibt es vorerst auch keine Nachfolgerin für Schützenkönigin Marion Drohlitz. „Wir werden nächstes Jahr alles nachholen, bis dahin haben wir kein Majestätenpaar“, so Alexandra Fröhling.

Blick Richtung September

Der BSV Obercastrop hat indes das Stadt-Sternschießen für alle Castrop-Rauxeler Schützenvereine am 23. Mai abgesagt. „Finanziell wird uns das nicht zurückwerfen“ sagt der ehemalige Kaiser Thomas Kleist, „viele unserer rund 100 Mitglieder sind bereits älter. Und Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“ Daher sei noch nicht klar, ob das Schützenbiwak am 19. September stattfinden kann.

Auch bei der Schützengilde Habinghorst mit ihren rund 100 Mitgliedern blickt Richtung September. „Der Königsball wäre am 5. September“, erklärt Bataillonsführer Uwe Kunkel, „aber den können wir wohl auch knicken.“ Das Vogelschießen am 1. August ist bereits abgesagt.

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