Aufregung und Vorwürfe nach Gottesdienst-Aufruf des Bürgermeisters

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Bürgermeister Rajko Kravanja hat die Castrop-Rauxeler am Wochenende dazu aufgerufen, kritisch zu sein: Ist der Gottesdienstbesuch in dieser Corona-Phase notwendig? Das sorgt nun für Ärger.

Castrop-Rauxel

, 13.10.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die CDU ist irritiert: Warum hat Bürgermeister Kravanja in seinen Aufrufen zur Corona-Vernunft und -Zurückhaltung am Wochenende explizit hinterfragt, ob man nicht auf Gottesdienste verzichten könne? „Man kann nichts verbieten, aber es wäre doch zu überlegen“, meinte Rajko Kravanja, „ob man eine Woche auf Gottesdienste verzichten kann“.

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Er wolle das auch als symbolisches Zeichen verstanden wissen, als Zeichen, dass die Dramatik der Situation in die Köpfe der Menschen gelangt. Die Christlich-Demokratische Union in Castrop-Rauxel hält das für eine falsche Ansage.

Nicht nachvollziehbar

„Als Konfessionsloser tut sich Bürgermeister Rajko Kravanja naturgemäß nicht sonderlich schwer damit, die Kirchen zum Verzicht auf ihre Gottesdienste aufzufordern“, erklärt CDU-Sprecher und Neu-Ratsherr Michael Fritsch. Vor allem Kravanjas Begründung stößt der Partei auf: Das Zitat „Die Veranstaltungen dort sind auch häufig Auslöser für Ansteckungen“ sei für die CDU nicht nachvollziehbar, schreibt Fritsch.

Welche Erkenntnisse habe der Bürgermeister darüber, dass es im vergangenen halben Jahr in einer Castrop-Rauxeler Kirche oder bei einer kirchlichen Veranstaltung in unserer Stadt zu einer Verbreitung des Corona-Virus gekommen wäre? Das fragt die CDU öffentlichkeitswirksam.

„Ans Limit gegangen“

Beide großen christlichen Konfessionen hätten von Beginn der Pandemie an in staatsbürgerlicher Verantwortung ihre Gottesdienste und Veranstaltungen abgesagt, massiv heruntergefahren, überzeugende und funktionierende Hygienekonzepte entwickelt oder mit Online-Gottesdiensten Alternativen angeboten. „Sie sind damit an das absolute Limit dessen gegangen, was Gläubigen noch zumutbar ist“, findet Fritsch, der als regelmäßiger Kirchgänger selbst der Gemeinde St. Elisabeth in Obercastrop angehört.

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Fritsch weiter: „Überzeugender wäre es, wenn Kravanja endlich im eigenen Haus aufräumte.“ Um dann seinerseits deutlich zu werden: „Der Kommunale Ordnungsdienst schaut bis heute ungerührt zu, wenn die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt ignoriert wird“, so der CDU-Sprecher.

Bedeutend strenger als bei Ratssitzung

CDU-Ratsherr Fabian Kaese aus Ickern erklärt, vor allem Partys und Feiern gälten als Ursache für die Ausbreitung des Virus. „Aber unser Bürgermeister Kravanja weiß es mal wieder besser: Schuld sind die Kirchen. (...) War unser erster Bürger überhaupt mal in einer Kirche während der Corona-Zeit? Weiß er, dass die Maßnahmen dort bedeutend strenger sind als jene bei der letzten Ratssitzung?“

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Der Grund, dass es noch keinen Ausbruch im Kirchen-Umfeld gebe, sei der disziplinierte Umgang der Gottesdienstbesucher miteinander. „Hier achten wir aufeinander, hier nehmen wir die Schutzmaßnahmen ernst“, so Kaese. „Nicht Auslöser, sondern Vorbild!“

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