Privat darf dieses Jahr an Silvester geknallt werden. Ein Chirurg vom Rochus-Krankenhaus hält das für die richtige Entscheidung. Weil er andernfalls noch mehr Verletzte fürchtet. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Chirurg: Mit einem Böller-Verbot gäbe es Silvester mehr Verletzte

Öffentliche Feuerwerke sind an Silvester untersagt, aber privat darf geböllert werden – trotz drohender Verletzungen. Ein Chirurg vom Rochus-Hospital sagt: Es ist gut, dass es kein Verbot gibt.

Die Niederlande sind Mitte November vorgeprescht und haben das Feuerwerk zu Silvester komplett verboten. Die Überlegung: Die Ärzte in den Klinken haben genug mit Corona-Patienten zu tun und sollen sich nicht noch um Menschen mit Böller-Verletzungen kümmern müssen.

In Deutschland stand ein Verbot auch zur Diskussion. Bei der jüngsten Corona-Runde am Mittwoch konnten sich Bund und Länder aber nicht darauf einigen, das Böllern generell zu verbieten. Öffentliche Feuerwerke sind untersagt, privat darf geknallt werden. Es wird zwar geraten, darauf zu verzichten. Doch es bleibt eine Empfehlung.

Sorge des Chirurgen: Mehr illegales Feuerwerk durch Verbot

Dass Bund und Länder nicht so strikt vorgehen wie unser Nachbarland, hält Sebastian Bushart, Handchirurg im St. Rochus-Hospital in Castrop-Rauxel,

für die richtige Entscheidung. Es stimme zwar, dass Rettungsdienste und Kliniken schon länger „sorgenvoll“ auf den Jahreswechsel blickten und sich auf „Mehrarbeit“ gefasst machten, wie der Chirurg auf Anfrage sagt. Doch: Ein Verbot machte die Sache nicht einfacher. Im Gegenteil, so Busharts These.

Er ist sich sicher: Bei einem Verkaufsverbot würden sich viele trotzdem Feuerwerk besorgen – und das illegal. „Nimmt man (…) die offiziell zugelassenen und geprüften Produkte aus dem Handel, ist die Gefahr nicht unerheblich, dass sich die Menschen erst recht dem Schwarzmarkt zuwenden und ihren Bedarf im unsicheren Sortiment decken“, befürchtet der Facharzt.

Und das könne nicht nur sprichwörtlich ins Auge gehen: Schon jetzt verletzten sich die meisten beim Anzünden nicht geprüfter Ware. Denn diese habe eine „oft deutlich höhere Sprengwirkung als legale Produkte“, sagt Bushart. Außerdem hätten nicht-zertifizierte Knaller häufig überkurze Zündzeiten, die schwer einzuschätzen seien.

Böllerverletzungen können ein Leben lang leiden lassen

Die Ergebnisse sehen er und seine Kollegen in ganz Deutschland jede Silvesternacht: Dann kommen die Menschen zu ihm, bei denen das Böllern schief gegangen ist. Mit Knalltrauma, Augenverletzungen, zerfetzten Händen oder Verbrennungen. In den vergangenen vier Jahren mussten am Rochus zwischen drei bis sechs Patienten mit Böllerverletzungen zum Jahreswechsel versorgt werden. Beim Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel spricht man auf Anfrage von „Einzelfällen“.

Bei manchen Böller-Verletzungen sei es nicht mit einem Besuch der Ambulanz getan, warnt Bushart. Gerade Verbrennungen und zerfetzte Körperteile zögen oft eine „aufwändige und langwierige“ Behandlung nach sich, nicht selten auch mit Spätfolgen.

Gerade daher sei es wichtig, dass möglichst wenig illegale Böller in den Verkehr kämen, so der Mediziner. Und dazu trage – so paradox es klingen mag – der Verzicht auf ein Verbot bei. Die Gleichung „weniger oder gar kein Feuerwerk führt zu weniger Verletzungen“ gehe so nicht auf. Im schlimmsten Fall nähmen die schweren Verletzungen sogar zu.

Böllern mit Bedacht

Der Handchirurg Sebastian Bushart vom Rochus-Krankenhaus rät zum verantwortungsvollen Anzünden von Raketen und Böllern. Das heißt: Knaller haben nichts in Kinderhänden zu suchen. Alkoholisiert sollte man nicht böllern. Zudem nicht in engen Gruppen – wegen der hohen Verletzungsgefahr und natürlich auch wegen Corona.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
Zur Autorenseite
Natascha Jaschinski

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.