Chemieunfall am Bahnhof - Statistin sagt: „Gefühlt dauert das ewig“

dzRiesige Notfallübung

Bei einer großen Notfallübung der Feuerwehr am Bahnhof am Samstag kam es vor allem auf Zusammenarbeit an. Und das Verhalten mit Chemikalien am Bahngleis. Wie gut hat es geklappt?

Rauxel

, 07.10.2018, 11:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als am Samstag um 9.32 Uhr die Sirenen in der Stadt heulen, da liegt das an einem Alarm aus der Abellio-Bahn am Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof. Einem Alarmruf zu einer Übung, die es in dieser Größe nicht allzu oft gibt. Knapp zwei Stunden später ist sie offiziell abgeschlossen. Und was geschah zwischendrin? Unsere Reporterin war mit am Gleis.

Ausgangslage der sogenannten GSG-3-Übung war, dass ein Personenzug von Abellio bei einem außerplanmäßigen Halt mit einem auf dem Gleis abgestellten Kesselwagen zusammenprallte, der den giftigen Stoff Tetrachlorethan enthielt. GSG steht hierbei für „gefährliche Stoffe und Güter“, während die Ziffer 3 die höchstmögliche Alarmstufe angibt. Chemieunfall – ein Szenario, das auf der Bahnstrecke durch die Nähe zum Rütgers-Werk zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen ist. Mehrere Personen verletzt, Stoff ausgetreten.

„Ziel der Übung ist es, die Abläufe und die Strukturen zu üben“, erklärt Michael Meissner, Pressesprecher der Feuerwehr Castrop-Rauxel, die nicht allein am Ort ist. „Allerdings“, schränkt Meissner ein, „kommt eine solche Lage Gott sei Dank ganz selten wirklich vor.“ Die Entfernung von beispielsweise Ölspuren nach einem LKW-Unfall hingegen seien Alltag.

Diese Größe der Übung war einzigartig.

Das Besondere an dieser Übung ist, dass ein Einsatz dieses Ausmaßes, auch unter Einbindung der Deutschen Bahn, zum ersten Mal in Castrop-Rauxel stattfindet. 180 Leute von den Feuerwehrwachen aus Castrop-Rauxel, Datteln, Marl, Oer-Erkenschwick und Waltrop sind involviert, das Technische Hilfswerk und die Bundespolizei ebenso – bis hin zur Deutschen Bahn und dem Bahnunternehmen Abellio Rail.

„Wir finden klasse, dass ein solch überregionaler Einsatz ermöglicht wurde“, sagt Meissner gegenüber unserer Redaktion. Auch Einsatzleiter Jens Kanak kann kurz nach Einsatzende ein positives Fazit ziehen: „Es handelte sich um eine sehr große Lage, bei der viele Sachen zu beachten sind. Insgesamt ist es ganz gut gelaufen. Wäre es ein richtiger Einsatz gewesen, hätte dieser geklappt.“

An einigen Stellen sieht man noch Verbesserungsbedarf.

Trotzdem gäbe es an einigen Stellen, vor allem bei der Organisation der verschiedenen Abläufe, noch Verbesserungsbedarf. „Es war nichts Gravierendes, lediglich bei ein paar Nuancen besteht Optimierungsbedarf. Aber dafür sind solche Übungen ja schließlich da“, so Kanak.

Eine ausführliche Nachbesprechung findet erst in circa vier Wochen statt. Dann werden die Befunde der Schiedsrichter besprochen: Beobachter der Feuerwehr, Polizei und des THW, die während der gesamten Übung die Abläufe an den einzelnen Teilabschnitten genau dokumentieren.

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So verlief die Notfall-Großübung am Rauxeler Hauptbahnhof

180 Rettungskräfte, eine Einsatzzone, die bis zur Klöcknerstraße reichte: So groß war noch keine Übung der Feuerwehr in Castrop-Rauxel. Unser Fotograf hat sie am Samstagmorgen dokumentiert.
07.10.2018
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Notfallübung am Hauptbahnhof: Auch Bürgermeister Rajko Kravanja und der 1. Beigeordnete Michael Eckhardt sowie EUV-Vize Thorsten Werth-von Kampen sind am Einsatzort. © Volker Engel
Notfallübung am HBF im Zug reisen auch 30 Partygäste mit. Sie sind Statisten und müssen von den Einsatzkräften gerettet werden.© Volker Engel
Für einige Statisten wirkt es, als würde es endlos dauern. Aber auch das gehört zu einem solchen Großeinsatz dazu: Alles muss nacheinander abgearbeitet werden.© Volker Engel
Notfallübung am HBF Vorbereitung für Stromabstellen© Volker Engel
Die Einsatzleitung der Feuerwehr bei der Arbeit. Auch die Bundespolizei ist beteiligt.© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF Verletzte im Zug© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF - Leitstelle© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF Kontaminierungsschleuse© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF Lok trifft Gefahrenguttransport© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel
Notfallübung am HBF© Volker Engel

Wichtig bei einer Übung dieser Art sei, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Wachen zu optimieren, betont Meissner. Aufgrund der vielen Einsatzkräfte und der speziellen Situation auf den Gleisen dauert ein solcher Einsatz mehrere Stunden.

Statisten warten, bis sie aus der Gefahrenzone geholt werden.

Diese Statik, die aufgrund des Umgangs mit dem Gefahrengut zustande kommt, stellen auch die „Unfallopfer“ fest. „Gefühlt dauert das alles ewig“, sagt während der Rettungsübung eine Statistin, die im Zug darauf wartet, aus der Gefahrenzone geholt zu werden. Aber am Ende fällt auch das Fazit der am Rande beteiligten positiv aus: „Solche Übungen sind immer gut, da machen wir natürlich gerne mit“, erklärt eine Mitarbeiterin von Abellio während der Übung. Julia Limia y Campos, Pressesprecherin von Abellio Rail NRW, pflichtet ihr nachher zufrieden bei: „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Chemieunfall am Bahnhof - Statistin sagt: „Gefühlt dauert das ewig“

Passagiere des Personenzuges müssen aus der Bahn befreit werden. © Volker Engel

Wie üblich bei solchen Vorfällen: Es sind auch einige Schaulustige vor Ort. Während manche eher ungeduldig auf dem Bahnsteig Stück für Strück an das Geschehen heranrücken, um schließlich von einigen Aufpassern der Deutschen Bahn zurückgewiesen zu werden, beobachten andere still vom Parkplatz aus die Handgriffe der Einsatzkräfte. Unterm Strich können sie trotzdem in Ruhe und konzentriert die Übung zu Ende bringen. „Wenn der Einsatz beginnt, ist man zu 100 Prozent mit dem Kopf dabei. Erst wenn wirklich alle Abläufe organisiert sind, kommt der Gedanke zurück, dass es sich hierbei nur um eine Übung handelt“, sagt Einsatzleiter Jens Kanak hinterher.

Auch die Klöcknerstraße war als Neben-Schauplatz dabei - und gesperrt.

Das liegt auch daran, dass die Einsatzkräfte teilweise mit Atemmasken und Schutzanzügen die Unfallstelle erkunden, ein Dekontaminationszelt aufbauen und einen Bereitstellungsraum für alle Einsatzfahrzeuge, der sich auf der Klöcknerstraße – etwas abgelegen vom eigentlichen Schauplatz – befindet. Die wurde dafür zeitweise gesperrt, zur Verwunderung manch eines Ickerners.

„Letzten Endes ist Sicherheit unser oberstes Gebot“, sagt Feuerwehr-Sprecher Michael Meissner. „Damit sich die Bürger sicher sein können, dass schnell, professionell und sicher gearbeitet wird, müssen die Abläufe immer wieder überprüft und optimiert werden.“

„So etwas bekommt man sonst nicht zu sehen.“

Dafür gibt es hinterher auch Belohnung: Nach Einsatzende beenden alle Beteiligten den Vormittag gemeinsam. Die entgleiste Lok wird von Mitarbeitern der Bahn wieder auf die Schienen gehoben. „So etwas bekommt man sonst nicht zu sehen“, resümiert Meissner.

Gegen 14 Uhr sind dann auch die Aufräumarbeiten auf dem Parkplatz, der locker zur Hälfte durch Einsatzfahrzeuge belegt ist, beendet.

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