Bei Eis und Schnee wird es für Obdachlose lebensbedrohlich. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Obdachlosigkeit

Chefin der Obdachlosenhilfe: „Keine Kenntnis, dass jemand draußen schläft“

Das Leben auf der Straße ist generell hart. Wenn jetzt die Nächte eisig sind, kann es für Obdachlose lebensgefährlich werden. Susanne Köhler berichtet, wie die Lage in Castrop-Rauxel ist.

Für Obdachlose ist das Corona-Jahr besonders hart. Viele Angebote, mit denen sie über die Runden kommen, fallen weg oder sind eingeschränkt. Notübernachtungen auf engstem Raum sind nicht möglich. Und Pfandflaschen als „Einnahmequelle“ finden sich viel weniger. Wie Obdachlose über die Runden kommen, wollten die Grünen von der Stadt wissen.

„Unsere Anfrage ist an Aktualität nicht zu schlagen“, betonte Holger Schelte (Die Grünen) am Donnerstag in der digitalen Sitzung des Ausschusses für Familie, Jugend und Soziales. Denn die akuten eisigen Temperaturen machen das Leben draußen noch härter. „Deshalb wollten wir diese Gruppe von Menschen ins öffentliche Licht rücken.“ Die Stadt leiste hier wichtige Arbeit.

482 Plätze in der Erstaufnahmestelle für Obdachlose und Flüchtlinge

Allgemeine Informationen zur Situation für Flüchtlinge und Odachlose in Castrop-Rauxel hatte Susanne Köhler, Leiterin des Teams Migration und Obdachlosenhilfe, schriftlich geliefert. Den Ausschussmitgliedern erläuterte sie noch einmal, dass kein Unterschied gemacht würde zwischen Flüchtlingen, Asylbewerbern und Wohnungslosen. Es gibt für alle eine zentrale Erstaufnahmestelle. Dann werde geschaut, wer zu wem passe. 482 Plätze sind in den Unterkünften in Castrop-Rauxel vorhanden.

Obdachlose, also Menschen, die auf der Straße leben, seien in der Europastadt dagegen nur vereinzelt anzutreffen. Die nahen Großstädte sind attraktiver, dort gibt es mehr Chancen, zu betteln, so Susanne Köhler. „Ich habe keine Kenntnis, dass derzeit jemand draußen schläft“, sagte sie. Allerdings gebe es etwa zweimal wöchentlich Einsätze, bei denen man nachts jemanden auffinde.

Verwirrter Mann findet Obdach im McDonalds

Als Beispiel nannte sie einen Einsatz vom ersten Februar-Wochenende. Über die Leitstelle kam die Meldung, McDonalds-Mitarbeiter hätten einen Mann aufgenommen, der obdachlos sei. Vor Ort habe er etwas zu essen bekommen und eine Decke, da er nur leicht bekleidet gewesen sei. Es habe sich dann herausgestellt, dass der Mann in einem Seniorenheim wohnte und leicht verwirrt war. Aber, so Susanne Köhler: „Hätten die Mitarbeiter nicht so aufgepasst, wäre der Mann wahrscheinlich erfroren.“

Hilfe auch bei Wohnungsräumungen

Die Bereichsleiterin wandte den Blick noch auf einen anderen Schwerpunkt: Die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Bereich Wohnungssicherheit. „Wir werden bei Räumungsklagen informiert“, berichtete sie: „Wir setzen uns dafür ein, dass die Räumung abgewendet wird.“

Manchmal allerdings gebe es Räumungen, bei denen seien Angehörige des Mieters nicht informiert, oder der Mieter sei psychisch verwirrt. Dann gehen Susanne Köhler und ihre Mitarbeiter in die Wohnungen: „Wir sprechen mit den Betroffenen und helfen, die wichtigsten Sachen zusammenzupacken.“

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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