Geraldine Fusek (links) baute mit ihren Geschwistern einen höheren Schneemann als die Lehrerin. © privat
Coronavirus

Challenge im Lockdown: Schüler zeigen Lehrern, was sie drauf haben

Lehrer des EBG fordern ihre Schüler heraus. Können sie schneller joggen als sie? Oder einen höheren Lego-Turm bauen? Viele Schüler haben ihr Können unter Beweis gestellt. Und Großartiges geleistet.

„Ihr meint, ihr seid besser als eure Lehrerinnen und Lehrer? Beweist es!“, lautet das Motto einer Initiative der Sporthelfer des Ernst-Barlach-Gymnasiums (EBG). Sie soll eine Abwechslung zum Online-Unterricht bieten und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern fördern.

Französisch- und Sportlehrer Boris Alexander, der für die Ausbildung der Sporthelfer in der Jahrgangsstufe 8 verantwortlich ist, erklärt, wie es dazu kam: „Wir haben überlegt, wie wir die Schüler motivieren können, im Lockdown mehr beziehungsweise überhaupt Sport zu machen. Das Grundkonzept war ein rein sportliches, das dann aber auf andere Bereiche ausgeweitet wurde. Wir waren uns einig: Was ist motivierender, als besser zu sein als die Lehrer!“

Screenshots als Beweise

Wie funktioniert die Challenge? EBG-Lehrer können auf der Homepage von ihnen erbrachte, nachvollziehbare und messbare Leistungen hochladen. Die Schüler werden aufgerufen, diese zu überbieten, und Beweise zu liefern – zum Beispiel als Screenshot einer Tracking App oder mit einem Bild, das einen noch höheren Legoturm zeigt, als Lehrer ihn gebaut haben.

Auf der Homepage des Gymnasiums ist viel Betrieb. Bisher sind 21 Herausforderungen eingestellt worden und die Schüler haben fast alle Challenges angenommen. Dabei geht es um sportliche Aktivitäten wie Langstreckenlaufen, Joggen oder Radfahren. In der Kategorie „Steigen von Treppen“ wurde die Lehrerleistung von 244 Stufen weit übertroffen. Bisheriger Rekord: 1058 Stufen.

Und es gibt sehr ausgefallene Lehrerangebote, wie das „Buchstaben radeln“. Hier hat es eine Lehrerin geschafft, eine Radtour in der Form der Buchstaben „EBG“ zu radeln. Eine Schülerin der Jahrgangsstufe 5 setzte noch einen drauf: Ihre Tour hat die Form von Elvis Presley.

Eine Fünftklässlerin machte eine Radtour in der Form von Elvis‘ Silhouette.
Eine Fünftklässlerin machte eine Radtour in der Form von Elvis‘ Silhouette. © privat © privat

Kuchen backen und Schneemann bauen

Auch die Kategorien „Duplo- und Legotürme“, „Schneemänner“ sowie „Kuchen backen“ sind bei den Schülern sehr beliebt. So wie bei Melis Bartsch aus der Klasse 6c. „Zuerst hatte ich überlegt, etwas Sportliches zu machen, weil ich seit Jahren Tennis im TC 06 spiele. Da meine Mama aber Geburtstag hatte, kam mir die Idee, einen schöneren Überraschungskuchen zu backen als meine Lehrerin.“ Bei der Torte habe ihr ihr Papa ein wenig geholfen. Melis findet die Lockdown-Challenge „sehr cool“: „Es ist toll, dass sich unsere Schule auch in solchen Zeiten immer so viel einfallen lässt.“

Melis Bartsch und die Geburtstagstorte für ihre Mama.
Melis Bartsch und die Geburtstagstorte für ihre Mama. © privat © privat

Géraldine Fusek aus der Jahrgangsstufe Q2 hat mit ihren jüngeren Geschwistern Ivo und Abigail aus der 6b an der EBG-Challenge teilgenommen, weil sie die Idee super finden und sich freuen, dass sie auch im Lockdown vor Herausforderungen gestellt werden. „Als wir den Schneemann unserer Lehrerin auf der Homepage sahen, waren wir uns sicher, dass wir einen größeren bauen können“, berichtet Géraldine .

„Und tatsächlich hat unser Schneemann mit 173 Zentimetern den anderen um 21 Zentimeter überboten. Es ist schön, dass wir trotz des Lockdowns eine Art Gemeinschaft in unserer Schule erleben können. Auch die Zusammenarbeit unter uns Geschwistern hat großen Spaß gemacht“, so Geraldine.

Der höchste Lego-Turm

Der wohl aktivste Challenge-Teilnehmer ist Christian Trivisani aus der 6b: „Ich habe mir auf der Homepage alle Herausforderungen angeschaut und überlegt, bei welchen ich die Lehrer schlagen kann.“ Christian hat nicht nur einen Legoturm gebaut, er ist auch Treppen gestiegen, hat bei der Hunderunde und beim Buchstaben-Radeln mitgemacht.

„Eigentlich wollte ich auch noch den Lehrer in der Laufrunde schlagen, aber da war ich zwei Minuten zu langsam. Jetzt im Schnee werde ich den Rekord wohl nicht brechen können“, so Christian. Beim Bau seines Legoturms brauchte er mehrere Anläufe, bis der Turm hielt. Mehr als 280 cm waren nicht drin: „Da war unsere Wohnzimmerdecke im Weg.“

Christian Trivisani mit seinem hohen Legoturm. Höher ging es nicht – die Decke des Wohnzimmers war im Weg.
Christian Trivisani mit seinem hohen Legoturm. Höher ging es nicht – die Decke des Wohnzimmers war im Weg. © privat © privat

Wann die EBG-Challenge beendet wird, steht noch nicht fest. Dazu Lehrer Boris Alexander: „Wir werden sie auf jeden Fall am Leben erhalten, solange der Präsenzunterricht noch nicht wieder angelaufen ist. Und da der Aufwand überschaubar ist, behalten wir sie vielleicht auch darüber hinaus bei. Ich habe das Gefühl, dass es dem Schüler-Lehrer-Verhältnis ganz gut tut.“

Auf jeden Fall soll in der Woche vor den Osterferien unter allen Teilnehmern ein T-Shirt des EBG nach Wahl verlost werden.

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Freier Mitarbeiter
In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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