Bisher wurden Straßen vor allem nach Frauennamen und nicht nach echten Frauen benannt. Ein Unding, findet unsere Kommentatorin. © Jens Lukas
Meinung

CDU und FDP: Unnötige Debatten im Rat schaden der Gleichberechtigung

Einen Antrag, der für mehr Straßen sorgen soll, die nach Frauen benannt werden, hielten CDU und FDP für unnötig. Das entlarvt die überhebliche Männlichkeit der Parteien, findet unsere Autorin.

SPD und Grüne stellen einen Antrag, der dafür sorgen soll, dass mehr Straßen nach Frauen benannt werden. Im Jahr 2021 könnte man meinen, dass so ein Antrag von allen Parteien unterstützt werden muss. Aber da hat man die Rechnung ohne FDP und CDU gemacht. Man brauche so einen Antrag nicht.

Nils Bettinger von der FDP erklärt in der Debatte, man habe sich im Ausschuss in die Augen geschaut und sei sich einig gewesen, mehr Straßen nach Frauen zu benennen. Da stellt sich also ernsthaft ein Mann hin und erzählt den Castrop-Rauxeler Frauen, man habe sich stillschweigend durch Blickkontakt für Gleichberechtigung entschieden. Hier lässt man die Chance liegen, ein Zeichen für Frauen zu setzten. In dem besagten Bauausschuss sind von den 19 stimmberechtigen Mitgliedern übrigens 15 Männer.

Auch die CDU votierte zwar wie die FDP für den Antrag, hatte aber zuvor dagegen gewettert. CDU-Mann Michael Fritsch nannte ihn überflüssig. Und außerdem gebe es ja bereits Straßen, die nach Frauen benannt sind – wie den Annaweg oder die Elisabethstraße.

Frauen als Vorbilder

Hier machte er deutlich, dass die CDU keine Ahnung hat, worum es wirklich geht. Es geht nicht darum, Straßen willkürlich mit Frauennamen zu versehen. Es geht darum, Straßen nach Frauen zu benennen, die für etwas stehen. Im Stadtbild müssen Frauen repräsentiert werden, die ein Vorbild sein können. Es braucht eine Sophie-Scholl-Straße, den Frida-Kahlo-Weg oder die Margaret-Cavendish-Gasse.

Die Frauen müssen dabei nicht unbedingt einen Bezug zu Castrop-Rauxel haben. Bei der männlich dominierten Geschichte der Stadt ist das auch kaum möglich. Mir wäre es aber auch neu, dass Schiller, Lessing oder Beethoven viel mit Castrop-Rauxel am Hut hatten. Das hat dennoch niemanden davon abgehalten, Straßen nach ihnen zu benennen.

Paritätische Benennung muss her

Die Debatte im Castrop-Rauxeler Rat hat wieder eines deutlich gezeigt. Viele Parteien haben immer noch nicht verstanden, worauf es bei der Gleichberechtigung ankommt. Sie muss laut und geschlossen vorgetragen werden, damit sie einen Effekt hat. Intensiver Blickkontakt in irgendeinem Ausschuss wird keine Frau davon überzeugen, dass FDP und CDU sich für ihre Rechte einsetzen.

Und auch wenn der Rat am Ende dem Antrag einstimmig zugestimmt hat, war das noch nicht genug. Ich fordere, dass Straßen von nun an paritätisch benannt werden, abwechselnd nach Frauen und Männern. Das wäre ein wirklich starker Antrag gewesen. Aber dazu konnte sich in Castrop-Rauxel keine Partei durchringen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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