Das Dortmunder Landgericht muss über den Fall noch einmal verhandeln. © Martin von Braunschweig
Bundesgerichtshof

Castroper legt keine Revision ein und bekommt trotzdem neuen Prozess

Das gibt es auch nicht oft: Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Räuber aus Castrop muss noch einmal neu aufgerollt werden. Dabei hatte der junge Mann noch nicht einmal Revision eingelegt.

Der Bundesgerichtshof hat Urteile gegen zwei Angeklagte aus Castrop-Rauxel aufgehoben und den Fall zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer des Dortmunder Landgerichts zurückverwiesen.

Die ersten Richter hatten im September 2020 für einen Angeklagten 10 Monate Jugendhaft und für den anderen 18 Monate Haft verhängt. Die Vollstreckung beider Strafen wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Zwei Angeklagte

Laut damaligem Urteil sollen die jungen Männer zusammen mit einem weiteren Komplizen einen Marihuana-Dealer in dessen Wohnung ausgeraubt haben. Angeblich forderten sie das Opfer auf, ihnen die gesamten Drogenvorräte auszuhändigen und flüchteten anschließend zunächst unerkannt.

Hintergrund der Tat war angeblich, dass der Dealer auch dem jüngeren Bruder eines der Angeklagten Marihuana verkauft hatte. Das habe der Castrop-Rauxeler nicht länger dulden wollen, so die Richter damals. Nach dem vermeintlichen Raub sollen die Angeklagten die Drogen in die Emscher geworfen haben.

Überfall auf Dealer

Genau an diesem Punkt schritt jetzt der Bundesgerichtshof ein. Nachdem einer der beiden Verurteilten Revision eingelegt hatte, entschied der zuständige 4. Strafsenat: Bei der Tat könne es sich nicht um einen Raub im Sinne des Strafgesetzbuchs gehandelt haben, weil die Angeklagten sich die Drogen offenbar nicht selbst „zueignen“, sondern sie lediglich vernichten wollten.

Dass der dritte Komplize während des Aufenthalts in der Wohnung plötzlich auf die Idee kam, dem Dealer auch noch 30 Euro in bar, eine Playstation und „zehn Legofiguren“ wegzunehmen, mussten sich die beiden Castrop-Rauxeler aus Sicht des Bundesgerichtshofs nicht zurechnen lassen.

Kein Raub?

Dabei habe es sich um eine spontane Erweiterung des Tatplans gehandelt, so die Richter des 4. Strafsenats. Die beiden Angeklagten hätten die Wegnahme der anderen Gegenstände zwar bemerkt, damit aber nicht automatisch auch gebilligt.

Alles in allem kam der BGH zu dem Schluss, dass der Fall hinsichtlich der beiden Castrop-Rauxeler noch einmal von einer anderen Strafkammer des Landgerichts verhandelt werden muss.

Noch kein neuer Termin

Dass nur einer der beiden Verurteilten überhaupt Revision eingelegt hatte, spielte aus Sicht des BGH keine Rolle. „Weil dessen Verurteilung auf demselben sachlich-rechtlichen Mangel beruht“, komme auch der andere Angeklagte in den Genuss eines neuen Prozesses, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Beschluss.

Wann das neue Verfahren am Dortmunder Landgericht beginnt, steht noch nicht fest. Beide Angeklagte sitzen nicht in Haft.

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