Schüler des Adalbert-Stifter-Gymnasiums aus Castrop beschweren sich über das Mathe-Abitur. © Patricia Böcking

Castroper Abiturienten ärgern sich: „Konnte nicht mal auf Toilette“

Castroper Abiturienten hadern mit der Mathe-Klausur - und sind damit nicht allein. Tausende Schüler beschweren sich, Lehrer schließen sich der Kritik an. Was macht das Schulministerium?

Nach den Beschwerden von Abiturientinnen und Abiturienten über zu wenig Zeit und zu komplexe Aufgaben in den Prüfungen kann man die Uhr stellen. Das würde wohl ein Zyniker sagen. Mathis Wenderott, in diesem Jahr Abiturient am Adalbert-Stifter-Gymnasium, formuliert es nüchterner: „Fast jedes Jahr ist es so, dass sich Schüler über Abitur-Prüfungen beschweren“, stellt er fest – diesmal ist er selbst dabei.

Dem 17-Jährigen stößt etwas auf. Konkret: die Rahmenbedingungen der Grundkurs-Abiturklausur im Fach Mathematik. Wenderott ist damit nur einer von inzwischen Tausenden Schülern, der mit den Prüfungen unzufrieden ist. Selbst einige Lehrer kritisieren das diesjährige Matheabitur.

Der Castroper Abiturient Wenderott bemängelt zuvorderst, dass die Zeit „sehr knapp“ gewesen sei. „Ich hatte keine Zeit zu überprüfen, musste direkt mit den nächsten Aufgaben weitermachen. Für die Komplexität der Aufgaben war deutlich zu wenig Zeit angesetzt. Das haben mir einige Schüler bestätigt.“ Auch Jaron Bergmann, ebenfalls vom ASG, hatte Zeitnot.

„Den hilfsmittelfreien Teil der Mathe Grundkurs-Klausur habe ich gerade so in den vorgegebenen 60 Minuten geschafft“, sagt der 18-Jährige. „In den Jahren zuvor waren einige Schüler schon weit vorher fertig, häufig 15-20 Minuten vor dem Ende. Bei den restlichen Aufgaben blieb kaum Zeit, um mal kurz nachzudenken.“ Die Komplexität der Aufgaben und die vorhandene Zeit „standen in keinem vernünftigen Verhältnis“.

Gewerkschaft schlägt sich auf Schüler-Seite

Das, so beteuern Wenderott und Bergmann, habe auch ihre Lehrerin angemerkt. Sie habe „uns nachher recht gegeben. Sie sagte, dass es schon sehr komplex gewesen sei“, sagt Bergmann. „Ich hatte während der Klausur nicht mal Zeit, um auf die Toilette zu gehen, bin von Aufgabe zu Aufgabe gehastet. Ich kenne keinen Schüler, der alle Aufgaben geschafft hat. Dass es Petitionen gibt bezüglich der Klausuren, finde ich gut.“

Jaron Bergmann hadert mit der diesjährigen Abitur-Prüfung im Fach Mathematik - und ist damit nicht allein.
Jaron Bergmann hadert mit der diesjährigen Abitur-Prüfung im Fach Mathematik – und ist damit nicht allein. © Privat © Privat

Er, so Bergmann, habe sich dort auch eingetragen. Als einer von – Stand Freitagabend (7.5.) – rund 18.000 Schülern Tendenz: stark steigend. „Große Hoffnung, dass viel passiert, habe ich nicht“, betont Bergmann. Möglicherweise wird der Punkteschnitt verändert, in den vergangenen Jahren sei das gelegentlich vorgekommen.

Immerhin ein wenig Zuversicht dürfte den beiden Abiturienten eine Wortmeldung der Lehrergewerkschaft GEW machen. „Nach Rückmeldungen aus Kolleg*innenkreisen bestätigt sich für uns der Eindruck, dass die Aufgaben wohl zu schwer und in der Zeit kaum zu schaffen waren“, ließ die Landesvorsitzende Maike Finnern mitteilen. „Insbesondere im Grundkurs Mathe waren die Anforderungen zu hoch“, so Finnern.

Die Opposition im Düsseldorfer Landtag nahm am Donnerstag (6.5.) Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in die Pflicht: „Sollten die Ergebnisse tatsächlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, muss Ministerin Gebauer nachsteuern“, sagte SPD-Bildungsexperte Jochen Ott.

Gebauers Ministerium, für die Prüfungen verantwortlich, wird vom WDR derweil mit den Worten zitiert: Es sei „nicht nur zulässig, sondern ausdrücklich gewünscht, dass die Lehrkräfte innerhalb der ihnen vorgegebenen Bewertungskriterien im Zweifelsfall ihren vorhandenen Beurteilungsspielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler nutzen“. Die Lehrkräfte sollen es also richten. So ist das wohl zu verstehen.

„Ich war bisher immer ein guter Schüler in Mathe, hatte keine großen Verständnisprobleme“, sagt Bergmann am Ende des Gesprächs. „Diese Klausur allerdings war schon heftig.“ Immerhin, erzählt er, sei ihm diesmal die Chemie-Klausur „etwas leichter gefallen“. Das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Sonst heißt es nachher, Abiturienten würden sich nur beschweren. Und: Danach ist die Uhr zu stellen.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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