Castrop-Rauxeler Hausärzte sehen sich medizinisch gut auf Corona-Impfungen in ihren Praxen vorbereitet – aber fürchten logistische Probleme. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Castrop-Rauxels Hausärzte bereit für Corona-Impfungen – aber es gibt Hürden

Ab April sollen auch Hausärzte in ihren Praxen Patienten gegen das Coronavirus impfen. „Medizinisch kein Problem“, sagt der Castrop-Rauxeler Ärztesprecher. Aber logistisch sei das nicht einfach.

Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe hat sich in dieser Woche mit der Mitteilung zu Wort gemeldet, man sehe Hausärztinnen und Hausärzte gerüstet, Impfungen gegen das Coronavirus in den eigenen Praxen zu übernehmen.

„Die wichtigste Voraussetzung dafür – ausreichend Impfstoff – wird aller Voraussicht nach im März und April erfüllt sein“, schreibt die 1. Vorsitzende des Verbandes, Anke Richter-Scheer.

Und ein paar Ideen dazu, wie das Impfen genau ablaufen soll, hat der Verband auch schon entwickelt: Geimpft werden solle außerhalb der Sprechstundenzeiten, damit die „übrige Patientenversorgung nicht beeinträchtigt wird“.

Vor allem Hausarzt-Praxen und Kinderärzte sind gefragt

Außerdem sollten vor allem Hausarzt-Praxen sowie Kinderärzte gefragt sein, weil man hier die Patienten am besten kenne. Und die dritte Festlegung. Wer sich in einer bestimmten Praxis zu ersten Impfung einfindet, soll hier auch seine zweite Impfung bekommen.

Alles zusammengenommen, könnten Hausarztpraxen spätestens Anfang April „in den Impfprozess einsteigen“, wie Anke Richter-Scheer schreibt. Allerdings nur, wenn eine Voraussetzung erfüllt sei: ein „koordiniertes Priorisierungs- und Einbestellungssystem durch das Land“.

Dr. Alexander Senge vertritt als Vorsitzender des Ärztevereins Castrop-Rauxel 70 Mediziner der Stadt.
Dr. Alexander Senge vertritt als Vorsitzender des Ärztevereins Castrop-Rauxel 70 Mediziner der Stadt. © privat © privat

Dr. Alexander Senge ist als Orthopäde und Unfallchirurg vielleicht nicht der erste Arzt in Castrop-Rauxel, an dem man in Zusammenhang mit Corona-Impfungen denkt. Aber als Vorsitzender des Ärztevereins Castrop-Rauxel vertritt er die Interessen von 70 in der Stadt tätigen Medizinerinnen und Medizinern.

„Das Impfen ist kein Hexenwerk“

Mit den Vorschlägen des Hausärzteverbands von der Redaktion konfrontiert, sagt Alexander Senge ganz klar: „Das Impfen ist kein Hexenwerk.“ Schließlich seien Corona-Impfungen erst einmal nichts anderes als etwa Grippeschutzimpfungen. Die Hausärzte seien dafür aufgestellt. Und: „Der Wille ist da.“

Er findet es auch gut, wenn die Hausärzte beim Impfen mitmachen könnten. Sie würden die Patienten am besten kennen, deren Vorgeschichte, mögliche Probleme. Das mache sie besser geeignet für die Impfungen als Mediziner, die die Patienten zur Impfung das erste Mal sehen und sich auf Angaben im Fragebogen verlassen müssten. Außerdem seien Impferfolg und -rate in Deutschland aktuell „beschämend niedrig“.

Doch Alexander Senge sieht auch Hürden. So fragt er sich, wie die Terminvergabe funktioniert, wenn die Impfberechtigten bei den einzelnen Hausarztpraxen anrufen. Und es vielleicht bei mehreren Praxen hintereinander probieren, wenn bei der ersten Praxis besetzt ist. Die Terminvergabe habe ja schon bei den Impfzentren nicht funktioniert.

„Was machen Sie mit den Patienten in der Praxis?“

Außerdem sollten die Patienten nach der Impfung noch 30 Minuten vor Ort bleiben, damit der Arzt eingreifen kann, wenn es eine allergische Reaktion auf die Impfung gibt. In den Impfzentren sei das kein Problem, sie seien extra dafür aufgebaut worden. „Aber was machen Sie mit den Patienten in der Praxis? Da haben sie ein Problem mit den Räumen“ – vor allem, weil im Wartezimmer das Corona-Abstandsgebot gewahrt bleiben müsse: „Da kann man nicht von weg.“

Noch einen dritten Punkt sieht Alexander Senge kritisch: die Frage nach dem Personal beziehungsweise der Arbeitszeiten. Denn: Wenn sich die Impf-Kandidaten nicht mit den „normalen“ Patienten mischen sollen, könnten die Impfungen nur außerhalb der Sprechzeiten stattfinden. Entweder also dann, wenn die Ärztinnen und Ärzte und ihr Personal eigentlich Feierabend hätten oder um den Preis verkürzter regulärer Sprechzeiten.

Mit anderen Worten: Castrop-Rauxels Hausärzte wollen gerne mithelfen, damit die Menschen in der Stadt möglichst schnell geimpft werden können. Aber Alexander Senge wünscht sich für sich und seine Kollegen logistische Unterstützung. Nur dann kann das Impfen in der Praxis tatsächlich funktionieren.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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