Das Berufskolleg in Castrop-Rauxel wird seit Monaten kommissarisch geleitet. Wer neue Schulleiter wird, müssen nun Richter entscheiden. © Iris Müller
Schulen in Castrop-Rauxel

Castrop-Rauxels größte Schule hat seit Monaten keinen Chef

Die größte Schule Castrop-Rauxels wird seit sieben Monaten nur kommissarisch geleitet. Ändern wird sich das vorerst nicht: Über den neuen Schulleiter entscheidet ein Gericht.

Am 27. Februar 2020 hat sich Fred Nierhauve in Pension verabschiedet. Dieser Donnerstag, er war sicher ein besonderer Tag für Nierhauve, aber in jedem Fall auch für seine Schule.

Acht Jahre hatte Fred Nierhauve das Berufskolleg in Castrop-Rauxel (BKCR) geleitet, die größte Schule der Stadt. Der 27. Februar war der bisher letzte Tag der Schule mit einem amtierenden Schulleiter. Seitdem ist die Stelle unbesetzt, die Schule wird kommissarisch geführt. Siebeneinhalb Monate. Siebeneinhalb turbulente Corona-Monate. Erschwerend kommt hinzu: Auch die stellvertretende Schulleiterin muss derzeit vertreten werden.

Ein Rechtsstreit ist entbrannt

Eigentlich hätte die Schulleiter-Stelle schon längst neu besetzt sein können: Es gab Bewerbungen. Und die Bezirksregierung Münster hatte sich auch bereits im April für einen Nachfolger* entschieden. Das teilte sie auf Anfrage unserer Redaktion mit. Das Problem: Der unterlegene Bewerber hat gegen die Entscheidung geklagt.

Im Eilverfahren gab das Verwaltungsgericht Arnsberg der Bezirksregierung Münster recht. Dagegen allerdings ging der Mitbewerber erneut vor, wie die Bezirksregierung mitteilt. Nun liegt die Streitsache beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster.

Fred Nierhauve hat bis Ende Februar das Berufskolleg in Castrop-Rauxel geleitet. Dann ist er in Pension gegangen.
Fred Nierhauve hat bis Ende Februar das Berufskolleg in Castrop-Rauxel geleitet. Dann ist er in Pension gegangen. © Iris Müller © Iris Müller

Wann die Richter dort zu einer Entscheidung kommen, sei offen, sagt OVG-Sprecherin Gudrun Dahme. Eingegangen ist die Sache erst Ende September. „Es wird auf jeden Fall noch was dauern“, so Dahme. Wie lange genau, hänge von vielem ab: Wie viel Schriftverkehr noch nötig ist, wie der Senat besetzt ist, wie viele ältere Verfahren zu verhandeln sind.

Bezirksregierung: Es bleibt nichts auf der Strecke

Und so wird das BKCR vorerst weiter kommissarisch geführt. Auch dort könne man nicht abschätzen, wie lange der Schwebezustand anhält, heißt es aus dem kommissarischen Leitungsteam. Doch was bedeutet es für eine Schule mit rund 2600 Schülern plus Lehrern, wenn die Schulleitung nur vorübergehend im Amt ist?

Die Bezirksregierung beteuert: Es bleibe „nichts ‚auf der Strecke‘“. Die Schule stehe auch nicht ohne Schulleitung da. „Die erweiterte Schulleitung kümmert sich derzeit im Team um alle Angelegenheiten und leitet die Schule mit allen wichtigen Entscheidungen kompetent weiter“, heißt es.

Gewerkschaft: Schule befindet sich in „Hängepartie“

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das kritischer: Schulen wie das BKCR derzeit befänden sich in „einer blöden Hängepartie“, sagt Sebastian Krebs, stellvertretender Vorsitzender der GEW in NRW und selbst Berufsschullehrer. Dieses Warten auf die neue Schulleitung könne „unter Umständen zum Stillstand führen und das ist schlecht“.

Dabei seien kommissarische Schulleitungen nicht generell schlecht. Es hinge sehr von denjenigen ab, die die Ämter übernehmen müssten. „Das kann man richtig gut machen, das kann aber auch floppen“, so Krebs. Ein Problem sei, dass die kommissarischen Leitungen sich diese Aufgabe nicht aussuchen, sondern übertragen bekommen – ob sie wollen oder nicht. Es sind also oft keine Lehrer, die die Schulleitung von sich aus gern machen würden, sagt Krebs.

Generell müsste in einer so großen Schule wie dem BKCR „genug Know-how“ sein, um die Schule auch kommissarisch im Team vernünftig weiterführen zu können, sagt Krebs. Eine so große Schule könne eh nicht einer im Alleingang leiten. Die GEW wünsche sich trotzdem, dass solche Schwebezustände „so schnell wie möglich beendet werden“.

* Die Bezirksregierung Münster gibt nicht bekannt, ob es sich um männliche oder weibliche Bewerber handelt. Der Einfachheit halber wird hier nur die männliche Form genutzt.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski

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