Ein Fläschchen des in den letzten Tagen heiß diskutierten Corona-Impfstoffs von Astrazeneca, der derzeit nicht verimpft werden darf. © dpa
Coronavirus

Castrop-Rauxelerin: „Warum kann man Astrazeneca nicht freiwillig nehmen?“

Erst wurde sie trotz eines Termins am Impfzentrum weggeschickt. Jetzt wird Astrazeneca nicht mehr verimpft. Christel Sperz ist sauer: „Warum kann das nicht jeder, der es will, nehmen?“

Christel Sperz ist 75 Jahre alt, hat Vorerkrankungen. Deshalb hatte sie Anfang März versucht, sich über das Internetportal der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) einen Termin für eine Corona-Impfung zu holen. Mit Erfolg. Am Impfzentrum aber war sie dann abgewiesen worden, von einem KVWL-Mitarbeiter musste sie sich anschließend noch einen dummen Spruch anhören.

Die Abfragemaske im Internetportal wurde danach kommentarlos geändert. „Ich stand auf einmal da, als sei ich zu blöd, das richtig zu machen“, beklagt sich die Castrop-Rauxeler FWI-Politikerin.

Viele Berichte belegen Christel Sperz‘ Erfahrung

Dabei haben inzwischen viele Berichte von älteren Menschen belegt, dass das Vorgehen der KVWL bei der Vergabe von Impfterminen für mindestens viel Unsicherheit und Missverständnisse gesorgt hat. Nicht nur Christel Sperz und das Castrop-Rauxeler Ehepaar Stabenau, das sich über das Procedere am Recklinghauser Impfzentrum beschwert hat, stehen für diese Tatsache.

Auch Erfahrungen vieler Dortmunder Senioren am Impfzentrum der benachbarten Großstadt belegen diese Tatsache. Hans-Peter Diedrich war einer von ihnen. Der 78-Jährige ist schwerbehindert und chronisch krank, hatte vorher extra bei der KV NRW und der KV Westfalen-Lippe angerufen. Denn auch er hatte gehört, dass nur Über-80-Jährige drankämen.

Experte bestätigt Problem der Anmeldemaske

Die Aussage am Telefon aber laut Diedrich: „Wenn Sie einen Termin bestätigt bekommen haben, ist doch alles in Ordnung.“ Am Impfzentrum in Dortmund habe es dann geheißen: „Sie stehen nicht auf der Liste der heute zu impfenden Personen.“

Christel Sperz aus Rauxel hat versucht, sich impfen zu lassen. Einen Termin bekam sie, aber keine Impfung.
Christel Sperz aus Rauxel hat versucht, sich impfen zu lassen. Einen Termin bekam sie, aber keine Impfung. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Das Problem war die Anmeldemaske auf der Internet-Seite der Kassenärztlichen Vereinigung. Zunächst einmal habe sich jeder dort anmelden können. „Dann kamen Sie auf eine Seite mit einer Liste von Risikogruppen, die alle zur höchsten Prioritätsgruppe gehören sollten. Und dann konnte man sich anmelden“, so berichtete der Chef des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken. Das sei „nachgewiesenermaßen ein Fehler in dieser Anmeldemaske“ gewesen – und das habe man „mit der KVWL auch sehr deutlich kommuniziert“, sagte er.

Für Christel Sperz und andere Menschen, die sich guten Gewissens auf das Internetportal der KVWL verlassen hatten, ist das kein großer Trost nach den Erfahrungen, die sie zum Teil an den Impfzentren machen mussten. Und das ärgert die 75-jährige Rauxelerin. „Als man mir beim Kreis hinterher gesagt hat, dass ich für eine vorgezogene Impfung ein individuelles Attest meines Arztes bräuchte, konnte ich das nachvollziehen. Aber davon war bei der Anmeldung im Netz ja nicht die Rede.“

Genauso ärgert sie der derzeitige Umgang mit dem Impfstoff Astrazeneca. „Warum stoppt man denn die Impfungen komplett, wenn die Nebenwirkungen doch in einem so geringen Ausmaß ausfallen, wie überall geschrieben wird?“, fragt sich Christel Sperz.

Warum keine freiwillige Astrazeneca-Impfung?

Sie hielte es strategisch für sinnvoll, die Impfung mit diesem Mittel auf freiwilliger Basis zu ermöglichen. „Alle, die sich mit Astrazeneca impfen lassen wollen, sollen sich doch impfen lassen können. Das ist mein persönliches Risiko, das ich eingehe, wenn ich mich dafür entscheide.“ Man können sich ja auch freiwillig gegen das Impfen entscheiden. Warum dann nicht auf freiwillig für die Impfung mit dem umstrittenen Mittel?

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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