Hofft auf eine mildere Strafe: Einer der Angeklagten neben Verteidiger Marco Ostmeyer. © Jörn Hartwich
Landgericht Dortmund

Castrop-Rauxeler verkauft Drogen – und wird aus Rache überfallen

Ein mutmaßlicher Kleindealer aus Castrop-Rauxel ist Opfer eines Überfalls geworden. Der „Vorwurf“ der Täter: Der Castrop-Rauxeler soll Drogen an den „kleinen Bruder“ verkauft haben.

Einer der Täter hatte eine echt aussehende Spielzeugpistole im Hosenbund, der andere kochte vor Wut: Vor zwei Jahren wurde ein mutmaßlicher Kleindealer aus Castrop-Rauxel Opfer eines Überfalls. Seit Donnerstag (5.8.) beschäftigt der Fall das Dortmunder Landgericht.

Angeklagt sind zwei Freunde, die sich damals zum Pizzaessen verabredet hatten. Als zufällig das spätere Opfer auftauchte, ging alles ganz schnell. Sie bedrängten den Mann, zwangen ihn, sie mit in seine Wohnung zu nehmen.

Pistole im Hosenbund

Viel gesprochen wurde dabei offenbar nicht. Einer der Angeklagten hob nur kurz sein T-Shirt und zeigte den Griff einer Pistole. „Da kommen normalerweise Platzpatronen rein“, sagte er vor Gericht. „Aber wenn man nur den Griff sieht, sieht die schon echt aus.“

Den beiden 22 und 23 Jahre alten Freunden ging es offenbar um Rache. „Der hat meinem kleinen Bruder Marihuana verkauft“, sagte der Jüngere. „Deshalb wollte ich ihn mir vorknöpfen.“

Ziel sei es gewesen, dem mutmaßlichen Dealer die Drogen wegzunehmen. In der Wohnung angekommen, nahm die Aktion jedoch einen etwas anderen Verlauf. Ein dritter Täter, der bereits rechtskräftig verurteilt worden ist, nahm gleich auch noch eine Playstation 4 und teure Legofiguren mit. „Der hatte nachher zwei große Tüten in der Hand“, hieß es vor Gericht.

Drogen in der Emscher

Warum sich der mutmaßliche Dealer nicht gewehrt hat, erklärte einer der Angeklagten so: „Der hatte wohl Angst.“ Kein Wunder, könnte man meinen. Schließlich hatte das Opfer nicht nur die Pistole gesehen, sondern war möglicherweise auch noch mit einer Eisenstange bedroht worden. Die soll der dritte Täter in der Hand gehalten haben.

Nach der Tat hatte sich das Trio getrennt und war geflüchtet. Rund 20 Gramm Marihuana und ein paar Ecstasy-Pillen, die ebenfalls gefunden und mitgenommen worden waren, will der Jüngere in die Emscher geworfen haben. „Keine gute Qualität“, sagte er den Richtern. „Das konnte ich riechen – wie bei Obst und Gemüse.“

Erste Urteile aufgehoben

Der Fall hatte schon einmal das Dortmunder Landgericht beschäftigt. Damals waren die beiden Castroper zu 10 beziehungsweise 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Diese Urteile hatte der Bundesgerichtshof jedoch aufgehoben, nachdem Verteidiger Marco Ostmeyer Revision eingelegt hatte. Deshalb muss der Überfall in ihrem Fall nun noch einmal komplett von vorne verhandelt werden.

Vor allem der Jüngere hofft auf eine deutliche mildere Strafe. Ostmeyer: „Er hatte einfach nur den Plan, dem Dealer auf die Bude zu rücken und ihm klarzumachen, dass er aufhören soll, seinem kleinen Bruder Drogen zu verkaufen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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Gerichtsreporter

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