Verlassen und marode sah im Jahr Juli 2017 der Eingangsbereich eines Castrop-Rauxeler Sportplatzes aus. Mittlerweile sieht es dort wieder besser aus. © Tobias Weckenbrock
Fußball

Castrop-Rauxeler Sportplatz wurde vom Lost Place zum Ort der Glückseligkeit

Auf einem Sportplatz wurde mehr als ein halbes Jahrhundert lang Fußball gespielt - auf roter Asche. Die Kicker sind jetzt weg. Aber: Flinke Beine sind weiterhin dort noch immer vor Ort.

Binnen 14 Monaten hatten im Jahr 2005 die Sportwissenschaftler der „Internationalen Vereinigung für Sport- und Freizeiteinrichtungen“ (IAKS) die Sportstätten in Castrop-Rauxel unter die Lupe genommen. Dabei fielen mehrere der Plätze durch. Sie wurden als „Überflüssig“ eingestuft. Das Prädikat wurde den Sportstätten in Dingen, Pöppinghausen, Rauxel, Habinghorst und sogar Henrichenburg gegeben.

Eine ellenlange Geschichte rankt sich um das Sportgelände in Dingen an der Westheide, direkt an der Stadtgrenze zu Dortmund. Die Stadt Castrop-Rauxel wollte den maroden Fußballplatz tatsächlich 2005 zusperren. Das aber rief den SV Dingen auf den Plan. Insbesondere Vorstandsmitglied Klaus Holzner. Er verkündete damals etwas großspurig: „Dann kaufen wir die Anlage eben.“ Leicht gesagt – nicht machbar.

Nur noch sehr selten wurde im Jahr 2017 auf dem Sportplatz an der Westheide gekickt. Damals stand auch noch das benachbarte Kraftwerk. © Jens Lukas © Jens Lukas

Doch dieser eine Holzner-Satz setzte Mühlräder in Bewegung. Was dazu führte, dass der SV Dingen das marode Gelände von der Stadt pachtete, um es in Eigenregie zu beackern. Mit dem städtischen Versprechen, den Sportplatz zu sanieren. Was auch für 87.000 Euro passierte – 20.000 Euro davon stemmte der Verein.

Stadt und SV Dingen schlossen einen Pachtvertrag bis zum Jahr 2019. Den Ärger mit der Nachbarschaft eingeschlossen, die Fußball nicht mochte. Nach der Fusion zur SF Habinghorst/Dingen kickten dann nur noch die Dingener Altherren auf dem Sportplatz Westheide.

Das Vereinsgebäude auf Höhe der Mittellinie wurde in den vergangenen Jahren zum Lost Place. © Volker Engel © Volker Engel

Als die Oldies auch aufhörten dort zu spielen, verließ der SV Dingen das Sportgelände schon vor dem Jahr 2019 – also vor dem Ende des Pachtvertrags. „Das von uns in Eigenregie gebaute Vereinsheim ist dann in Eigentum der Stadt übergegangen – ohne Entschädigung an uns. Das war so als Auflage beim Bau des Vereinsheims vereinbart worden bei Beendigung unserer Sportplatz-Nutzung“, erklärt jetzt Klaus Holzner, der Vorsitzender der SF Habinghorst/Dingen.

Der Sportplatz Westheide gammelte fortan vor sich hin. Bis eben eines guten Tages Hundetrainerin Claudia Panter aufmerksam wurde. Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund sah die Besitzerin der Hundeschule „Glückliche Hundewiese“ tatsächlich Rehe grasend auf dem Sportplatz, auf dem zwischen roter Asche inzwischen frisches Gras hervorlugte.

Claudia Panter ist mit ihrer „Glücklichen Hundewiese“ auf das weiträumige Areal des ehemaligen Sportplatzes des SV Dingen umgezogen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Seit 14 Jahren war Panters Hundeschule unweit an der Nierhausstraße am nördlichen Werkstor des Kraftwerks Knepper beheimatet. Als Kühlturm und Schornstein am 17. Februar 2018 gesprengt wurden, war die 4.000 Quadratmeter „Glückliche Hundewiese“ dort längst Geschichte. Claudia Panter sah im 18.500 Quadratmeter großen Sportgelände Westheide das ideale Areal für ihre Belange – pachtet es plus Ex-Vereinsheim des SV Dingen von der Stadt. Sind 18.500 Quadratmeter nicht zu groß? „Nein, wir nutzen das gesamte Gelände beim Training mit den Hunden. Ich fühle mich sehr wohl und würde gerne die nächsten 20 Jahre hier arbeiten.“

Corona legt die Arbeit mit den Hunden lahm

Wobei: Die Arbeit mit den Hunden liegt in Corona-Zeiten brach. „Ab und an trainiere ich mit meinem eigenen Dackel dort ein wenig“, so Claudia Panter, die alte Normalität herbeisehnt. „Vor dem ersten Lockdown gab es bei uns einen regelrechten Boom. Und ich bekomme auch jetzt noch täglich Anrufe, wann es wieder losgeht mit der Hundeschule“, sagt Claudia Panter, die zusätzlich auch Hunde-Sachverständige, Verhaltenstherapeutin und Dozentin am Institut für Tierpsychologie in Lünen ist.

Zur Hundeschule gehört auch das ehemalige Vereinsheim. Claudia Panters Ehemann Markus hilft in seiner Freizeit bei der Pflege des Geländes. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die „Glückliche Hundewiese“ liegt durch die Corona-Pandemie seit fast einem Jahr brach. „Der ersten Corona-Welle folgte der heiße Sommer. „Da es bei uns kaum Schatten gibt, konnten wir mit den Hunden nur sehr wenig arbeiten. Danach kam das zweite Corona-Aus“, so Claudia Panter, die beklagt: „Die Politik trifft nur große Entscheidungen – ohne auf Einzelfälle wie uns Rücksicht zu nehmen.“ Dabei gäbe es viele Hunde, die in ihrer Entwicklung dringend Hilfe benötigen.

Aus einer kleineren „Glücklichen Hundewiese“ wurde das große Sportgelände Westheide, auf dem Claudia Panter noch viele Ideen umsetzen möchte. Oder auch bereits umgesetzt hat. Aktuell stoppt halt nur Corona die ganzheitliche Hundeausbildung, was bei der Trainerin jedoch nicht die Hoffnung auf eine baldige Besserung der aktuell unbefriedigenden Situation sinken lässt.

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Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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