Spargelbauern in Castrop-Rauxel: „Ingenieure wollten Spargel stechen“

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Die Castrop-Rauxeler Spargelbauern hatten sich die Situation schwieriger vorgestellt. Aktuell haben sie genug Helfer. Bei Landwirt Jens Sanders stand das Telefon nicht still.

Castrop-Rauxel

, 23.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitten in die Corona-Krise mischte sich vor ein paar Wochen eine andere Sorge: Die um den deutschen Spargel. Es ging immerhin um nicht weniger als die Königin unter den Gemüsen. Die drohte schlecht zu werden, weil Erntehelfer aus Polen und Rumänien wegen der geschlossenen Grenzen zunächst nicht mehr einreisen durften. Auch Castrop-Rauxeler Bauern machten sich Sorgen, was aus ihrem Spargel wird.

Erfüllt haben sich diese nicht: Landwirt Jan Menken hatte nach eigener Aussage am Karsamstag den verkaufsstärksten Tag, den er je hatte. Und auch die anderen Landwirte, die in Castrop-Rauxel Spargel anbauen, hatten sich die Situation vorher schwieriger ausgemalt.

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Das Telefon stand nicht still

„Wir sind zur Zeit eigentlich recht gut versorgt“, sagt Jens Sanders. Durch Mund-Propaganda hat er drei Leute gefunden, die zuletzt zwar in anderen Jobs tätig waren, aber auch mal als Spargel-Erntehelfer gearbeitet haben. „Weil sie das länger nicht gemacht haben, gab es ein paar Anlaufschwierigkeiten.“

Denn für das Spargelstechen brauche es Vorerfahrung, sagt Sanders. Das sei letztlich auch entscheidend gewesen, um die drei polnischen Arbeiter einzustellen, denn Anfragen hatte er genug. „Insgesamt bestimmt 100. Täglich hat das Telefon geklingelt. Viele Studenten waren dabei, aber sogar auch zwei Ingenieure wollten Spargel stechen.“ Für seine zwei Hektar Spargelfeld ist er jetzt aber versorgt.

Und auch sonst liefe alles den Umständen entsprechen ganz gut. Es sei nur schwieriger zu kalkulieren, sagt Sanders. Vergleiche zur Vorwoche ließen sich beim Verkauf seiner Produkte nicht machen, zum Vorjahr erst recht nicht. Mal sei etwas direkt weg, mal gehe es schlechter, merke er auf dem Wochenmarkt. „Der Markt erlebt gerade so eine Art Boom“, stellt Sanders fest.

Taxi bringt den Spargel bis zur Haustür

Das gilt auch für das Spargeltaxi vom Hof Niermann. Krisen machen erfinderisch. Und bei Familie Niermann heißt das: Sie hat einem Spargel-Lieferdienst ins Leben gerufen. Seit dem Dienstag nach Ostern bringt der Landwirt ab einem Mindestbestellwert von 25 Euro den Spargel bist zur Haustür.

„Das wird sehr gut angenommen“, sagt Renata Niermann. Vor allem viele ältere Kunden kämen weniger in den Hofladen. „Wir wollen ihnen aber trotzdem den Genuss ermöglichen.“ Kunden können außerdem auch Kartoffeln, Sauce Hollandaise oder Schinken dazu bestellen. Kunden können online bestellen und dann bei der Lieferung bar oder per EC-Karte bezahlen.

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Dafür, dass der Spargel aus der Erde kommt, sorgen auf Hof Niermann aktuell acht Spargelstecher. Für die drei Hektar, auf denen gerade gearbeitet wird, reiche das, sagt Jodokus Niermann. „Zur Zeit komme ich aus.“ Wenn aber die anderen fünf Hektar anstehen, auf denen später geerntet wird, braucht er mehr Erntehelfer.
Über den Bauernverband will er dafür noch sechs weitere Helfer anfragen. Das sei aktuell mit einigem Mehraufwand verbunden.

Strenge Einreiseregeln für Erntehelfer

Die Saisonarbeiter aus dem Osten dürfen ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug ein- und ausreisen. Die Bundespolizei legt in Abstimmung mit den Bauernverbänden die entsprechenden Flughäfen fest.

Bei der Einreise ist ein Gesundheitscheck vorgesehen. Liegen Anhaltspunkte für eine Corona-Infektion vor, soll die Einreise verweigert werden. In den ersten 14 Tagen dürfen die Helfer ihren Betrieb nicht verlassen – die Bundesregierung spricht von einer „faktischen Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit“.

Zur aktuellen Situation sagt Niermann: „Ganz gut ist etwas anderes, aber es geht.“

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