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Castrop-Rauxeler Pendler sind im ganzen Ruhrgebiet unterwegs: Das sind ihre Geschichten

dzBerufspendler

Knapp 100 Kilometer am frühen Morgen nach Köln und 100 Kilometer am Abend zurück. Alles für den Job. Castrop-Rauxeler erzählen aus ihrem Pendleralltag.

Castrop-Rauxel

, 28.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Früher, als Castrop-Rauxel noch voll war mit Zechen, die wohnten die Leute mit ihren Familien direkt an der Arbeitsstelle. Zechensiedlungen waren beliebt, niemand musste weit zur Arbeit fahren. Heute gibt es keine Zechen mehr. Und wer arbeiten will, muss unter Umständen weite Wege auf sich nehmen, oder umziehen.

4,74 Millionen Menschen pendeln in Nordrhein-Westfalen täglich für die Arbeit in eine andere Stadt. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt zu den neusten Zahlen mitteilt, pendelten 2017 nach Köln (337.359), Düsseldorf (307.437) und Essen (151.509) zusammen täglich mehr als eine Dreiviertelmillion Erwerbstätige.

Die Hälfte der Pendler bleibt im Kreis Recklinghausen

In Castrop-Rauxel ist das ähnlich. Wer in der Europastadt wohnt, arbeitet häufig in eine der umliegenden Städte. 23.096 Pendler machen sich täglich auf den Weg zur Arbeit in eine andere Stadt. 11.536 bleiben aber im Kreis, der Rest fährt über die Kreisgrenze hinaus, in Städte wie Dortmund, Essen, Düsseldorf und Köln.

Das kennt auch Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel. „Die meisten Pendler pendeln sicher im Umkreis von 20 Kilometern. Wer auf der Suche nach einem Traumjob fündig wird, ist aber oft auch bereit, bis nach Düsseldorf zu fahren“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Wie sehr der Arbeitnehmer zum Pendeln bereit sei, hänge auch immer von der Anbindung des Arbeitsplatzes ab. „Ein Drittel der Pendler nutzen derzeit nach unseren Erfahrungen Bus und Bahn“, sagt Bunse. Der Rest ist auf das Auto angewiesen.

Castrop-Rauxeler Pendler sind im ganzen Ruhrgebiet unterwegs: Das sind ihre Geschichten

Stefan Bunse leitet die Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel und kennt viele Berufspendler. © Tobias Weckenbrock

Die meisten Castrop-Rauxeler Aus-Pendler sind männlich. 13.215 Männer fahren zum Arbeiten in eine andere Stadt, 9881 sind Frauen. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) hängt das vor allem mit der (noch) nicht vorhandenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusammen. „Mit zunehmendem Alter gehen lange tägliche Pendelzeiten bei Frauen zurück, während sie bei Männern ansteigen“, heißt es in der Studie. „So verzichten insbesondere Frauen häufig zugunsten der Familie auf entferntere Arbeitsplätze und beruflichen Aufstieg. Männer nehmen dagegen häufiger längere Fahrten auf sich, was durch traditionelle Familienmodelle möglich wird.“

Auch der Gesetzgeber geht mittlerweile davon aus, dass Menschen bereit sind, für einen Arbeitsplatz weit zu fahren. Er hält Pendelzeiten von insgesamt bis zu zweieinhalb Stunden täglich für zumutbar. Egal, ob die mit Bus und Bahn oder dem Auto bewältigt werden. Einen geeigneten Job zu finden, ist dann auch leichter. „Klar ist, dass sich die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen, je flexibler ich mich regional aufstellen kann. Das gilt für Beschäftigte in Spitzenpositionen, genauso wie für die Suche nach einem Ausbildungsplatz“, sagt Bunse. Aber viele hätten auch gar keine andere Wahl. „Ein Umzug in Großstädte scheitert manchmal schon an bezahlbaren Mieten, sodass Pendeln unvermeidlich ist. Da muss ich mir als Arbeitgeber, der keinen Azubi oder Arbeitnehmer findet, vielleicht auch Gedanken machen, wie ich mich für potenzielle Mitarbeiter attraktiv mache.“

Längere Wartezeiten führen zu gesundheitlicher Beschwerden

Dass das dauerhafte Pendeln aber auch gesundheitliche Risiken mit sich bringt, zeigt die Baua-Studie. Sie zeigt als Erstes, dass Beschäftigte mit ihrer Work-Life-Balance umso unzufriedener sind, je mehr Zeit das tägliche Pendeln in Anspruch nimmt. Mit längerer Wegezeit nehmen auch verschiedene gesundheitliche Beschwerden zu. Pendler klagen über Müdigkeit und Erschöpfung sowie Nervosität und Reizbarkeit. Aber auch von Magen- und Verdauungsbeschwerden sowie Nacken- und Schulterschmerzen sind Beschäftigte mit langen Pendelzeiten häufiger betroffen. Frauen haben häufiger Kopfschmerzen.

Und wie kann man den Stress verringern? Vorhersehbare Arbeitszeiten, planbare Wegezeiten und zeitlicher Spielraum helfen, gelassener mit den Belastungen des Pendelns umzugehen, so die Ärztekammer. Wer durch eine Gleitzeitregelung seinen Arbeitsbeginn selbst festlegen kann, bleibt bei Stau oder verspäteten Zügen entspannter. Möglichkeiten, die längst nicht alle Arbeitnehmer haben.

Wir haben acht Castrop-Rauxeler nach ihrer persönlichen Pendlergeschichte gefragt.

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