In den Castrop-Rauxeler Kitas (hier im Bild die Kita Villa Kunterbunt) soll bald wieder der Regelbetrieb einsetzen. © RN-Archiv
Coronavirus

Castrop-Rauxeler Mutter: „Kita-Öffnungen gehen am Kindeswohl vorbei!“

Ab Montag (22.2.) sollen die Kitas in NRW erste Schritte in Richtung Normalbetrieb wagen. Nadine Rode-Tost, Vorsitzende des Jugendamt-Elternbeirats in Castrop-Rauxel, hält das für verfrüht.

Die Kindertagesstätten in Castrop-Rauxel bereiten sich darauf vor, der Empfehlung von NRW-Familienminister Joachim Stamp zu folgen. Ab Montag (22.2.) soll eine Phase anlaufen, in der die Betreuungseinrichtungen wieder für alle Kinder geöffnet sind. Der vorherige Appell Stamps, wenn möglich seine Kinder zu Hause zu betreuen, gilt dann nicht mehr.

Die Kinderbetreuungseinrichtungen sollen nun wieder für alle Jungen und Mädchen geöffnet werden. Der Regelbetrieb wird stufenweise aufgenommen. Erst eingeschränkt, später dann mit immer weniger Einschränkungen.

Aber ist das angesichts der aktuellen Inzidenz-Werte und der Probleme bei der Corona-Impfstoffbeschaffung in Deutschland ein kluger Schachzug der Politik? Nadine Rode-Tost, die Vorsitzende des Castrop-Rauxeler Jugendamts-Elternbeirat (JAEB), ist da mehr als skeptisch. In diesem Gremium sitzen Eltern, die in Elternräten der Kitas mitarbeiten.

Skepsis angebracht

„Natürlich ist das so, dass vielen Eltern, die jetzt zugleich Home-Office und Kinderbetreuung leisten müssen, ein Stein vom Herzen fällt. Deren Arbeitgeber wird das auch sicher freuen. Nur angesichts der Corona-Situation halte ich persönlich Kitaöffnungen in diesem Umfang für verfrüht“, erklärt Nadine Rode-Tost.

Die von vielen befürchtete dritte Welle der Corona-Pandemie komme bestimmt in absehbarer Zeit, befürchtet die Mama von fünf Kindern. „Wem nutzt das dann, wenn plötzlich wieder alles auf Null gesetzt werden muss?“, fragt die Vorsitzende des JAEB-Gremiums. Nadine Rode-Tost befürchtet, dass politische Entscheidungen gänzlich an der Lebensrealität der Kinder vorbeigingen und das Kindeswohl ignorierten.

„Angenommen, es häufen sich in den Kitas die Corona-Infektionen, dann würde das Ganze doch wieder von vorn losgehen“, sagt sie. „Wie sollen Kinder, die durch die Situation eh schon psychisch belastet werden, das nachvollziehen können, wenn sie abermals auf ihre Spielpartner verzichten müssen?“

Bedarf ist hoch

Es bestehe zweifellos bei den Castrop-Rauxeler Familien ein hoher Bedarf an Kinderbetreuung. Die Betreuungsquote ist zuletzt wieder auf über 50 Prozent gestiegen, wie Bürgermeister Rajko Kravanja erklärte. Die Gefahr für einen regelrechten Pandemie-Schock, die dürfe nicht unterschätzt werden, findet Nadine Rode-Tost.

Sie würde den Eltern empfehlen, vorerst abzuwarten und die Kinder nicht gleich wieder zur Kita zu bringen. Eher sollten sie die Zähne noch ein wenig zusammenzubeißen.

Wenn sie es als Fünffachmutter hinbekomme, die Betreuung ihrer Kinder zu Hause zu managen, dann könne das auch bei anderen möglich sein, findet sie. Ihr Plan: Man solle die nächsten drei Wochen erst einmal abwarten, um zu sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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