Für die verschiedenen Gottesdienste in den katholischen Kirchen des Pastoralverbunds Castrop-Rauxel-Süd zu Ostern finden sich Anmeldezettel in den Kirchen. © Katharina Roß
Kirchen

Castrop-Rauxeler Kirchengemeinden gehen zu Ostern verschiedene Wege

In katholischen Gemeinden in Castrop-Rauxel wird es zu Ostern Gottesdienste mit Besuchern geben. Eine große evangelische Gemeinde hat sich bereits dagegen entschieden. Andere überlegen noch.

Ostern ist das wichtigste Fest im Christentum. Gläubige gedenken in der Karwoche des Leidens von Jesus Christus und feiern Ostersonntag die Auferstehung. Ostern ohne einen Besuch in der Kirche zum Gottesdienst ist für viele schwer vorstellbar. Katholische und evangelische Gemeinden gehen in Castrop-Rauxel unterschiedliche Wege. Noch gibt es offene Entscheidungen.

Gelbe, blaue, grüne oder rote Zettel: Sie liegen in den Kirchen des katholischen Pastoralverbunds Castrop-Rauxel-Süd aus. Jede Farbe steht für einen der Ostertage ab Gründonnerstag und für einen Gottesdienst. „Anmeldungen sind zu Ostern notwendig“, sagt Pfarrer Winfried Grohsmann. Dass es Präsenzgottesdienste geben wird, steht für ihn außer Frage.

Und dies auch nach der Bitte der Kanzlerin Angela Merkel in der Nacht zu Dienstag, auf solche Gottesdienste an den Osterfeiertagen zu verzichten. Eine Bitte, die am Donnerstag von der Bundesregierung übrigens indirekt zurückgezogen wurde. In den aktualisierten Beschlüssen ist die Auffoirderung zu Präsenzgottesdiensten nicht mehr enthalten.

„Es gab nie ein Infektionsgeschehen, das auf Gottesdienste zurückzuführen war. Da fehlte mir die Logik“, sagt Grohsmann. Er verweist auf die Weihnachtsfeiertage, an denen sich das Hygienekonzept bewährt habe. Grohsmann: „Da muss es mit dem Teufel zugehen, wenn sich jemand infiziert.“

Viele Ehrenamtler machen Gottesdienste mit Besuchern möglich

Maskenpflicht, große Abstände, Kontaktnachverfolgung per Listen – das alles mache den Kirchenbesuch sicher. „In einer Kirche kommen sich Menschen nie so nahe wie in einem Einkaufsgang im Discounter“, sagt der Castrop-Rauxeler Pfarrer.

Dass es so gut klappt liege auch an den vielen Ehrenamtlichen. „Sie infizieren Bänke, achten beim Einlass auf die Hygienebestimmungen, nehmen die Daten auf, teilen notfalls auch eine Maske aus“, so schildert es Winfried Grohsmann. Nur mit Pfarrern oder Gemeindereferenten wären Präsenzgottesdienste nicht möglich.

Die Nachfrage nach den Ostergottesdiensten ist unterschiedlich. Pfarrer Grohsmann berichtet von gutem Interesse. Zettel in St. Lambertus waren am Donnerstag zumindest nicht zu finden. In der St.-Elisabeth-Gemeinde Obercastrop gibt es dagegen aktuell nur bis zu zehn Anmeldungen pro Ostergottesdienst, so berichtet Fritz Vierhaus aus dem Kirchenvorstand.

Evangelischen Kirchengemeinden entscheiden individuell

Auf die guten Erfahrungen der katholischen Kirche mit Präsenzgottesdiensten, auch in Castrop-Rauxel, schauen die evangelischen Kirchengemeinden. So berichtet es Sven Teschner, Pfarrer in Habinghorst. In der Europastadt gab es für die evangelischen Gläubigen 2021 noch keine Präsenz-Gottesdienste. Ob sich das ändern wird, stand bis zum späten Donnerstagnachmittag noch nicht fest.

Pfarrer Sven Teschner verweist auf die Empfehlungen der Landeskirche, die sich unter anderem an Inzidenzzahlen orientiert. Nimmt man die aktuelle Inzidenz in Castrop-Rauxel, die über 100 liegt, wären demzufolge Präsenzgottesdienste kaum möglich. Teschner sagt aber auch, dass im Rheinland die evangelische Kirche Gottesdienste wieder ermögliche – und das mit guten Erfahrungen. Und er erinnert an Gottesdienste im Herbst 2020 in Castrop-Rauxel bei ähnlichen Inzidenzzahlen wie jetzt. Ein Infektionsgeschehen gab es damals nicht.

Gottesdienste sind gerade an Festen wie Ostern sehr wichtig

Der Pfarrer beschreibt ein ambivalentes Gefühl. Da ist auf der einen Seite der Infektionsschutz. Auf der anderen Seite „sind Gottesdienste notwendig gerade an so hohen kirchlichen Festen wie Ostern, wo Menschen auch Kraft und Trost brauchen.“ Gerade in diesen Zeiten müssten Kirchen eigentlich für Gottesdienste öffnen.

Der Evangelische Kirchenkreis Herne hatte am Mittwoch (24.3.) informiert, dass die Pfarrer vor Ort mit ihren Presbyterien entscheiden können. Die Paulus-Kirchengemeinde hat beschlossen, weiter auf Präsenzgottesdienste zu verzichten.

„Wir sind bislang den Empfehlungen der Landeskirche gefolgt“, erläutert Pfarrer Johannes Ditthardt. Und gerade sehe es ja eher so aus, dass in Castrop-Rauxel bald an der 200er-Marke gekratzt werde. Erst nach Ostern, Mitte April, so Ditthardt, wird das Presbyterium wieder beraten. Dann könnten auch Open-Air-Konzerte, wie es sie bereits im vergangenen Jahr gab, ein Thema werden.

Offene Kirchen, Audioandachten und eine Klagemauer

Alleine gelassen werden die Gläubigen allerdings definitiv nicht, speziell auch in der Karwoche und zu Ostern. Das betonen beide evangelischen Gemeinden. Sven Teschner weist auf die Audioandachten hin. Jede Woche wird eine Sonderausgabe des Gemeindebriefs, „Emscherkreuz extra“, herausgegeben und in Geschäften verteilt. Auch die offenen Kirchen mit dem Ostergarten in der Petrikirche würden gut angenommen.

Die Paulus-Kirchengemeinde öffnet in der Karwoche die Kirchen ebenfalls zu bestimmten Terminen. Außerdem gibt es „Impulse“ an und in Lutherkirche und Pauluskirche. Vor der Lutherkirche entsteht eine Klagemauer. Unter dem Motto „Gott sei’s geklagt!“ können Menschen das, was ihnen auf dem Herzen liegt, auf einen Zettel schreiben und ihn zwischen die Steine stecken. Diese persönlichen Klagen werden Karfreitag im Gottesdienst symbolisch zum Kreuz gebracht.

Die verschiedenen Gottesdienste können als Stream auf YouTube oder über die Homepage www.paulusgemeinde-castrop.de abgerufen werden. Die katholische Kirchengemeinde überträgt ihre Gottesdienste live aus der Kirche St. Elisabeth.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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