Renate Schumacher von der "Engelsburg", wie viele Kunden aus Habinghorst ihren Lotto- und Tabakwaren-Laden nennen. 24 Jahre führte sie das Geschäft, nun geht sie in Ruhestand. © Schumacher
Lange Straße

Castrop-Rauxeler Institution in Habinghorster Geschäftsstraße hört auf

Renate Schumacher ist eine Institution in Habinghorst. Seit 24 Jahren führt sie ein Geschäft an der Langen Straße. Nun hört sie auf. Die Nachfolge ist geklärt, aber es gibt ein Angebot weniger.

Die Postagentur Renate Schumacher gehört zur Langen Straße wie die Mayo zur Pommes und Currysoße auf die Wurst. Sie bleibt auch da, das steht jetzt fest. Aber Renate Schumacher gibt den Laden nach fast einem Viertel-Jahrhundert ab. Das kündigte sie nun an und sagte zugleich, dass ein Angebot künftig nicht mehr gemacht werden kann.

„Angela Merkel, Ludger Stratmann, Sabine Töpperwien, … und Renate Schumacher, Postpartnerfiliale auf der Langen Straße 90“: Das, sagt sie, sei eine Liste von Institutionen, die in diesem Jahr ihren Abschied geben. Nach 24 Jahren, auf den Tag genau, übergibt die Inhaberin ihr Geschäft am 28.2.2021 an einen Nachfolger. Er kommt aus ihrem Viertel.

„Es fällt mir schwer“

„Ich kann nicht behaupten, dass ich die Tage bis zum Ruhestand zähle“, sagt Schumacher, die damit auch ihr Berufsleben beendet. „Nein, es fällt mir auch schwer. Eine intensive Zeit geht zu Ende.“

15 Jahre Partner-Filiale der Deutschen Post: Dafür gab es eine Sonderbriefmarke für Renate Schumacher.
15 Jahre Partner-Filiale der Deutschen Post: Dafür gab es eine Sonderbriefmarke für Renate Schumacher. © Schumacher © Schumacher

Ihr Geschäft an der Langen Straße war stets nicht nur Ziel der Kunden, die Pakete abgeben wollten, Postbank-Geschäfte abwickelten, ihr Glück im Lotto versuchten, Zeitschriften, Tabakwaren, Fahrkarten, Schreibwaren, EUV-Produkte, Heliumartikel oder anderes einkauften. Vielmehr kamen sie, um zu plaudern, Freude und Leid zu teilen, mit der Inhaberin, die sich für ihre Kunden Zeit nahm.

„Nähe und Vertrauen waren mir bei meiner Arbeit immer wichtig“, sagt Renate Schumacher. „Nicht selten kam es vor, dass ich vergessene Ausweispapiere oder Pakete dem Empfänger vorbeigebracht habe.“

Wie sie mit Kunden gegen Bußgelder kämpfte

Mit Fahrkartenkunden kämpfte sie erfolgreich gegen Strafgelder, weil sie ihr Ticket nicht dabei, es aber bei ihr gekauft hatten. Mit einem Lottogewinner und seiner Familie feierte sie den Gewinn, weil er direkt nach der Ziehung mit sechs Leuten vor ihrer Ladentür stand und schon mal einen Vorschuss wollte – den er von ihr auch tatsächlich bekam.

Das waren noch Zeiten: Vor 24 Jahren, im Jahre 1997, begann Renate Schumacher in der Post-Filiale an der Langen Straße. Ihre Söhne Daniel und Robin unterstützten sie bei der Selbständigkeit.
Das waren noch Zeiten: Vor 24 Jahren, im Jahre 1997, begann Renate Schumacher in der Post-Filiale an der Langen Straße. Ihre Söhne Daniel und Robin unterstützten sie bei der Selbständigkeit. © Schumacher © Schumacher

Für Kunden, die in ihren Anfängen noch Kinder waren und einen Lutscher über die Theke gereicht bekamen, führte sie in den vergangenen Jahren Postident-Verfahren durch, weil sie damit Bankgeschäfte oder Telefonverträge abschließen wollten. „All das hat mir viel bedeutet, und meine Mitarbeiter und Kunden wissen es.“

An Weihnachten oder zu Karneval waren sie und ihr Team stets verkleidet. Sie selbst war im Karneval die letzte Stadtprinzessin, die Castrop-Rauxel hatte. „Ich habe in der Karnevalszeit meinen Orden getragen, Krawatten abgeschnitten. Die Luftschlangen hingen von der Decke, es war einfach schön bei uns in Habinghorst.“

Die Ernsthaftigkeit und Qualität der Arbeiten kam aber nie zu kurz. Das beweisen die zahlreichen Zertifikate der Post, die sie erhielt. Zum 15. Jubiläum bekam sie 100 eigene Briefmarken, mit ihrem Namen und einem Dankeschön der Post.

Selten hatte sie längere Zeit geschlossen

Lange Urlaube oder Schließungszeiten gab es nie. „Ich war zum Glück meistens gesund und munter und habe nichts vermisst“, sagt Renate Schumacher heute.

Für sie kommt der Wechsel zur rechten Zeit: Im März wird Renate Schumacher Ur-Oma und 66 Jahre alt. Sie sagt: „Bekanntlich fängt dann das Leben an.“ Das jedenfalls sei ihr genug Motivation gewesen, das Geschäft jetzt abzugeben. „Für die Familie blieb einfach immer zu wenig Zeit übrig.“

Eine Veränderung bringt dieser Wechsel mit sich: Die Postbank verlängert den Vertrag mit dem Geschäft nicht. Bankgeschäfte kann man dort also künftig nicht mehr abwickeln. Die DHL und alle anderen Postgeschäfte bleiben aber erhalten.

„Ich sage danke für eine wunderschöne Zeit“

Seit Anfang Februar laufen auf einem Bildschirm Fotos ihrer Kunden rauf und runter. Die waren ihr immer die wichtigsten. „Ich verabschiede mich jetzt von ihnen und sage danke, auch im Namen meiner Mitarbeiter, für eine wunderschöne Zeit.“ Vielleicht wird die Zeit, die jetzt kommt, für sie ja noch schöner.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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