Dr. Holger Knapp impfte noch am Freitag an der Marktschule. Hier ist er beim Aufklärungsgespräch zu sehen. Knapp bedauert die Aussetzung der Impfung. © Tobias Weckenbrock
Astrazeneca

Castrop-Rauxeler Arzt: Bin sehr enttäuscht von Aussetzung von Astrazeneca

Noch am Freitag hat Dr. Holger Knapp Lehrer mit Astrazeneca geimpft. Jetzt setzt auch Deutschland mit der Impfung mit diesem Impfstoff aus. Der Hausarzt hätte es sich anders gewünscht.

Dr. Holger Knapp war vorbereitet. Er wollte in seiner Praxis in Ickern Menschen mit Astrazeneca impfen. Lieber heute als im April. Eine Liste mit Interessenten gibt es. Und er war erst am vergangenen Freitag (12.3.) in der Marktschule, um dort 46 Beschäftigte die Impfdosis zu setzen. Jetzt hat auch Deutschland die Impfung mit Astrazeneca ausgesetzt. Für Knapp keine gute Entscheidung.

Kaum wurde die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums bekannt, klingelte bei Holger Knapp das Telefon. „Soll ich prophylaktisch eine Thrombose-Spritze nehmen?“ – „Soll ich vorsorglich Aspirin nehmen?“ Solche Fragen hatten Menschen, die geimpft worden waren. Diese Verunsicherung, die jetzt entsteht, ist nur eine der Begleiterscheinungen, die der Hausarzt bedauert.

„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt er am Montagabend im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Bundesgesundheitsministerium war mit der Aussetzung des Astrazeneca-Vaccin einer Empfehlung des für das Impfen zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts gefolgt.

Einer Meinung mit Karl Lauterbach: Prüfung besser bei laufenden Impfungen

Holger Knapp sagt, dass er einer Meinung mit Karl Lauterbach sei. Der SPD-Politiker und Corona-Experte hatte erklärt, dass eine Prüfung bei weiter laufenden Impfungen angesichts der Seltenheit der auftretenden Fälle besser gewesen wäre.

„Wenn man bedenkt, dass schon im zweistelligen Millionenbereich mit Astrazeneca geimpft wurde, sind die Fälle von Impfreaktionen sehr, sehr selten“, so Knapp. „Rein statistisch wird es durch die Aussetzung mehr Coronafälle und auch mehr Todesfälle geben als durch die Impfungen.“ Er könne allerdings auch nachvollziehen, dass man nichts falsch machen wolle.

Die Folgen allerdings wiegen schwer. „Der Ruf von Astrazeneca war schon vorher schlecht“, so Holger Knapp. „Selbst wenn er wieder eingesetzt wird, wird es schwierig sein, ihn weiter zu verimpfen.“ Generell sei die Impfstrategie mit der Entscheidung erst einmal hinfällig. „Und das, wo gerade die dritte Welle anfängt.“ Mitte April sollten die Hausarztpraxen in die Impfungen mit einsteigen.

Impftempo wird sich verlangsamen

Und nicht nur in Deutschland wird sich das Impftempo verlangsamen. Das sei ja ein Schneeballsystem, so der Castrop-Rauxeler Arzt und verweist darauf, dass inzwischen viele weitere Länder wie Frankreich oder der Kongo ebenfalls die Impfungen mit Astrazeneca aussetzen.

Hintergrund des Stopps sind einzelne Thrombose-Erkrankungen, nicht die verbreiteten Nebenwirkungen. Die haben auch einige der Castrop-Rauxeler, die Holger Knapp an der Marktschule geimpft hat. „Die Impfreaktionen sind etwas stärker als bei Biontech“, sagt Holger Knapp. Aber das seien ja Impfreaktionen, die zeigen, dass das Immunsystem reagiert und einen Schutz gegen das Coronavirus bildet. „Solche Reaktionen sollte man einfach mal ertragen.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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