Nur wenige Radwege in Castrop-Rauxel sind von der Fahrbahn getrennt. © Dieter Düwel
Meinung

Castrop-Rauxel muss dringend mehr für seine Radfahrer tun

Die Verkehrswende soll kommen. Mehr Bürger sollen Rad fahren. Das wird nur klappen, wenn Radfahren sicherer gemacht wird. Aber davon ist in Castrop-Rauxel kaum etwas zu spüren, findet unser Autor.

Kürzlich war ich zu einem Familienbesuch in den Niederlanden. Als Fahrradfreund fühlte ich mich plötzlich in einer anderen Welt. Die Radwege sind meistens vom Autoverkehr getrennt, gut beschildert – und sie gewähren dem Radfahrer oft Vorfahrt vor Pkw. Man fühlt sich sicherer und hat mehr Spaß am Alltagsradfahren!

Ich frage mich, warum das bei uns in Castrop-Rauxel offenbar nicht geht. Trotz eines Nahmobilitätskonzepts und verschiedener Ankündigungen der Verwaltung sind im Alltagsradverkehr Verbesserungen kaum zu erkennen.

Im August 2020 wurden bei einer „Planungsradtour“ verschiedene Vorschläge zur Verbesserung des Radfahrens in Castrop-Rauxel gemacht. Doch was ist daraus geworden?

Die wichtigen Nord-Süd-Achsen sind nicht gut fürs Radfahren

Auf den wichtigen Nord-Süd-Achsen kollidieren Radfahrer immer noch mit Autos und Fußgängern. Die geplante Brücke an der Wartburgstraße mit getrennten Radwegen könnte für eine kurze Strecke ein wenig Abhilfe schaffen, aber wann kommt sie wirklich?

Die Radboxen am Hauptbahnhof werden offenbar endlich aufgestellt. Sichere Abstellmöglichkeiten in der Castroper Altstadt fehlen allerdings immer noch.

Kommt das groß angekündigte Radkreuz Habinghorst? Wer weiß?

Werden die in Aussicht gestellten Piktogrammketten auf der Recklinghauser Straße aufgetragen? Warum gibt es den neuen Radweg zwischen Klöckner- und Wartburgstraße noch nicht?

Schließlich das alte Thema Fahrradstraßen: Die Wewelingstraße in Pöppinghausen wird zur Fahrradstraße erklärt. Eine solche Straße, am äußersten Stadtrand gelegen, ist für Alltagsradfahrer eher uninteressant.

Immerhin können sich Radfahrer auf die Neugestaltung des Altstadtrings freuen. Dieser soll ab 2022 Radfahrer-gerecht umgebaut werden. Doch geplant war der Umbau schon seit 2019!

Es fehlt (auch) am Willen

Zugegeben, es gibt in Castrop-Rauxel neben den Straßen, für die die Stadt die Verantwortung trägt, auch Kreis-, Landes- und Bundesstraßen. Und ja, unsere Stadt ist relativ arm. Aber selbst ein deutlicher Wille, die Verkehrswende umzusetzen, ist in Politik und Verwaltung nicht zu erkennen.

Vielleicht könnte die Stelle eines Nahmobilitätsbeauftragten, die es in anderen Städten schon längst gibt, mehr Schwung in die Castrop-Rauxeler Rad-Infrastruktur bringen. Der ungebremste Fahrradboom der vergangenen Jahre darf nicht durch schlechte Bedingungen für Radfahrer abgebremst werden.

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Freier Mitarbeiter
In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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