Castrop-Rauxel erwartet kommende Woche die nächste Groß-Beerdigung

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Sie ist gerade eine Woche her, da steht Castrop-Rauxel wieder eine große Trauerfeier bevor. Doch diesmal, verspricht die Stadt, soll es anders werden. Sie räumt auch einen Fehler ein.

Castrop-Rauxel

, 01.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sei eine Sache gewesen, die „eindeutig nicht geht“: Das hat Bürgermeister Rajko Kravanja bei der Ratssitzung am Donnerstagabend (30.4.) eingeräumt in Bezug auf die Riesen-Beerdigung, die genau eine Woche zuvor in Merklinde trotz der Corona-Krise stattfinden durfte. „Punkt. Da braucht man nicht zu diskutieren.“

Die Stadt Castrop-Rauxel wird noch immer scharf dafür kritisiert, dass sie zusammen mit der Polizei nicht einschritt, als sich mindestens 400, eher aber 500 Trauergäste auf dem Merklinder Friedhof einfanden, um einer Trauerfreier beizuwohnen. Bei dem Verstorbenen handelte es sich nach Angaben einer Teilnehmerin um den „König“ einer Großfamilie aus dem Sinti-/Roma-Milieu. Die Größenordnung und der opulente Grabschmuck gehören dort zum Standard.

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Die Landesregierung kritisiert das Vorgehen der Stadt und der Polizei dabei heftig, viele Bürger fühlten sich ungleich behandelt und regten sich auf. Und Nils Bettinger von der FDP veranlasste ein Interview des Ersten Beigeordneten Michael Eckhardt dazu, ihm „Totalversagen“ und „eine Bankrotterklärung“ vorzuwerfen.

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Bei der Ratssitzung am Donnerstag kündigte die Verwaltungsspitze nun eine weitere Beerdigung dieser Größenordnung an. Kommenden Dienstag soll sie stattfinden. „Für denselben Personen-Kreis“, so Kravanja. „Nun sind wir aber früher dran, diesmal gehen wir dagegen an und zeigen null Toleranz, das ist auch mit der Polizei so abgesprochen.“

Michael Eckhardt nutzte nach den Anschuldigungen die Ratssitzung zur Erklärung der Hintergründe. „Wir haben bei der Vorbereitung erst einmal nichts falsch gemacht“, beharrte er auf seinen Aussagen im Interview mit unserer Redaktion. „Weil wir uns im Klaren waren, haben wir rechtzeitig die Polizei mit ins Boot genommen. Wenn wir was falsch gemacht haben, war das die Polizei mit uns gemeinsam.“

„Wenig Beteiligung aus Recklinghausen“

Der Verwaltung sei klar gewesen, dass der Ordnungsdienst die Veranstaltung nicht beherrschen könne. „Es hat Überlegungen gegeben, wie man die Zugangsregelungen begrenzen kann. Aber es gab dazu wenig Beteiligung aus Recklinghausen“, so Eckhardt. Es habe am Ende nur vier oder fünf Streifenwagenbesatzungen vor Ort gegeben. „Wir waren insgesamt 30 Personen.“ Die Gruppe habe sich recht diszipliniert verhalten. Darum habe man sich entschieden, die Regelungen nicht durchzusetzen.

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Aber: „Eine Hundertschaft wird man beim nächsten Mal sicherlich in Bereitschaft haben.“ Ansonsten gelte: „Wir werden das nun begrenzen, werden Eintrittskarten verlangen, die Polizei wird sich anders aufstellen. Dazu hat es heute Gespräche auf höherer Ebene gegeben“, so Eckhardt. „Die Sache ist schief gelaufen, aber es hat keiner schuld gehabt. Wir hatten zu wenig Kräfte vor Ort. Es wird uns nicht wieder passieren. Shit happens!“

„Erwarte, dass man Fehler einräumt“

Bettinger beharrte auf seiner Kritik: „Sie hatten Zeit, hätten eine Allgemeinverfügung erlassen können. Ich erwarte keine Hardliner, die Menschen vom Friedhof holen. Das muss man vorher klären. Aber dann erwarte ich auch, dass man einen Fehler einräumt. Polizei und Ordnungsamt zusammen, das ist mir zu wenig.“

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Michael Eckhardt verwies auf Absprachen im Vorgriff, offenbar zwischen Stadtverwaltung und Polizei Castrop-Rauxel. „Dann hätte man zu den Aussagen der Polizei sagen müssen: Wir rufen die Polizeipräsidentin an, wir trauen der Polizei hier nicht. Man hätte das auf höchster Ebene klären müssen.“ Die Mannstärke sei eine gemeinsame Fehleinschätzung gewesen. Man habe die Frage unterschätzt, wie das auf die Bevölkerung wirkt, wenn sich Leute mit Masken nicht an Abstände halten.

Aber: „Beim nächsten Mal wird das anders ausfallen. Es geht um das Gefühl, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir können uns jetzt darauf vorbereiten und werden das für Dienstag tun.“

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