Aus für Cäcilienchor: Kirchenmusiker wehrt sich gegen Vorwürfe über fehlende Unterstützung

dzKirchenmusik

Der Cäcilienchor aus Henrichenburg hat nach 146 Jahren aufgehört - aus Altersgründen und wegen fehlender Unterstützung, hieß es. Ein Kirchenmusiker will diesen Vorwurf nicht stehen lassen.

Henrichenburg

, 14.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gemeinde St. Lambertus Henrichenburg betrauert das Ende ihres Kirchenchores. Und doch gab es ein wenig Verstimmung aufgrund unseres Artikels im Vorfeld des letzten Konzertes: In unserem Bericht über das Ende des 146 Jahre alten Cäcilienchores hatten Chormitglieder geäußert, ihnen fehle es an Unterstützung aus dem Kirchenvorstand und aus der kirchenmusikalischen Ecke der Gemeinde.

Nuhnen: Es gab eine lange Zusammenarbeit

Der Henrichenburger Olaf Nuhnen, seit 30 Jahren Kirchenmusiker in Castrop-Rauxel und beinahe ebenso lange in dieser Funktion in St. Lambertus tätig, wunderte sich über einige Äußerungen: „Dass behauptet wird, es habe keine Zusammenarbeit gegeben, ist nicht ganz richtig“, sagte er jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion. Gerade bei den jährlichen Erstkommunionfeiern habe es über Jahrzehnte hinweg eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit gegeben, wobei er die Kommunioneltern stets darauf hingewiesen habe, dass es gut sei, nicht nur moderne Musik in den Gottesdiensten zu machen, worin die von ihm mitgegründete Gruppe „Miteinander“ ihren musikalischen Schwerpunkt habe.

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„Wir singen auch viel in englischer Sprache, weil viele der zeitgenössischen Titel aus dem englischsprachigen Bereich stammen“, so Nuhnen. Der Stil des Cäcilienchores liege eher im klassischen Bereich. „Der Chor singt eher das getragene ‚Heilig‘ von Schubert zur Orgel, die Musikgruppe singt eher ‚You are holy‘ mit Klavier, Gitarre und Schlagzeug als Begleitung.“

Man könne heute niemanden vorwerfen, dass er lieber in einem Gospelchor singe als in einem klassischen Kirchenchor. „Ich sage aber auch, dass der klassische Teil dazu gehört, weil in einem Kommuniongottesdienst eben auch die Großeltern der Kinder da sind. Für viele von denen hat ohne ‚Großer Gott, wir loben dich‘ der Gottesdienst gar nicht stattgefunden.“

Fusion drohte der Gemeinde

Der Cäcilienchor habe in den vergangenen Jahren oft gesagt: „Ja, wenn es uns nächstes Jahr noch gibt…“ Nuhnen: „Ich kann verstehen, dass das traurig ist. Aber es gibt in den drei Gemeinden von St. Dominikus Datteln drei Chöre. Die Zahl der Kirchenbesucher geht zurück, die Chöre werden immer älter. Der ursprüngliche Plan des Bistums Münster war sogar, eine Fusionsgemeinde St. Amandus zu bilden.“ Da bleibt leider manches auf der Strecke.

Dem Vorwurf, dass es seitens des Kirchenvorstandes keine Mittel und kein Interesse gegeben habe, widerspricht Nuhnen deutlich: „Das halte ich für nicht richtig: Es gab immer einen angestellten Chorleiter.“

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Wichtig sei Olaf Nuhnen, zu unterstreichen, dass er das Bedauern teilt, dass der Chor sich auflöst. „Die Gemeinde ist traurig“, sagt er. Sein Schwerpunkt sei die moderne Musik, aber die klassische Musik liege ihm auch am Herzen. „Ich habe diesen Chor jahrelang an der Orgel begleitet. Das war immer eine gute Zusammenarbeit.“ Und: Chorarbeit sei Ehrenamt, und das habe Respekt verdient. „Die Leute werden den Chor vermissen. Es geht ein Stück Musikkultur und Musikgeschichte verloren.“

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