Busstreik zeigt den Bruch in der Castrop-Rauxeler Stadtgesellschaft

dzKommentar

Der Busstreik in Castrop-Rauxel beweist eindrücklich: Es gibt eine Trennlinie in unserer Stadtgesellschaft. Unser Reporter, seine Eindrücke vom Warnstreik-Tag und eine schlechte Erkenntnis.

Castrop-Rauxel

, 29.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder Lokaljournalist lernt irgendwann, dass die wahren Geschichten sich auf der Straße abspielen: Reporter müssen raus aus der Redaktion, um Geschichten zu finden. Für diese Weisheit hat dieser Warnstreik von Verdi, der das Bussystem in Castrop-Rauxel Dienstag lahmlegte, einen Nachweis erbracht. Aber auch für eine Erkenntnis, die gesellschaftlich viel relevanter, für unsere Stadt-Zukunft sogar hochwichtig ist: In der Gesellschaft verläuft ein Bruch. Hier wurde er (wieder) sichtbar.

Wen traf ich am frühen Morgen und meine Reporter-Kollegin am Mittag an Bushaltestellen im Stadtgebiet? Menschen mit Migrationshintergrund. Castrop-Rauxeler, die vom Warnstreik der Busfahrer nichts wussten, obwohl die Gewerkschaft ihn vergangene Woche angekündigt hatte.

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Wer Zeitung liest (kostenpflichtig) oder unsere Nachrichten im Internet verfolgt (zum Teil auch kostenlos), wer Radio hört (kostenlos) oder andere kostenlose journalistische Angebote im Netz nutzt, wer den Busunternehmen bei Facebook oder Twitter folgt ... der wusste vom Warnstreik. Diese Menschen nicht. Sie sind auch von ihrem sozialen Umfeld nicht darauf hingewiesen worden: Klassenkameraden, Eltern, Freunde.

Es ist nur konsequent, dass ein Warnstreik ein richtiger Warnstreik sein muss. Mit Menschen, die darunter „leiden“. Sonst lassen sich Forderungen nicht durchsetzen. Vielleicht machen die Verkehrsunternehmen es aber auch zu einfach: Wenn die Busfahrer streiken, stehen sie in der Pflicht, Passagiere zu informieren. Müssten sie nicht Plakate an die Haltestellen hängen oder vor Ort sein und informieren? Wenn Haltestellen wegen Baustellen verlegt werden, geht das doch auch.

Am Dienstag hat es nicht geklappt. Die Unternehmen haben ihre Kunden im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln gelassen. Und zwar gerade die, die ohnehin am Rande unserer Gesellschaft stehen.

Zivilgesellschaft muss Brücken bauen

Diese Einzelfälle, und es waren wirklich nur einzelne, die nichts wussten, sind kein Drama. Die Betroffenen haben den Weg zur Arbeit oder Schule zu Fuß genommen oder sich anders beholfen. Aber was sagt das über unsere Stadtgesellschaft aus? Es zeigt den Bruch. Es zeigt, dass es Menschen gibt, die man nicht erreichen kann. Oder die sich nicht selbst darum bemühen, Anschluss zu finden. Auch im Ernstfall nicht?

Dieser Bruch ist mehr als kein gutes Zeichen! Politiker, Sozialarbeiter, Bürgermeister, jeder von uns, auch die Betroffenen selbst: Wir als Zivilgesellschaft, als Stadtgesellschaft von Castrop-Rauxel, sind gefragt, Brücken zu bauen.

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