Öko-Friedhof in Castrop-Rauxel: Debatte um mehr Nachhaltigkeit erreicht die Ruhestätten

dzÖko-Friedhof

„Wir haben mittlerweile eine andere Generation“, sagt die Stadt. Als bundesweit dritte bietet Castrop-Rauxel naturnahe Bestattungen an. Was unterscheidet einen Öko-Friedhof von anderen Ruhestätten?

von Dieter Düwel

Bladenhorst, Castrop-Rauxel

, 19.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Ökologie hat auch den Waldfriedhof erreicht. Am 12. Oktober wurde das Areal „NaturRuh“ offiziell eröffnet. Es soll mit seiner biologischen Vielfalt Begräbnisstätten zu einem besonderen Ort der Erinnerung machen. Stauden, Futter- und Nistplätze für Tiere sowie ein Teich sind wesentliche Bestandteile einer 400 Quadratmeter großen Fläche mit integrierten Grabsteinen.

Friedhofsgärtner Rüdiger Melzner betreut das Projekt vor Ort und hat das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband deutscher Friedhofsgärtner entworfen: „Aus meiner Arbeit in einer Projektgruppe, die sich mit dem Thema ‚Naturnahe Bestattungen auf Friedhöfen‘ beschäftigt hat, ist das Projekt ‚NaturRuh‘ entstanden.“

Der Öko-Friedhof ist naturbelassener

Im Jahr 2017 habe man es im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung in Berlin vorgestellt. Rüdiger Melzner berichtet stolz: „Unser Projekt ist sehr gut angekommen, sodass wir uns ein Jahr später beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten um den Bundesinnovationspreis ‚Gartenbau‘ beworben haben, mit dem wir dann auch ausgezeichnet wurden.“ Im gleichen Jahr entstanden dann die ersten beiden Öko-Friedhöfe in Gelsenkirchen und Lippstadt.

„Die Zeit ist reif für ein solches Projekt.“
Klaus Breuer, Bereichsleiter Stadtgrün

Was unterscheidet einen Öko-Friedhof von herkömmlichen Ruhestätten? „NaturRuh“ ist naturbelassener. Es gibt kaum befestigte Wege und der Untergrund ist wasserdurchlässig. Das Altholz bleibt stehen, das heißt, ein abgestorbener Baum wird nicht gefällt, sondern von Ästen befreit und für Insekten vorbereitet. Außerdem wird ausschließlich organischer Dünger wie Kompost und Mulch verwendet.

Angesichts der biologischen Vielfalt soll das Areal zu einem für Menschen einladenden und lebendigen Abschiedsort gestaltet werden. „Aber auch viele Tiere, wie zum Beispiel Eichhörnchen, Rotkehlchen, Igel und Insekten brauchen dringend diese Rückzugsorte angesichts sich immer stärker verdichtender Bebauung und des Wegfalls von Brachflächen und artenreichen Gärten“, erklärt Rüdiger Melzner.

„Nachfrage nach Öko-Friedhöfen wird steigen“

Für Klaus Breuer, Bereichsleiter „Stadtgrün“ der Stadtverwaltung, ist der neue Öko-Friedhof ein Vorzeigeobjekt: „Die Stadt Castrop-Rauxel freut sich sehr, dass dieses ökologische Areal entstanden ist. Der Waldfriedhof hat ja schon einen naturnahen Ansatz, wir haben zum Beispiel einen Baumlehrpfad, wir finden hier auch sehr viele geschützte Tierarten wie Fledermäuse.“

Öko-Friedhof in Castrop-Rauxel: Debatte um mehr Nachhaltigkeit erreicht die Ruhestätten

„NaturRuh“ auf dem Waldfriedhof in Bladenhorst. © Dieter Düwel

Breuer ergänzt: „Verstorbene und Angehörige wünschen sich Orte, die zu ihnen passen. Wir haben mittlerweile eine andere Generation, die jetzt und in Zukunft bestatten wird. Die Nachfrage nach ökologischen Friedhöfen wird steigen. Ich bin überzeugt, die Zeit ist reif für ein solches Projekt.“

Platz für 100 bis 120 Beisetzungen

Auch Rüdiger Melzner beobachtet, dass sich das Bestattungswesen in den letzten Jahren aufgrund der schnelllebigen Zeit sehr gewandelt hat: „Viele Menschen wissen nicht, wo sie später beheimatet sein werden, möchten aber eine Grabstätte haben, die gepflegt ist. Daher sind Gemeinschaftsgrabfelder eine Alternative, wie wir sie schon in unseren ‚Gärten des Gedenkens‘ auf dem Waldfriedhof seit Jahren eingerichtet haben.“

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Der neue naturnahe Bereich bietet Platz für zwischen 100 und 120 Beisetzungen. Es gibt keine anonymen Bestattungen, eine namentliche Nennung der Verstorbenen ist immer vorgesehen.

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