Wer tritt gegen wen an im Rennen um das Bürgermeister-Amt ab Herbst 2020 in Castrop-Rauxel? Wir listen auf und stellen die Kandidaturen kompakt vor.

Castrop-Rauxel

, 11.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 13. September 2020 ist Kommunalwahl in NRW. In Castrop-Rauxel werden nicht nur ein neuer Landrat, der Kreistag und der Stadtrat sowie der Integrationsrat gewählt, sondern auch der Bürgermeister. Es gibt für die Wahl nur männliche Kandidaten. Auch Amtsinhaber Rajko Kravanja tritt für die SPD wieder an. Aber wer noch? Wir geben einen Überblick:

Rajko Kravanja (SPD): Er ist Amtsinhaber und gelangte 2015 als Nachfolger von Johannes Beisenherz in die Rolle des ersten Bürgers der Stadt Castrop-Rauxel. Während Beisenherz bei seiner Wahl 2009 noch mit einem Stimmenverhältnis von 51 Prozent zu 27 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Hilmar Claus gewann, war Kravanjas Vorsprung gegenüber Michael Breilmann weit geringer: Im ersten Wahlgang 2015 kam der SPD-Kandidat auf 43, Breilmann auf 40 Prozent.

Der Amtsinhaber: Rajko Kravanja

Der Amtsinhaber: Rajko Kravanja © Volker Engel

Die anderen drei Kandidaten waren Manfred Fiedler (Grüne, 8,4 Prozent), Nils Bettinger (FDP, 4,8 Prozent) und Hakan Sönger (Linke, 3,9 Prozent). Die Stichwahl zwei Wochen später endete mit 52,6 Prozent für Kravanja zu 47,4 Prozent für Breilmann - in absoluten Zahlen ein Vorsprung von gerade einmal 1000 Stimmen (10.800 für Kravanja, 9800 für Breilmann).

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Kravanja tritt wieder an, kommt nicht nur mit einem Amts-, sondern sicher auch mit einem Krisenbonus daher. Seit Monaten, seit Ausbruch des Coronavirus in der Region, tritt er als emsiger Manager auf. Er ist sehr präsent, auch mit eigenen Mitteilungen zum Stand der Dinge im Internet, und wirkt, als habe er trotz arbeitsreicher Zeiten einen guten Überblick über das Geschehen. Dass die SPD in Castrop-Rauxel traditionell und noch immer die Nase vorn hat, ist vielleicht auch für 2020 zu erwarten.

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Oliver Lind (CDU): Der Jurist ist etablierter Ratsherr und seit vielen Jahren Vorsitzender des politischen Fachausschusses, der sich um die Themen Stadtentwicklung und Bauen kümmert. Das sind zentrale Themen, mit denen man auch bei einer Bürgermeisterwahl punkten kann, denn es sind oft positiv behaftete Aufbruchs-Zukunftsthemen für eine Stadt.

CDU-Bürgermeister-Kandidat Oliver Lind setzt mit seiner Partei auf Sicherheit und Ordnung.

Der aussichtsreichste Herausforderer: CDU-Bürgermeister-Kandidat Oliver Lind © Marcel Witte

Doch nach seiner Nominierung ist es um ihn recht bald wieder ziemlich still geworden. Lind hält sich mit eigenen Verlautbarungen weitgehend zurück. In Pressemitteilungen zu aktuellen politischen Themen äußert sich meist Fraktions-Chef Michael Breilmann. Beim Thema „Alte Eiche“ stilisierte sich Lind zu Jahresanfang als Retter des Baumes. Allein auf dieses - wenngleich polarisierende - Thema zu setzen, könnte zu dünn sein.

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Nils Bettinger (FDP): Der FDP-Fraktionschef ist als erfahrener Ratsherr meist gut informiert über alle Themen in Castrop-Rauxel. Er ist Lehrer in Waltrop, wohnt in der Altstadt und bekommt durch seine Vernetzung vor Ort viel mit. Seine fundierte, meist sachliche Argumentation in Detailfragen ist zwar nicht immer bequem für die großen Ratsfraktionen oder die Stadtverwaltung, aber er bleibt dabei stets sachlich.

Der Außenseiter: Nils Bettinger von der FDP

Der Außenseiter: Nils Bettinger von der FDP © Nils Bettinger

2015 bekam er dennoch weniger als 5 Prozent der Stimmen, was dem allgemeinen Zustimmungs-Niveau der Liberalen in Castrop-Rauxel zu entsprechen scheint.

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Die Grünen, Linken, FWI haben in Manfred Fiedler als bisher letzte Parteien einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Der 59-jährige grüne Ratsherr trat schon 2015 an, kam damals mit 8,4 Prozent auf Platz 3 hinter Kravanja und Michael Breilmann. Damals nominierten nur die Grünen ihn - diesmal steht hinter ihm ein Stimmenpotenzial von rund 20 Prozent bezogen auf die Stimmverteilung bei der letzten Stadtratswahl 2014.

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AfD und UBP stellen keinen eigenen Kandidaten. Die UBP ist in der laufenden Ratsperiode mit zwei Sitzen im Rat vertreten. Die AfD ist zum ersten Mal bei der Kommunalwahl dabei. Ihr fehlen aber nach eigenem Bekunden Kandidaten.

Zudem gibt es einen freien Kandidaten, der erst noch Unterstützer-Unterschriften Castrop-Rauxeler Bürger sammeln muss, um offiziell kandidieren zu können:

Mario Rommel: Rommel wollte schon 2015 antreten, wurde damals aber nicht zur Wahl zugelassen. Er hatte nicht die notwendigen 250 Unterschriften. Dabei dachte er wohl, er habe sie eigentlich zusammen. Aber die Stadtverwaltung erkannte nicht alle Unterschriften auf der Liste an, die er dort abgab. Einige der Adressen sollen nicht klar oder nicht existent gewesen sein, hieß es damals. Zurzeit sammelt Rommel wieder und zieht dafür in den verschiedenen Stadtteilen von Tür zu Tür. Er sagt, er sei optimistisch, dass er genug Unterschriften zusammen bekommt - trotz der durch die Corona-Krise schwierigeren Kontakt-Bedingungen. Wer sich mit seinem Profil bei Facebook etwas eingehender beschäftigt, sieht, dass er bei „Du bist Castroper, wenn...“, einer Gruppe mit über 20.000 Mitgliedern, vom Administrator ausgeschlossen wurde und nun auf seiner eigenen Seite Unterstützungs-Links zu Verschwörungs-Theorien nahe stehenden Menschen wie Xavier Naidoo postet.

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Ein weiterer potenzieller freier Kandidat ist bereits wieder aus dem Rennen ausgeschieden:

Florian Pätzold: Der Mann mit Nähe zu den Leuten von „Die Partei“ wollte antreten, sammelte wohl auch schon Unterschriften (man braucht 250), machte aber Mitte Mai einen Rückzieher: wegen eines Unglücksfalls in der Familie, gab er als Grund an. Und weil durch die Corona-Krise das Sammeln von Unterschriften unterbunden wurde.

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