Brexiteer-Deutscher (48) aus Castrop-Rauxel spricht über die Wirren in seiner Heimat

dzBrexit-Chaos

„Wer weiß, ob das nach dem Brexit noch möglich ist“: Das sagt Andrew Shephard aus Castrop-Rauxel. Er ließ sich vor zwei Jahren von Bürgermeister Kravanja einbürgern. Und wie denkt er heute?

von Dieter Duewel

Castrop-Rauxel

, 24.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brexit – ja oder nein? Ein Brexit mit Vertrag oder ohne? Die schier endlos erscheinende Geschichte des britischen Austritts aus der Europäischen Union beschäftigt auch Engländer, die in Castrop-Rauxel leben. Wie zum Beispiel Andrew Shephard.

Der 48-jährige Headprofessional des Golfclubs Castrop-Rauxel lebt seit 13 Jahren in der Europastadt und ist verantwortlich für das Training aller Mannschaften sowie für die Förderung der Jugend des Clubs. Im Gespräch mit unserem Reporter Dieter Düwel erläutert er seine Haltung.

Zur Person

Das ist Andrew Shephard

  • Andrew Shephard stammt aus der Umgebung von Manchester.
  • Er ist Fan von Manchester United.
  • In England schloss er eine professionelle Golfausbildung ab.
  • 1994 kam er nach Deutschland, weil hier aufgrund des „Golfbooms“ britische Golflehrer sehr gefragt waren.
  • Er arbeitete zunächst in Dillenburg, wo er seine Frau kennenlernte.
  • Als das Angebot vom Castrop-Rauxeler Golfclub kam, nahm er es sofort an, da er gern in einem größeren Club arbeiten wollte.
  • Shephards haben einen 14-jährigen Sohn - natürlich auch leidenschaftlicher Golfer.

Seit 13 Jahren sind Sie hier. Welche Beziehungen haben Sie heute noch zu Ihrer Heimat in England?

Meine Mutter und mein Bruder mit seiner Familie wohnen noch in der Nähe von Manchester. Übrigens eine Gegend, in der die Menschen im Referendum des Jahres 2016 mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben. Meiner Meinung nach ohne zu wissen, welche Konsequenzen ihre Entscheidung haben würde. Ich besuche meine Verwandten regelmäßig, wenn es meine Zeit zulässt.

Im Referendum haben die Briten insgesamt mit knapper Mehrheit entschieden, dass sie die Europäische Union verlassen wollen. Hat Sie das Ergebnis damals überrascht?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, dass es alle überrascht hat. Meiner Meinung nach wurden die Menschen vor dem Referendum nicht richtig aufgeklärt, was der Brexit für sie bedeuten würde. Außerdem haben viele junge Leute nicht abgestimmt, weil sie die Nase voll hatten von der Politik. Die älteren Menschen haben ihre Stimme abgegeben, weil sie etwas ändern wollten.

Wer wird unter einem Brexit Ihrer Meinung nach am meisten leiden?

Ich vermute, dass es für England einige große Probleme geben wird.

Welche Auswirkungen erwarten Sie denn?

Es könnte sein, dass sich die Schotten nach dem Brexit aus dem Vereinigten Königreich lösen werden. Dann ist die Frage, was passiert mit Wales und Nordirland. Ich sehe die Gefahr, dass das Vereinigte Königreich auseinanderbricht und auch die ehemalige Stärke des Commonwealth abnimmt. Auch wirtschaftlich könnte es Probleme geben, da England mehr importiert als exportiert.

Sie leben ja schon 13 Jahre in Deutschland. Wie haben Sie die Entwicklung seit dem Referendum empfunden?

Deutschland ist ein starkes Land mit einer starken Wirtschaft und wird daher mit den Auswirkungen eines Brexits besser zurechtkommen.

Hat es für Sie persönliche Konsequenzen gehabt?

Ja. Ich habe mich vor zwei Jahren entschieden, mich einbürgern zu lassen. Laut Bürgermeister Rajko Kravanja war ich der erste eingebürgerte Brexiteer in Castrop-Rauxel. Ich muss sagen, dass die Verwaltung mir sehr geholfen hat und mir geraten hat, die deutsche Staatsbürgerschaft schnell zu beantragen, da nach einem Brexit die Rechtslage sehr unsicher sein könnte. Ich bin froh darüber, dass ich jetzt beide Staatsbürgerschaften besitze. Wer weiß, ob das nach dem Brexit noch möglich sein wird.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung? Sollte es zum EU-Austritt der Briten kommen?

Ich glaube, es wird einen „harten Brexit“ geben, weil Boris Johnson ein Sturkopf ist. Das zeigte sich auch am Wochenende, als er den Brief an die EU einfach nicht unterschrieb. Gehen die Briten raus, müssen wir alle schauen, wie wir danach zurechtkommen.

Was erhoffen Sie sich denn genau?

Viele Engländer möchten jetzt einfach ein Ende des ganzen Hickhacks. Daher ist es für die meisten egal, was für ein Ende es geben wird.
Ich denke, die Regelung der Nordirland-Frage ist sehr wichtig. Ich bin dafür, dass es eine klare Grenze gibt, auch wenn es wieder Unruhen oder sogar Opfer geben könnte. Wenn ich rausgehe, bin ich raus und muss mit den Konsequenzen leben. Es ist so ähnlich wie beim Fußball. Wenn ich mich als Spieler entscheide, vom BVB zu Bayern zu wechseln, kann ich nicht erwarten, dass ich in München die gleichen Vorteile habe wie ich sie in Dortmund hatte. Ich muss die neuen Bedingungen akzeptieren und damit leben.

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