Eine Hochzeit im November 2019 hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht. Denn die Braut zahlte die Getränkerechnung nicht (Symbolbild). © picture alliance / dpa
Betrugsfall

Braut ließ die Getränkerechnung ihrer Hochzeit einfach mal unbezahlt

Vor mehr als eineinhalb Jahren wurde Hochzeit gefeiert. Doch die Getränke, die damals konsumiert wurden, sind bis heute nicht bezahlt worden. Und so landete die Hochzeit nun vor Gericht.

Ein Prosit auf das Brautpaar. Die Gäste der Hochzeitsfeier im November vor bald zwei Jahren ahnten nicht, dass sie mit dem Gläserklirren zu einem Betrug beitrugen, der nun das Amtsgericht in Castrop-Rauxel beschäftigte.

Denn die Getränke-Rechnung ist noch immer offen. Bis heute wartet der Händler auf sein Geld. Wobei sich der ursprünglich ausstehende Betrag von gerade einmal 312,60 Euro durch Anwalts- und Gerichtsvollzieherkosten auf knapp 900 Euro erhöht hat.

Auf der Anklagebank saß jetzt die säumige Kundin. Die 34-jährige Mutter von drei Kindern gab zu, finanzielle Probleme gehabt zu haben. Trotzdem sollte es eine schöne Hochzeit werden, und so orderte sie beim Getränkehändler großzügig Flüssiges.

„Ich habe gedacht, die Rechnung nach der Feier bezahlen zu können“, sagte sie rückblickend. Denn sie habe auf Geldgeschenke gehofft. Doch diese Rechnung ging nicht auf, die erhofften Geldgeschenke reichten nicht.

Leere Versprechen der Braut

Sie schämte sich, so erzählte sie vor Gericht, als sie vom Händler, den sie zufällig traf, auf die ausstehende Summe angesprochen wurde und versprach, umgehend zu zahlen. Ihr Mann habe vom finanziellen Engpass nichts gewusst, beteuerte sie.

Diesen Eindruck hatte auch der 51-jährige Getränkehändler aus Waltrop. „Der Ehemann war überrascht, als ich an die Rechnung erinnerte“, sagte er im Zeugenstand aus. Er berichtete, dass er nach der Feier die Ware, die nicht konsumiert worden war – Wasser- und Colakisten – abgeholt und von der Summe abgezogen habe.

Von der Finanznot wusste er ebenso wenig wie von der Tatsache, dass die Kundin bereits eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hatte, eine Auskunft über ihre Zahlungsunfähigkeit. „Dann hätte ich nur mit Vorkasse geliefert“, sagte er.

Bewährung und Ratenzahlung

So aber musste er seinem Geld hinterherlaufen und dazu sowohl einen Anwalt einschalten wie auch einen Gerichtsvollzieher beauftragen. Dienstleistungen, die die ausstehende Zahlung fast verdreifachten. „Ich habe mehrere Mahnungen geschickt, wurde immer wieder vertröstet“, sagte er. „Ich habe auch vorher angekündigt, dass die Angelegenheit einem Anwalt übergeben wird.“

Bis die fehlende Summe endlich komplett in seiner Kasse landet, muss er sich noch gedulden. Die Angeklagte soll, so das Urteil, in Raten von 50 Euro zahlen. Denn der Richter verhängte eine Bewährungsstrafe mit entsprechender Zahlungsverpflichtung.

Die Begründung: Die Angeklagte war zwar geständig, aber bereits einschlägig vorbestraft. Weil sie noch immer knapp bei Kasse ist, entschied er zugunsten einer dreimonatigen Haftstrafe mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Diese Frist soll die Angeklagte nun nutzen, den Schaden wiedergutzumachen.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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