Jan Bormann und die (verunstaltete) "Blaue Welle" auf einer Emscherbrücke, deren Balkone er ausstattete. © Holger Bergmann
Emscher-Umbau

Bormann fühlt sich geehrt und zeigt einen Vorschlag zur „Beton-Emscher“

Seine Kunstwerke kennt man in Castrop-Rauxel. Dass Jan Bormann nun im Stadtrat als Mann für ein Emscher-Kunstwerk vorgeschlagen wurde, kommt nicht von ungefähr. Er hat sogar eine Idee. Schon lange.

Das Ruhrgebiet soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Diesem Ansinnen hat der Rat der Stadt Castrop-Rauxel am Donnerstag (18.2.) zugestimmt. In der Debatte ging es aber Missverständnisses relativ hoch her. Die FWI und die Linke beharrten darauf, den Zustand der Emscher in ihrem Beton-Bett nicht zu zementieren, während Bürgermeister Rajko Kravanja darauf beharrte, es handle sich um ein Missverständnis.

Am Ende der Debatte stand die politische Mehrheit dafür, den Weg zur Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe mitzugehen. Gegenstimmen erhielt der Grundsatzbeschloss von der CDU, Enthaltungen von der Linken und Die Partei. Aber ein Passus wurde vorher gestrichen: Es ist nun nicht mehr im Sachverhalt vermerkt, dass die Emscher auf einem Teilstück in Castrop-Rauxel in ihrem Beton-Bett erhalten bleiben soll.

Einem weiteren Änderungsantrag der Koalition aus SPD und Grünen war auch eine Mehrheit beschieden: Demnach wird die Vorlage ergänzt um den Abschnitt: „Die Renaturierung der Emscher soll ausdrücklich auch zwischen Wasserkreuz und Hochwasserrückhaltebecken in Ickern fortgeführt werden. Aus historischen Gründen ist zu prüfen, ob auf wenigen Metern zu Anschauungszwecken noch einige wenige Betonelemente bleiben können.“ Bei diesem Prüfauftrag stimmen die CDU und die FWI dagegen. Annette Korte hatte zuvor argumentiert, dass jede Betonpassage die Wanderung der Lebewesen im Wasser unterbreche.

Linken-Vorschlag: Bormann bekommt Beton

Die Linken stimmten zwar mit, aber machten den interessantesten Vorschlag: Castrop-Rauxels bekanntester Künstler Jan Bormann könne man ein Betonelement für ein Kunstwerk zur Verfügung stellen. Der fühlte sich ob dieses Vorschlags geehrt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigte. Auch, wenn er aus der Opposition komme, die gerade mal zwei Sitze im Rat habe: „Ich bin ja ein Outlaw in Castrop-Rauxel“, sagte Bormann und lachte. „Mich hat noch nie jemand wirklich gefragt. Dann bin ich eben auch Opposition.“

In diesem Entwurf zeigt Jan Bormann, was er meint: Die Emscher verläuft in natürlichem Bett links an ihrem alten Beton-Bett vorbei. Das fällt phasenweise trocken und ist so für den Besucher zu sehen, während bei Hochwasser beide Bereiche überflutet sind.
In diesem Entwurf zeigt Jan Bormann, was er meint: Die Emscher verläuft in natürlichem Bett links an ihrem alten Beton-Bett vorbei. Das fällt phasenweise trocken und ist so für den Besucher zu sehen, während bei Hochwasser beide Bereiche überflutet sind. © Jan Bormann © Jan Bormann

Er überraschte damit, dass er schon längst einen Handskizzen-Entwurf fertig habe für genau diesen nun eintretenden Fall: „Ich habe 2013 einen Entwurf an die Emschergenossenschaft geschickt und auch schon mit Herrn Paetzel gesprochen“, so Bormann. Ulrich Paetzel ist Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft und des Lippeverbandes, zwei großen Zusammenschlüssen verschiedener Gebietskörperschaften an Lippe und Emscher. Seine Antwort: „Die seien noch nicht so weit“, so Bormann.

So sieht sein Vorschlag aus: Die neue Emscher soll sich ja künftig ein bisschen schlängeln, auch wenn mäandrieren an einigen Stellen aufgrund des geringen Platzes nicht gehe. Zum Beispiel zwischen Ickern und Henricheburg, wo nördlich und südlich die Bebauung eng anschließt. „Wo es eine durch Bergsenkungen etwas tiefer liegende Stelle gibt, als es der Zustand der aktuell betonierten Emscher vorgibt, sollte man die Emscher mit einem Schenker um die Betonierung herum führen, eine kleine Insel aufhäufen und so die Betonwanne freilegen“, so Bormann.

Vorteile: Er wäre ungefährlich, sogar für Kinder mit Rollschuhen, denn die Betonwand kann niemand mehr in den stark strömenden Fluss herabfallen. Wenn mal Hochwasser sei, so wie jetzt, wäre das Betonbett wieder voll – „und dann könnte sich den Zustand anschauen, wie es hier im industriellen Zeitalter aussah“, sagt Bormann.

Betonsohle erhalten und Renaturierung möglich machen

So erhalte man beides: Die Betonsohle, sogar zum Anschauen, und die Renaturierung. „Es könnte sein, dass das auf Castrop-Rauxeler Gebiet nicht geht, weil ich die Höhen hier nicht kenne“, so Bormann. Es sei also ein prinzipieller Vorschlag.

Ein Foto von Anfang der 2000er Jahre zeigt Jan Bormann und viele seiner Werke, von denen einige einen engen Emscher-Bezug haben. © Naemi Goldapp (A) © Naemi Goldapp (A)

Eine Betonplatte aus der Emscher hingegen, wie die Linke meinte, habe er schon 2007 bei einer Ausstellung namens „Schiff-Art“ im Hebewerk Henrichenburg präsentiert, als Künstler aus Passau mit ihren Kunstwerken per Schiff aus Passau kamen. „Wir haben damals Arbeiten zum Thema Wasser, Fluss und Emscher präsentiert.“ Später ging die gesamte Ausstellung mit zwei Schiffen zurück nach Passau.

Bildhauer hat schon viel mit Emscherbezug gemacht

Aus einer Sohlschale baute Bormann damals eine Bank: Die Sohlschale stand hochkant, war blau gestrichen, in die Hohlform arbeitete er eine Holzbank ein. Die steht heute in der Kleingartenanlage Pannekampsgraben. „Das war damals noch Grabeland, und man hatte vor, die Gärten platt zu machen“, erinnert sich Bormann. Heute ist dort eine Kleingarten-Daueranlage entstanden, mit einem engen Emscher-Bezug.

Der Künstler Jan Bormann hatte die Idee, die Flüsterbrücke aufzubauen und konnte die Emschergenossenschaft 2003 damit begeistern. Heute steht sie am Phoenix-See in Hörde, durch den die Emscher fließt.
Der Künstler Jan Bormann hatte die Idee, die Flüsterbrücke aufzubauen und konnte die Emschergenossenschaft 2003 damit begeistern. Heute steht sie am Phoenix-See in Hörde, durch den die Emscher fließt. © Peter Bandermann © Peter Bandermann

Und nun? „Ich habe mich gefreut, dass sowas mal diskutiert wird“, sagt der bildende Künstler, der schon viele Skulpturen und Arbeiten in Castrop-Rauxel und Dortmund schuf. Unter anderem gestaltete er eine Brücke mit Emscher-Balkonen im Emscherbogen in Mengede (2003/04), baute die Flüster-Brücke (zwei riesige Akustik-Muscheln) am Phoenix-See in Hörde (2011), aber auch die Emscherwellen von 1999, die heute wie Wegweiser am Emscher-Radweg an manchen Stellen zu sehen sind. „Ich habe das seit Ewigkeiten auf dem Schirm“, sagt er.

Ein weiterer Vorschlag von ihm ist eine Kilometrierung der Emscher in ihrem Lauf, die er in einem maßstäblichen Modell in Stahl gelasert hat. Sie soll den Kilometerstand angeben und so auch bei Rettungseinsätzen als Orientierungshilfe für Verunglückte dienen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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