Die mutmaßlichen Mitglieder der Bande von falschen Polizisten beim Prozessauftakt. In der Mitte hinter einem lila Aktendeckel versteckt: Der hauptangeklagte Mann aus Herne. © Werner von Braunschweig
Falschen Polizisten

Betrugsopfer (80): „Das bleibt hängen bis zum letzten Atemzug“

Ein Rentner aus Köln wurde von „falschen Polizisten“, die auch in Castrop-Rauxel aktiv waren, finanziell ruiniert. Vor Gericht beschrieb der 80-Jährige nun Details dieser fiesen Masche.

Im Prozess gegen ein mutmaßliches Mitglied einer Betrügerbande von „falschen Polizisten“, die auch in Castrop-Rauxel zugeschlagen haben soll, hat sich ein Professor (80) aus Köln am Dienstag den schmerzhaften Tag in Erinnerung gerufen, an dem ihm zwei Kilo Gold abgeluchst worden waren. „Das bleibt mir in den Klamotten hängen bis zu meinem letzten Atemzug“, sagte der Senior Dienstag (16.2.) am Bochumer Landgericht mit stockender Stimme.

Während seiner einstündigen Befragung gab der 80-Jährige anschaulich preis, wie perfide und professionell die betrügerischen Anrufer aus der Türkei in seinem Fall vorgegangen waren. „Es war am 17. Juni 2020 gegen 12 Uhr. Am Telefon war ein Mann ohne Akzent, der sich mir als Kripoleiter ‚Thomas Brand‘ vorstellte. Angeblich bestünde jetzt die Gefahr, dass ich zu Hause überfallen werde“, erinnerte sich der Pensionär.

„Habe nur eine Briefmarkensammlung“

Trotz seines anfänglichen Abwiegelns („Ich habe nur eine Briefmarkensammlung, mehr ist bei mir nicht zu holen“) habe der vermeintliche Polizeibeamte nicht locker gelassen. Selbst ein von ihm verlangter Kontrollanruf bei der „110“ zur Überprüfung der Identität habe den Anrufer nicht aus der Ruhe gebracht.

Erst im Nachhinein bekam der 80-Jährige heraus: Der Kontrollanruf war von der „Polizisten-Bande“ offenbar technisch abgefangen worden. Er war von eigenen Bandenmitgliedern geführt worden.

„Das Ganze ging ungefähr vier Stunden“

Der Senior: „Das Ganze ging ungefähr vier Stunden.“ Irgendwann habe es plötzlich geheißen: „Fahren Sie schleunigst zu Ihrer Bank und kontrollieren Sie Ihr Schließfach. In der Bank gibt es einen untreuen Mitarbeiter.“

Der 83-Jährige räumte ein, danach dermaßen verunsichert und durcheinander gewesen zu sein, dass er tatsächlich sein Schließfach geleert und Goldbarren im Wert von 100.000 Euro dann – so wie von dem Anrufer empfohlen – „zur Sicherheit“ für einen angeblich rettenden Polizisten draußen an einer Mülltonne deponiert habe. Dass sich in Wirklichkeit Kriminelle seinen Goldvorrat unter die Nägel gerissen hatten, dämmerte dem 80-Jährige erst nach der Rückkehr in seine Wohnung.

„Ich will das diesen Burschen das Handwerk gelegt wird“

Was er sich für den aktuellen Prozess gegen den hauptangeklagten Mann (58) aus Herne wünsche, bei dem in Serie falschen Polizisten kurz zuvor erbeutete Ersparnisse abgegeben hatten, formulierte der Rentner so: „Ich will, dass den Burschen das Handwerk gelegt wird.“

Laut Anklage geht es um 28 Betrugstaten durch falsche Polizisten mit einem Schaden in Höhe von fast 3 Millionen Euro. Allein in Castrop-Rauxel hatten falsche Polizisten im März 2020 bei einem Mann (83) auf Schwerin Wertgegenstände im Wert von 200.000 Euro erbeutet.

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