„Beim Einchecken erfuhren wir, dass unser Hotelzimmer storniert wurde“

dzThomas-Cook-Insolvenz

Das Ehepaar Hemker ist mit Neckermann nach Mallorca geflogen und weiß nicht, ob der Rückflug zustande kommt. Einen ersten Rückschlag mussten die Castrop-Rauxeler bereits hinnehmen.

Castrop-Rauxel

, 24.09.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sollte die schönste Zeit des Jahres werden: eine Woche voller Entspannung unter Spaniens Sonne. Allerdings verläuft der Mallorca-Urlaub von Olaf Hemker und seiner Frau Petra bislang alles andere als entspannend. Denn die Castrop-Rauxeler haben ihre Reise über Neckermann gebucht - und sind somit von der Insolvenz des Reiseunternehmens Thomas Cook betroffen.

Bislang zeichnet sich der Trip Hemkers vielmehr durch Stress als durch Erholung aus. Nachdem er am Sonntagabend von der drohenden Pleite des Konzerns Thomas Cook, zu dem auch Neckermann gehört, erfahren hatte, rief der Castrop-Rauxeler eine Hotline an.

„Dort sagte man mir, dass nach derzeitigem Stand alles stattfinden werde“, erzählt der 50-Jährige. Ab 4 Uhr morgens habe er dann ein weiteres Mal telefonisch versucht, eventuelle Neuigkeiten zu erfahren, „doch da hing man schon in einer Warteschleife, aus der man letztlich rausgeworfen wurde.“


Hinflug kein Problem

So fuhr das Ehepaar um 7.30 Uhr zum Flughafen Dortmund, um dort vielleicht weitere Informationen zu erhalten. Aber Pustekuchen: „Da wusste auch keiner was.“ Da der Hinflug aber stattfand, entschlossen sich die Hemkers, die Reise anzutreten - ohne zu wissen, was sie auf Mallorca erwartet.

Und tatsächlich verlief zunächst alles nach Plan: Das Flugzeug war pünktlich, ein Transfer-Bus brachte die Castrop-Rauxeler zu ihrem Hotel. Dort aber zerplatzten die Hoffnungen auf ein Happy End.

„Beim Einchecken erfuhren wir, dass unser Hotelzimmer storniert wurde“, erläutert Hemker, „und dass wir zwar ein anderes Zimmer haben können, es aber selbst bezahlen müssen.“ Schweren Herzens sagte das Ehepaar zu und musste zu allem Überfluss auch noch eine teurere Kategorie nehmen: 1240 Euro für eine Woche Halbpension.

„Beim Einchecken erfuhren wir, dass unser Hotelzimmer storniert wurde“

Olaf und Petra Hemker vor ihrem Hotel auf Mallorca. Der Hinflug verlief noch reibungslos, das Hotelzimmer mussten sie aber bereits ein zweites Mal bezahlen. © Privat

„Drei Familien mit kleinen Kindern, die sich das nicht leisten konnten, haben nur für eine Nacht gebucht und hoffen nun, am Dienstag irgendwie einen Flug zu bekommen“, fährt Hemker fort. „So, wie es momentan hier aussieht, kann ich mir allerdings kaum vorstellen, dass man zwischendurch einen Flug bekommt.“

Ob ihr Eurowings-Flieger am kommenden Montag tatsächlich abhebt, vermag der 50-Jährige nicht zu sagen. „Aber ich bin froh, dass ich die Reise nicht übers Internet, sondern über ein Reisebüro in Castrop-Rauxel gebucht habe. Da wird momentan an einem Plan B für uns gebastelt.“

Am Montagnachmittag teilte die Reiseleitung den Hemkers dann mit, dass sich am Dienstag alles regele; die Zimmerstornierung habe nur ihre Hotelkette vorgenommen, alles andere bleibe bestehen. Doch Olaf Hemker bleibt skeptisch: „Hier zeigen mir Facebook-Kommentare, dass dies so nicht ist.“

Traumurlaub Malediven

Wenngleich sie nicht so akut betroffen sind wie die Hemkers, müssen auch Lea Beuschel und Julian Kurrek den Schrecken erst einmal verdauen. Im März sollte es auf die Malediven gehen, mit Neckermann.

Deshalb erkundigte sich das Paar, das bereits 1000 Euro angezahlt hat, im Reisebüro - und ist nicht viel schlauer als zuvor. Denn auch die Reiseanbieter vor Ort wissen kaum mehr als die Urlauber selbst.

Fazit: Ob der Traumurlaub wie geplant stattfindet, vermögen die Castrop-Rauxeler derzeit noch nicht zu sagen. „Deshalb werden wir in den nächsten Wochen, wenn wir mehr wissen, entscheiden, ob wir noch einmal buchen. Denn fliegen werden wir auf jeden Fall“, sagt Kurrek.

Chaos im Reisebüro

Es herrscht Chaos“, beschreibt Alina Uhlberger, Mitarbeiterin bei „DT Reisen“ an der Siemensstraße, die derzeitige Situation. „Viele Kunden kommen vorbei oder rufen an. Leute, die noch fliegen wollen, aber auch welche, die bereits vor Ort sind.“

So seien Klienten noch guter Dinge in die Türkei geflogen, wo sie unlängst erfuhren, dass sie den Rückflug selbst bezahlen müssen. Normalerweise haben zwar alle Pauschalurlauber einen Sicherungsschein, der den Kunden finanziell gegenüber dem Veranstalter absichert. Doch der Haken dabei: Es kann gut sein, dass die beschränkte Haftungssumme nicht ausreicht, um alle Forderungen zu erfüllen.

Und das ist für Uhlberger keineswegs unwahrscheinlich: „Ich kann mir gut vorstellen, das nicht alle Reisenden das komplette Geld zurückbekommen.“


Jede Menge Arbeit

Über mangelnde Arbeit kann Lisa Balzen vom Reisebüro Riedel an der Münsterstraße ebenfalls nicht klagen. „Denn wie die meisten Reisebüros haben wir Thomas Cook, Neckermann oder Bucher im Programm.“

Da Thomas Cook auf seiner Homepage mitteilt, „die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September kann nicht gewährleistet werden“, seien an diesen beiden Tagen keine Kunden am Urlaubsort betroffen.

Anders verhält es sich mit jenen Erholungssuchenden, die ihre Pauschalreise oder ihren ebenfalls involvierten Condor-Flug noch antreten möchten. Denn die wollen wissen, wie es um ihren Urlaub steht.

Infos aus den Nachrichten

Die Mitarbeiter der Reisebüros versuchen zwar zu helfen, wo es geht, ihnen sind aufgrund der Kommunikation Thomas Cooks jedoch die Hände gebunden. „Wir beziehen unsere Infos ja auch nur aus den Nachrichten“, sagt Balzen. Die Expertin kann sich noch gut an die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin vor zwei Jahren erinnern: „Aber das jetzt ist noch mal eine ganz andere Nummer.“

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