Das Fachwerkhaus an der Bodelschwingher Straße 2, das seit Anbeginn von Tröskens bewohnt wird, steht jetzt unter Denkmalschutz. © Thomas Schroeter

Bauernhaus und Bergbau-Relikt: Kotten mit Kiosk unter Denkmalschutz

Seit 1823 wohnen schon Mitglieder der Familie Trösken in einem Fachwerkhaus in Castrop-Rauxel. Jetzt hat die Stadt das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Auch wegen des früheren Kiosks.

Mehr als 150 Einzelgebäude und zwei Bodendenkmäler stehen auf der Denkmalliste der Stadt Castrop-Rauxel, um mit ihnen bedeutende Zeugnisse für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse zu erhalten.

Im April wurde die Liste jetzt ergänzt: Unter anderem um ein „herausragendes Fachwerkhaus“, so heißt es, an der Bodelschwingher Straße auf Schwerin. „Es handelt sich um ein wunderschönes Fachwerkhaus direkt gegenüber vom Hammerkopfturm“, erklärt Florian Schrader vom Bereich Stadtplanung und Bauordnung, zuständig für den lokalen Denkmalschutz. „In dem Gebäude war jahrzehntelang ein kleiner Kiosk. Es ist immer noch in Besitz der Familie, die das Haus vor fast 200 Jahren gebaut hat.“

Öffentliches Interesse am Erhalt dieses Gebäudes

An der Erhaltung und dauerhaften Nutzung dieses Wohn- und Wirtschaftsgebäudes des ehemaligen Kottens Trösken von 1823 besteht laut Denkmalschutz „ein öffentliches Interesse, weil es einen erheblichen Aussagewert für das Leben der Zeit in der ersten Hälfte und in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat“.

Das Gehöft Trösken gehört zu den Köttereien des Hauses Goldschmieding, die vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert von der adeligen Besitzerfamilie, den Herren von Schell zu Rechen auf Goldschmieding, angelegt worden sind, um vermehrte Einkünfte aus der wirtschaftlichen Nutzung des Geländes zu ziehen.

Die Inschrift über dem Tor lautet: AUF GOTTES BEISTAND ICH VERTRAU DURCH GOTTES SEGEN UND MENSCHEN / HULFF HABE ICH GEBAUET; WAS DIE EINE LOBET DAS VERACHTEN DIE ANDER; ACH KLÄGER / WERDES DU ER GEKOMEN SO HÄT ICH DIR RATH GENOMEN; DEN 8TEN NOVEMBER 1823.
Die Inschrift über dem Tor lautet: AUF GOTTES BEISTAND ICH VERTRAU DURCH GOTTES SEGEN UND MENSCHEN / HULFF HABE ICH GEBAUET; WAS DIE EINE LOBET DAS VERACHTEN DIE ANDER; ACH KLÄGER / WERDES DU ER GEKOMEN SO HÄT ICH DIR RATH GENOMEN; DEN 8TEN NOVEMBER 1823. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Das Dielentor des Fachwerkhauses zeigt am Torbalken die Inschrift mit dem Namen des Erbauers „Diderich Trösken“ und dem seiner Ehefrau „Elisabet Heckt“. Darunter ist „M. Schmidt“, gedeutet als Name des Baumeisters, zu lesen. Eine dreizeilige Inschrift mittig an der Tür lautet: „Auf Gottes Beistand ich vertrau durch Gottes Segen und Menschen / Hulff habe ich gebauet; Was die eine lobet, das verachten die ander; ach Kläger / werdes du er gekomen so hät ich dir Rath genomen; den 8ten November 1823.“

Nach dem Ende der Gutsuntertänigkeit im frühen 19. Jahrhundert („Bauernbefreiung“) gelang es den Köttern, in das Eigentum ihrer Kotten einzutreten und ihre gutsherrlichen Verpflichtungen durch Abfindungen abzulösen. Dazu gehörte der Kotten Trösken, auch Drostenkotten oder Schäferskotten genannt.

Stallung wurde 1958 zu einem Kiosk umgebaut

1864 wurde ein Bereich mit Ställen für Kühe, Schweine und Pferde angebaut. Nach Einstellung der Landwirtschaft im Jahre 1954 erfolgte 1958 ein Umbau dieser Stallung zu einer Trinkhalle („Kiosk am Luftschacht“). Die zunehmende Wohnbebauung ringsum machte auch weitere gewerbliche Nutzungen im Wirtschaftsbereich des Kottens möglich (u.a. 1955 Heißmangel, 1960 Getränkehalle, 1994 Biershop).

Die Umnutzung von 1958 wird von den Denkmalschützern übrigens als eine zweite denkmalwerte Schicht bewertet, die – gleichfalls aus volkskundlichen Gründen – die Infrastruktur dieser kleinen und für das Ruhrgebiet typischen Verkaufsstände dokumentiere. Der „Kiosk am Luftschacht“ sei daher ein anschauliches Zeugnis der Veränderung der näheren Umgebung des Kottens Trösken durch verdichtete Wohnbebauung als Folge des Bergbaus und bezeuge eine authentische und regional typische Form der Nahversorgung.

Im ehemaligen Stallbereich, der 1860 angebaut worden war, wurde ab 1958 für viele Jahre ein Kiosk betrieben.
Im ehemaligen Stallbereich, der 1860 angebaut worden war, wurde ab 1958 für viele Jahre ein Kiosk betrieben. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Insgesamt, so der örtliche Denkmalschutz, dokumentiere das Gebäude, das von außen für jeden Interessierten zu betrachten ist und auch künftig der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen soll, charakteristische Vorgänge der Vergangenheit im Bereich der ehemaligen grundherrlichen Abhängigkeiten und der im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzogenen „Bauernbefreiung“. Außerdem sind die Verpachtungsurkunde von 1810 sowie der Ablösungsvertrag von 1871 erhalten und publiziert.

Denkmäler in Castrop-Rauxel

  • Denkmäler werden grundsätzlich nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) in verschiedene Kategorien unterteilt.
  • In Castrop-Rauxel gibt es vor allem Baudenkmäler, wie zum Beispiel den Hammerkopfturm Schacht 3 der ehemaligen Zeche Erin, das Fördergerüst Schacht 7 der ehemaligen Zeche Erin, Schloss Bladenhorst, den Rathauskomplex am Europaplatz oder die ehemalige Rennwiese an der Dortmunder Straße.
  • Der Germanische Handels- und Kultplatz „Zeche Erin“ in Behringhausen und die Überreste der Burg Henrichenburg an der Freiheitsstraße sind bislang die einzigen beiden als archäologische Fundstellen in die Denkmalliste eingetragenen Bodendenkmäler.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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