Vom Baby, das nicht Ruth heißen durfte und Tobias, der eigentlich Barbara werden sollte

dzNamensfragen

Babynamen: Jahr für Jahr gibt es Statistiken, welche die beliebsten Vornamen in Castrop-Rauxel waren. Experten sagen: Der Name prägt fürs Leben. Unsere Reporter und ihre Namens-Geschichten.


Vom Baby, das nicht Ruth heißen durfte und Tobias, der eigentlich Barbara werden sollte

Redakteur Tobias Weckenbrock wäre als Mädchen eine Barbara geworden. Erst seit er im Ruhrgebiet lebt, weiß er das zu schätzen. © Jessica Hauck


Erst heute weiß Tobias Barbara zu schätzen

Ich habe nichts gegen Mädchen. Aber ich war immer froh, ein Junge geworden zu sein. Meine Mutter hat mir irgendwann mal verraten, dass ich als Mädchen eine Barbara geworden wäre. Nichts gegen den Namen, aber nur drei Buchstaben für einen ganzen Namen, und einer davon auch noch dreimal in einem Wort - nee! So nicht.

Ja, so dachte ich früher immer über diesen Alternativ-Namen für mich. Seit ich im Ruhrgebiet lebe und arbeite weiß ich aber, dass Barbara eine besondere Bedeutung zukommt, sie „uns treu die Wacht hält“ und „schön auf uns aufpasst“. So heißt es in der letzten Strophe des Steigerliedes, zumindest in der Schalke-Version aus dem Munde von Ährwin Weiß. Sankt Barbara, solltest du das hören: Ich nehme alles zurück und bedauere, ein Junge geworden zu sein. Tobias Weckenbrock


Vom Baby, das nicht Ruth heißen durfte und Tobias, der eigentlich Barbara werden sollte

Thomas Schroeter hätte seine erste Tochter gern Ruth genannt. Aber da hatten andere etwas dagegen. © Tobias Weckenbrock

Ich gefährdete den Familienfrieden

Vor der Geburt des ersten Kindes ist man bei Namen wahrscheinlich besonders sensibel. Man weiß ja nicht, ob und wie viele Kinder noch so folgen und will unbedingt „den“ Namen finden. Meine Frau und ich rätselten also 1988 nach Kräften an passenden Namen für unseren Erstling herum. Das Geschlecht war nicht bekannt, also mussten zwei tragfähige Ideen her. Mit dem Jungen war das überhaupt kein Problem, da hatten wir uns schnell auf Philipp verständigt. Aber das Mädchen bereitete Probleme. Meine Frau wollte einen der damals angesagten Namen mit vorne L und hinten a, also Lisa, Lena, Laura oder so. Langweilig, fand ich, und schlug ernsthaft Ruth vor. Das hätte ich nicht tun sollen, denn es gefährdete den Familienfrieden. Meine Frau schmollte, meine Mutter drohte sogar: „Wenn das Kind so heißt, sage ich nur noch Schätzchen dazu.“ Wir alle hatten Glück, das Kind wurde ein Philipp. Thomas Schroeter


Vom Baby, das nicht Ruth heißen durfte und Tobias, der eigentlich Barbara werden sollte

Abi Schlehenkamp nannte ihren Sohn Karl-David. Und der ist Patenonkel eines zweiten Karl-David. So kann‘s gehen. © Tobias Weckenbrock

Inzwischen gibt es sogar einen zweiten Karl-David

Als ich vor 39 Jahren während einer Punk-Fete den Namen meines ungeborenen Kindes verriet - in der festen Überzeugung es würde ein Junge - eskalierte die Party meines durchgeknallten Freundeskreises und meiner hysterischen Familie und ich setzte mich kurzerhand auf einen Spielplatz ab, um die Diskussion zu beenden. Am Ende hatte ich doch das Sagen. Karl-David war zwar gewöhnungsbedürftig, fand aber tatsächlich vor kurzem Nachahmer. Und mein Sohn ist dessen Pate. Bei meiner Tochter fiel die Entscheidung am Ende einmütig unter Dreien - Mutter, Vater, Sohn. Und Paulinas gibt es seitdem vor über 25 Jahren durchaus häufiger. Ihr zweiter Name, nämlich Maria, ist fast schon inflationär. Zu verdanken hat sie ihn dem damaligen Englischlehrer ihres Vaters, der in seinem Kursprogramm das Ungeborene frechweg als „Mariaken“ titulierte. Manchmal schreibt das Leben eben auch drollige Geschichten. Ilse-Marie Schlehenkamp


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Aus Versehen einen Namenstrend erwischt hat Jessica Hauck bei der Namenswahl für ihren Sohn. © Tobias Weckenbrock

Aus Versehen einen Trend erwischt

Es gibt ja Leute, die wissen schon Jahre bevor sie konkret ans Kinderkriegen denken, wie sie ihre Kinder nennen wollen. Mein Mann und ich gehörten nicht dazu. Wir machten uns erst Gedanken, wie unser Sohn heißen sollte, als die Frauenärztin sich sicher war, dass es ein Junge werden würde. Wir hatten trotzdem noch wochenlang Zeit, abends auf dem Sofa diese „Was hälst du von...“-Gespräche zu führen. Drei Namen hatten es schließlich in die engere Wahl geschafft. Dabei habe ich extra darauf geachtet, dass sie nicht in den Top 10 der vergangenen Jahre ganz oben standen. Ich wollte nicht, dass mein Sohn in der Schule gerufen wird, und schon drehen sich vier Namensvetter mit um. Schließlich haben wir uns für Felix entschieden. So einige andere Eltern allerdings auch. Jetzt gibt es gefühlt immer mehr Felixe um uns herum. Was soll‘s, uns gefällt der Name und wer weiß, welche Spitznamen unser Sohn in der Schule bekommen wird. Jessica Hauck


Vom Baby, das nicht Ruth heißen durfte und Tobias, der eigentlich Barbara werden sollte

Jens Lukas hat ein Faible für Namen mit J am Anfang. © Tobias Weckenbrock

4 Mal „J“ = 1 Familie

Das wusste ich nicht. Ich leide unter „unbewusster Ichbezogenheit“. Das hat US-Forscher John Jones herausgefunden: Wer sich selbst gut leiden kann, überträgt das auf seinen Namen. Daher habe ich als Jens – frei nach Pat und Patachon, Fix und Foxi, Donald und Daisy, Bernhard und Bianca – mit dem „J“ als Initial folgerichtig meine Jasmin geheiratet. Laut Jones tut sich Julia lieber mit Jürgen zusammen als mit irgendeinem dahergelaufenen Romeo. Übrigens: Wir als Ehepaar haben es auch noch auf die Spitze getrieben: Denn wir haben unsere Kinder auch auf die Initialen „JL“ geeicht. Obwohl wir Namensbücher gewälzt haben, wurden bei den Taufen die Namen Joshua und Joleen aufgerufen. Jens Lukas


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Janine Jähnichen ist benannt nach dem Parfüm Janine D. - weil ihre Mutter den Werbespot in den 80er-Jahren so toll fand. © Tobias Weckenbrock

Zuerst gab‘s die Werbung und dann kam ich

Janine ist kein wirklich häufig vertretener Name. Als Kind war es für mich immer eine riesen Herausforderung im Urlaub Souvenirs mit meinem Namen zu finden - ganz im Gegenteil zu meinem Bruder Jan.

Schuld an meinem Vornamen trägt das Parfum „Janine D.“ aus den 80er-Jahren. Der Werbespot des Dufts hat es meiner Mama damals angetan. Die Schauspielerin, die Musik, der Slogan „Hallo Janine D. Du bist wie die Mädchen von heute“ - all das hat dafür gesorgt, dass der Name bei ihr im Gedächtnis geblieben ist. Und das scheinbar so lange, bis ich ein Jahrzehnt später auf dem Weg war.

Mir gefällt ihre Wahl! Bis auf die Tatsache, dass ich meinen Namen grundsätzlich buchstabieren muss, weil sonst unter Garantie eine falsche Schreibweise genommen wird. Selbst meine Oma hat bis vor einigen Jahren auf jeder Glückwunschkarte das „E“ am Ende von Janine vergessen. Janine Jähnichen


Im Internet hoffentlich unauffindbar

Es mag vielleicht befremdlich klingen, aber ich wollte, dass meine Kinder einen 0815-Namen haben. Einen ganz normalen, nichts exotisches. Der Grund? Ich selbst hieß zum Zeitpunkt der Geburt noch Iris Maria Woitschell. Dieser Name in Verbindung mit einer gewissen Sport-Karriere führte dazu, dass mich jeder im Internet sofort finden konnte - inklusive Foto, Gewichtsklasse und dazu passender Jahreszahl. Das finde ich extrem unangenehm. Mal ehrlich, was geht es die Welt an, in welchem Jahr meine Waage was angezeigt hat? Also heiratete ich einen Mann, der Müller hieß und wählte für meine Kinder Namen, die ganz oben in der Liste der beliebtesten Namen stehen. So bleibt ihnen das hoffentlich erspart. Iris Müller

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