Auto kracht frontal gegen Baum: Todesfahrer aus Ickern war abgelenkt

dzTödlicher Unfall

Nach dem schrecklichen Unfalltod eines Arbeitskollegen in seinem Auto ist ein Castrop-Rauxeler nun verurteilt worden. Der 39-Jährige hatte einen Bedienknopf gesucht.

Recklinghausen/Castrop-Rauxel

, 09.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Unglück passierte auf dem Weg zur Arbeit: Vor knapp zehn Monaten ist es früh morgens auf der Ickerner Straße in Waltrop zu einem tödlichen Crash gekommen. Ein Mercedes-Kombi aus Castrop-Rauxel krachte frontal gegen einen Baum – ein mittig auf der Rückbank sitzender Insasse (54) starb noch am Unfallort.

Am Dienstag wurde der 39-jährige Fahrer des Unfallwagens verurteilt.

Das Schöffengericht in Recklinghausen verhängte gegen den Ickerner wegen fahrlässiger Tötung eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro (60 Tagessätze).

„Eine Sorgfaltspflichtverletzung des Angeklagten ist Ursache für den Tod seines Arbeitskollegen gewesen“, hieß es in der Urteilsbegründung.

54-Jähriger stirbt, obwohl er angeschnallt war

Dadurch, dass der 39-Jährige den Bruchteil einer Sekunde zu lange mit der Einstellung der Heckscheibenheizung abgelenkt gewesen ist, war der mit fünf Personen vollbesetzte Mercedes-Kombi (C-Klasse) wenige Hundert Meter vor der Kanalbrücke von der Spur abgekommen, auf den Grünstreifen geraten und schließlich frontal gegen einen Baum geprallt.

Während die außen sitzenden Insassen nur leichte Verletzungen davontrugen, kam für einen hinten mittig sitzenden Arbeitskollegen des 39-Jährigen trotz Anschnallgurts jede Hilfe zu spät.

Verhängnisvoller Fehler eingeräumt

Laut Urteil starb der 54-Jährige an einem schweren Brustkorb-Trauma. Der Angeklagte hatte sich in seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung entschuldigt. „Es tut mir wirklich sehr leid. Ich denke oft an meinen verstorbenen Arbeitskollegen und seine Familie“, sagte der Ickerner.

Seinen verhängnisvollen Fehler, auf der Suche nach dem Bedienknopf für die Heckscheibenheizung einen Tick zu lange nicht auf die Fahrbahn geschaut zu haben, hatte der 39-Jährige unumwunden eingeräumt. Keinesfalls als Rechtfertigung, sondern vielmehr als Erklärung zu verstehen sei, so der Verteidiger der Unfallfahrers, dass der 39-Jährige den Kombi damals noch keine Woche in Besitz gehabt habe. „Daher kannte er sich mit den Bedienelementen noch nicht so gut aus“, sagte Rechtsanwalt Ulrich Bambor (Dortmund).

Fatale Folgen

Diese Unkenntnis hatte laut Urteil am 19. November 2019 fatale Folgen. „Ein optimaler Fahrer hätte sich anders verhalten“, urteilte das Gericht. Einerseits hätte der 39-Jährige sich vor Fahrtantritt im Dunkeln schlaumachen müssen, wo welche Schalter oder Knöpfe platziert sind.

Andererseits hätte er auch anhalten können, um die beschlagene Heckscheibe in dem vollbesetzten Kombi freizuwischen. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Geldstrafe von 3600 Euro (90 Tagessätze) beantragt hatte.

Lesen Sie jetzt