„An Dusseligkeit nicht zu überbieten“ – Häftling auf Zaun geschnappt

dzMissglückter Ausbruch

Der Versuch zweier Männer, aus der JVA Meisenhof zu flüchten, schlug gründlich fehl. Aber wegen des Ausbruchsversuchs selbst mussten die zwei Häftlinge sich gar nicht vor Gericht verantworten.

Castrop-Rauxel

, 02.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war an Dusseligkeit nicht zu überbieten.“ So kommentierte der Strafrichter den misslungenen Plan eines jetzt 29-Jährigen, aus der JVA Castrop-Rauxel zu türmen. Das war im April 2019. Der Häftling hatte erfahren, dass er wegen eines weiteren anstehenden Verfahrens vom offenen Vollzug im Meisenhof in eine geschlossene Haftanstalt verlegt werden sollte.

„Jetzt haue ich ab“, habe er beschlossen. Den Fluchtplan auch Mithäftlingen kundgetan. Ich habe gesagt: „Wer will, kann mitkommen.“ Dann schlug der Mann mit einem Stück Seife die Glasscheibe des Brandmelders ein, holte den Feuerlöscher heraus. Wohlwissend, dass in diesem Moment ein Alarm ausgelöst wird.

Großes Durcheinander

Er wusste auch, dass sich zugleich alle Türen automatisch öffnen. Es folgte wohl ein großes Durcheinander – und ein schnelles Einschreiten des Wachpersonals. Der Initiator der Aktion hatte es draußen bis auf den Zaun geschafft, Mithäftlinge waren zögerlicher, liefen im Treppenhaus umher.

Einer, der noch im Türrahmen seiner Zelle stand, war jetzt als Mitangeklagter im Gericht. Und während der 29-Jährige als freier Mann hierher kam – er war wegen der Corona-Pandemie im März vorzeitig entlassen worden – wurde der 31-jährige Kollege aus dem Knast in Düsseldorf vorgeführt, wo er noch zwei Jahre hinter Gittern vor sich hat.

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Nicht wegen des misslungenen Fluchtversuchs, sondern wegen Sachbeschädigung waren die beiden angeklagt. Weil der Brandmelder demoliert wurde. Kosten: 120 Euro. Der Jüngere hatte ihn eingeschlagen, doch der andere hatte ihm, das war aktenkundig, eine Decke gereicht.

„Er selbst hat doch gar nichts beschädigt“, so dessen Anwalt, und machte lediglich Beihilfe geltend. Jedoch, das half seinem Mandanten wenig. Dazu war die Liste der Vorstrafen viel zu lang, auch die des Kollegen. Der 31-Jährige hat es auf 21 Verurteilungen gebracht, der Jüngere auf 19. Darunter etliche Delikte im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Und nun die abstruse Idee, die die Liste noch einmal verlängert.

Geldstrafen für beide

Der Richter verhängte für diese „Dusseligkeit“ Geldstrafen. Der inzwischen auf freiem Fuß wandelnde 29-Jährige, der derzeit im Abbruch-Gewerbe ein Praktikum absolviert, muss 100 Tagessätze zu je 10 Euro zahlen. Die Geldstrafe für den Kollegen macht 80 Tagessätze aus. Das tut weh, auch wenn die Strafen in Raten abgestottert werden können.

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Trotzdem ist es im Sinne der Angeklagten. Der eine will endlich draußen arbeiten, der andere nicht noch länger im Knast schmoren. „Aber das nächste Mal gibt es für solch einen Unfug sechs Monate“, drohte der Richter. „Wie kann man nur auf die Idee kommen, vorsätzlich Dinge zu beschädigen, die Eigentum des Staates sind?“

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