Aus Helfern werden Fachkräfte bei der Catering-Firma Stolzenhoff

Aus- und Weiterbildung

Langzeitarbeitslosigkeit bleibt ein großes Thema im Kreis Recklinghausen. Die Catering-Firma Stolzenhoff aus Castrop-Rauxel geht neue Wege – und schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Castrop-Rauxel

, 01.02.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aus Helfern werden Fachkräfte bei der Catering-Firma Stolzenhoff

Freuen sich über die Kooperation (v.l.): André Kleingarn (Projektleiter Ausbildung) und Lars God (Betriebsratsvorsitzender) von der Firma Stolzenhoff, Anke Traber von der Arbeitsagentur Recklinghausen sowie Sandra Breidenbach (Qualifizierungsberaterin) und Stefan Bunse (Geschäftsstellenleiter) von der Arbeitsagentur in Castrop-Rauxel.landsiedel © Marc-André Landsiedel

Die Langzeitarbeitslosigkeit bleibt ein großes Thema im Kreis Recklinghausen. Zwar freute sich Anke Traber, die Vorsitzende der Arbeitsagentur Recklinghausen, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Forum am Europaplatz über die seit Monaten leicht sinkenden Zahlen.

Kreis Recklinghausen will Problem Langzeitarbeitslosigkeit angehen

Zugleich betonte Traber, dass die Quote der Langzeitarbeitslosen von 54,2 Prozent im Kreis Recklinghausen die höchste Quote im ganzen Bundesgebiet sei. Zum Vergleich: Im Ruhrgebiet lag die Quote 2018 im Schnitt bei 44,1 Prozent, landesweit bei 41,6 Prozent. „Dieses Problem wollen wir weiter angehen“, kündigte Traber an.

Wie das in der Praxis aussehen kann, demonstriert die in Castrop-Rauxel und Lünen ansässige Catering-Firma Stolzenhoff. Sie hat sich mit der Arbeitsagentur Castrop-Rauxel zusammengetan und und bildet seit dem 14. Januar drei ehemalige Hilfsarbeiter, die kaum Chancen auf eine klassische Ausbildung gehabt hätten, zu Service- und Berufskraftfahrern weiter. Dies geschieht über sogenannte Teil-Qualifizierungen.

Über Teil-Qualifizierungen zum Berufsabschluss

In der Praxis sieht das so aus: Die Angestellten werden vom 14. Januar bis zum 7. Juli fünf Tage die Woche extern geschult. In diese Zeit ist auch ein zweimonatiger Praxisblock innerhalb des Betriebes enthalten. Am Ende steht eine Prüfung für diese erste Teilqualifizierung an. Den Rest des Jahres arbeiten die Angestellten im Betrieb.

Im folgenden Jahr folgt dann das nächste Modul der Teil-Qualifizierung – und so weiter. Mittelfristiges Ziel ist, dass die ehemaligen Hilfskräfte innerhalb von fünf bis sechs Jahren den vollwertigen Berufsabschluss als Service- oder Berufskraftfahrer erhalten.

Zutrauen in eigene Leistungsfähigkeit zurück gewinnen

„Mit jeder bestandenen Teilqualifizierung erhöht sich das Gehalt. Die Arbeitskräfte sollen durch diese Form der Weiterbildung Schritt für Schritt das Zutrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit zurückerlangen“, erklärt Andre Kleingarn, Projektmanager für Aus- und Weiterbildung bei der Firma Stolzenhoff.

Unterstützung erhält Stolzenhoff dabei von der Arbeitsagentur Castrop-Rauxel – im Zuge der Initiative „WeGeBau“, die der Weiterbildung Geringqualifizierter dient. „Wir fördern nicht nur die externen Weiterbildungsmaßnahmen, sondern zahlen auch Arbeitsentgeltzuschüsse an die Firma Stolzenhoff – für den Ausfall der drei Arbeitskräfte während der Schulungsmaßnahmen“, sagt Qualifizierungsberaterin Sandra Breidenbach von der Arbeitsagentur Castrop-Rauxel.

Am Ende gibt es nur Gewinner

Und so gibt es am Ende nur Gewinner: Die Arbeiter werden vor der drohenden Langzeitarbeitslosigkeit bewahrt. Und die Firma Stolzenhoff wirkt von innen dem Fachkräftemangel entgegen.

Lesen Sie jetzt