Archäologen sind in Ickern den Römern auf der Spur

ICKERN-END Die Luft flimmert. Die Sonne brennt. Der Sand verrutscht unter den Füßen. Nein, wir sind nicht in der Wüste Gobi, sondern in der Ausgrabungsstätte zwischen Ickern und Mengede.

von Von Christoph Witte

, 25.07.2008, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Funde aus der Römischen Kaiserzeit

Funde aus der Römischen Kaiserzeit

Ganze Häuser des Hofkomplexes, der hier einst gestanden hat, finden die Archäologen natürlich nicht. "Das ist alles verwittert", sagt Grabungsleiter Jürgen Pape. "Wir sprechen hier schließlich von Befunden aus der Römischen Kaiserzeit, 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus." Seit April vergangenen Jahres erforscht ein rund 15-köpfiges Team von Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und Archäologie-Studenten der Unis Münster und Bochum das Areal an der Emscher.  Ausgrabungen dauern bis Mitte 2009 anBis Mitte 2009 sollen die Ausgrabungen andauern. Parallel wird das insgesamt 33 Hektar große Gelände von der Emschergenossenschaft zu einem Hochwasserrückhaltebecken umgebaut. Ein Bauvorhaben, das von der EU finanziell gefördert wird. Aus diesem Grund war gestern ein niederländisches Filmteam vor Ort. Produzent Nico Bauwens und Kollegen besuchen fünf bis sieben der insgesamt zwölf Hochwasserschutzprojekte zwischen Baden-Württemberg und Holland für einen Film, der im September in Rees unter anderem NRW-Umweltminister Eckard Uhlenberg (CDU) präsentiert wird. "Um zu zeigen, wohin das Geld konkret fließt", sagt Kirsten Adamczak von der Emschergenossenschaft. In Ickern ist es definitiv gut investiert. "Hier sind schon richtig klasse Funde dabei", freut sich Grabungsleiterin Angelika Speckmann. Und Kirsten Adamczak ergänzt: "Das ist eine der wenigen Inseln, wo der Boden noch so steht wie vor 2000 Jahren." Über 3000 Befunde haben die Archäologen bislang freigelegt und Bodenproben eingesandt. Immer wieder sind auch greifbare Funde dabei.

Wichtige Einblicke in das Leben unserer Vorfahren

Grabungshelfer Wolfgang Nagorsnik zieht zum Beweis einen Nagel aus dem Sand, der eine Stelle markiert, wo die Archäologen mehr als nur Bodenspuren geortet haben. Zum Vorschein kommt ein Keramikteilchen. "Vielleicht die Scherbe eines Gefäßes", vermutet er. Solche Relikte eröffnen den Wissenschaftler wichtige Einblicke in das Leben unserer Vorfahren. Manchmal stoßen die Forscher auch auf Pollen, die Aufschluss darüber geben, welche Vegetation hier einmal wuchs, und was die Menschen angebaut hatten.Nach den Ausgrabungen kommt das Rückhaltebecken

In Zukunft wird an dieser Stelle keine Saat mehr gesät. Stattdessen soll ein natürliches Biotop entstehen, das in Hochwasserzeiten eine über die Ufer tretende Emscher auffängt. "Im Zuge der Ökologisierung der Emscher besteht das Risiko, dass Bäume und Büsche den Wasserfluss abbremsen, und das Wasser über die Deiche tritt", beschreibt Kirsten Adamczak ein mögliches Szenario. "Das hier geplante Rückhaltebecken liegt 50 Kilometer oberhalb der Mündung und schützt somit z. B. Ickern vor Hochwasser." In "Trockenzeiten" wird es jedoch einfach nur ein sumpfiges Habitat für Flora und Fauna sein, bis dahin buddeln Ines Müller und Co. aber noch im Sand und bringen das ein oder andere Stück Geschichte an die Oberfläche. 

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