Arbeitsmarkt nach einem Jahr Corona: Agentur-Chef erkennt Erholungskurs

Coronavirus

Seit einem Jahr belastet die Corona-Krise den Arbeitsmarkt. Aber es gibt Anzeichen, dass sich der Pandemie-Effekt auswachsen könnte. Der Agentur-Leiter aus Castrop hat aber auch eine große Sorge.

Castrop-Rauxel

, 29.04.2021, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Panorama-Café im Stadtgarten hat einen der schönsten Außenbereiche in Castrop-Rauxel. Doch selbst Außen-Gastronomie ist nach wie vor nicht geöffnet. Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Das Panorama-Café im Stadtgarten hat einen der schönsten Außenbereiche in Castrop-Rauxel. Doch selbst Außen-Gastronomie ist nach wie vor nicht geöffnet. Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. © Marcel Witte

Der April 2020 war der erste Monat, in dem sich die zusätzlich entstandene Arbeitslosigkeit im Zuge der Corona-Pandemie auch in den Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit widerspiegelte. In Castrop-Rauxel waren damals 3159 Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote betrug 8,2 Prozent und lag damit um 0,8 Prozentpunkte über dem Wert aus 2019.

In den folgenden Monaten wuchs die Arbeitslosigkeit durch den sogenannten „Corona-Effekt“ bis zum Winter überproportional. Nun zeichnet sich ein Erholungseffekt ab. Der richtige Zeitpunkt, sich anzuschauen, wo wir eigentlich vor Corona standen.

„Das große Thema hieß Fachkräftemangel“, erklärt der Castrop-Rauxeler Geschäftsstellenleiter Stefan Bunse. Besonders im Handwerk und im Gesundheitssektor. „Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Hinzu gekommen sind aber seitdem viele Menschen, die vor allem in den Bereichen Einzelhandel, Hotel- und Gastgewerbe sowie in Kultur- und Freizeitbetrieben ihre Arbeit verloren haben und von den Lockdowns und Bewegungseinschränkungen betroffen waren und sind.“

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Es gebe aber Anzeichen, dass sich die Schere langsam wieder schließt. Der Arbeitsmarkt bleibt zwar sensibel und hat im April einen halben Gang zurückgeschaltet, aber in den vergangenen zwei Monaten ist die Arbeitslosigkeit in Castrop-Rauxel deutlich um 0,5 Prozentpunkte oder 175 Personen gesunken – sie beträgt im April wie im März 7,9 Prozent.

Frühjahrsbelebung fehlt zum Beispiel die Außengastronomie

Sie liegt somit nur noch um 0,5 Prozentpunkte höher als vor der Pandemie. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei zwar mit der einsetzenden Frühjahrsbelebung im März und April normal, aber er fiel diesmal kräftiger aus als üblich. Wenn auch im April abgeschwächt wegen des immer noch anhaltenden Lockdowns und beispielsweise geschlossener Außengastronomie.

„Möglicherweise warten Unternehmer die Entwicklungen der dritten Welle noch etwas ab, ehe sie in weitere Mitarbeiter investieren“, so Bunse. Dennoch liegt die Zahl der Stellenangebote deutlich über Vorjahresniveau.

Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit an der Widumer Straße

Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit an der Widumer Straße © Agentur für Arbeit

Zudem gelte weiterhin: „Zwar geht die Kurzarbeit zurück. Aber der immer noch hohe Anteil verdeutlicht, dass viele Arbeitgeber versuchen, ihre Mitarbeiter auf dem aktuellen Niveau zu halten – um dann schnell von einer einsetzenden positiven Entwicklung profitieren zu können.“

Anders als im ersten Lockdown, der zu großer Unsicherheit und Stellenrückzug geführt habe, hätten viele Betriebe inzwischen gelernt, mit neuen Konzepten auf die aktuellen Rahmenbedingungen zu reagieren.

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Eine Entwicklung bereitet Bunse allerdings Sorgen: Der Anteil der langzeitarbeitslosen Menschen, die zwölf Monate und länger ohne Job sind, ist im vergangenen Jahr von 39,1 Prozent auf 47,1 Prozent gestiegen. Dieser Personenkreis profitiert meist später von positiven Entwicklungen. Doch auch hier gibt es Hoffnung. Die Arbeitslosigkeit im SGB-II-Bereich sei zwar im April angestiegen, aber ebenso gebe es eine steigende Anzahl an neuer Arbeitsverträge.

„Dennoch ist wichtig, dass alles getan wird, um Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern und zu beenden“, meint Bunse. „Hier setzen wir zusammen mit dem Jobcenter weiter auf die enge Verzahnung mit allen Akteuren vor Ort.“

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Umschulung in Mangelberuf kann eine Lösung sein

Das gelte auch für diejenigen Menschen, deren Branchen oder Berufe künftig durch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft weniger nachgefragt sein könnten. Stefan Bunse sagt: „Was hilft ist Qualifizierung, Qualifizierung, Qualifizierung. Das fängt bereits bei der Ausbildung an und hört im Erwachsenenalter nicht auf. Eine Umschulung in einen Mangelberuf kann eine Lösung für die Betroffenen sein.“ Die Agentur für Arbeit berate gerne dazu.

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