Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, hatte im Winter einen Missbrauchsbericht zunächst nicht veröffentlichen wollen. © dpa
Missbrauch

Antwort von Woelki: Thomas Frauendienst forderte Kardinal zu Rücktritt auf

Thomas Frauendienst ist Missbrauchsopfer. Der Castrop-Rauxeler forderte im Februar den Kölner Kardinal Woelki per Brief zum Rücktritt auf. Dass er Antwort bekäme, hätte er nicht gedacht.

Thomas Frauendienst ist Missbrauchsopfer, musste in seiner frühen Kindheit in einem kirchlichen Heim schwerste Misshandlungen erleiden. Dass er das überlebte, war selbst für die Ärzte ein Wunder.

Seine Leidensgeschichte ist von Staat und Kirche offiziell anerkannt worden, ist von der eigens dafür gegründeten gemeinsamen Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ von Bund, Ländern und Kirchen offiziell bestätigt und mit einer Entschädigungspauschale bedacht worden.

Der Castrop-Rauxeler reagiert seit frühester Kindheit auf jede Form von Misshandlung und Missbrauch, die er selbst erleben musste oder bei anderen Menschen erlebt, verständlicherweise äußerst allergisch. Da Frauendienst auch großen Namen gegenüber keine Berührungsängste hat, reagierte er zu Beginn des Jahres sehr direkt auf den jüngsten Missbrauchs-Skandal der katholischen Kirche.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte die Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts zu entsprechenden Vorwürfen gegen Geistliche aus dem Erzbistum Köln erst verweigert. Bis heute wird dieses Vorgehen heftig kritisiert.

Der Castrop-Rauxeler Thomas Frauendienst hat einen Teil seiner Rente gespendet, um einem jungen todkranken Mädchen zu helfen. Jetzt ist er deshalb im TV zu sehen.
Der Castrop-Rauxeler Thomas Frauendienst hat einen Teil seiner Rente gespendet, um einem jungen todkranken Mädchen zu helfen. Jetzt ist er deshalb im TV zu sehen. © Marit Langschwager © Marit Langschwager

Thomas Frauendienst wollte Woelkis Verhalten nicht stehen lassen. Da er ihn bei einer Veranstaltung im Rahmen der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ im Jahr 2019 persönlich kennen gelernt hatte, schrieb er dem Kardinal im Februar einen Brief. Er tadelte ihn darin für den Umgang mit dem Bericht und forderte Woelki zum Rücktritt vom Kardinals-Amt auf.

„Das Verhalten fand ich schlimm, darum musste ich diesen Brief schreiben“, so Thomas Frauendienst gegenüber unserer Redaktion. Er hätte allerdings nie damit gerechnet, auf sein Schreiben jemals eine Antwort zu erhalten. Die aber erhielt Frauendienst mit Datum vom 14. Juli nun aus dem Sekretariat des Erzbischofs.

Darin betont eine Referentin, dass Woelki das Frauendienst-Schreiben gelesen habe, er sich gut an die Begegnung im Düsseldorfer Landtag erinnern könne und dass sich der Kardinal intensiv an die erschütternden Schilderungen des Leids von Thomas Frauendienst erinnere.

Ausführliches Schreiben der persönlichen Referentin

Der Kardinal habe inzwischen ja das fragliche Gutachten veröffentlicht und eine Stabsstelle Aufarbeitung eingerichtet, die für die Umsetzung angekündigter Veränderungen im Erzbistum sorgen solle. Woelki hoffe, dass es nun auch mit unabhängiger Unterstützung eine konsequente Aufarbeitung sexualisierter Gewalt geben werde.

„Ich hätte nie gedacht, dass Woelki mir antwortet, dass nun aber seine Persönliche Referentin an mich geschrieben hat, finde ich beachtlich“, sagt Thomas Frauendienst. Er hofft inständig, dass es nicht bei einem Versprechen zur kompletten Aufarbeitung bleiben wird, sondern auch Taten folgen. „Das werde ich genau beobachten.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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