Anne Lehwald ist die Neue an der Spitze des Repair-Cafés

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Das Repair-Café, einst in Castrop-Rauxel von Meinolf Finke und Unterstützern auf den Weg gebracht, hat eine neue Organisatorin. Die Fäden laufen jetzt bei Anne Lehwald (58) zusammen.

Castrop-Rauxel

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist die Nachhaltigkeit, die sie umtreibt. Und die sie von allen Seiten betrachtet. Sie mit hartnäckiger Recherche fast durchleuchtet, um Zusammenhänge zu erkennen, zu bewerten, neu zu denken. Vielleicht auch ein Lebensmotto von Anne Lehwald.

Die 58-Jährige ist die neue Organisatorin des Repair-Cafés. Sie ist Nachfolgerin von Günter Richter, der aus gesundheitlichen Gründen in die zweite Reihe getreten ist.

Erfahren hat sie von der Suche des Teams nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für den Ehrenamts-Job aus unserer Zeitung. „Als ich das gelesen habe, dachte ich: Das passt gut in mein Spektrum“, erzählt Lehwald im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Nachhaltigkeit tue sich ihr bei jedem Blick in eine Geschichte auf. Wie ein roter Faden, der sie in ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit seit vielen Jahren begleitet.

Freiberuflich unterwegs

Lehwald ist studierte Historikerin, aber auch gelernte Handwerksmeisterin, Schilder- und Lichtreklame-Herstellung war früher ihr Metier, bevor sie in die Bildungsarbeit eintauchte.

In Frankfurt, wo sie der Liebe wegen fast auch wohnorttechnisch gelandet wäre, war sie als Bildungsreferentin unterwegs und arbeitete viel mit Bufdis zusammen. In der Regel war sie mit einem halben Job als Angestellte unterwegs und zur anderen Hälfte freiberuflich. Mittlerweile hat sich das verschoben: Mit Rücksicht aufs Private arbeitet die 58-Jährige nur noch freiberuflich.

Geboren ist Anne Lehwald in Castrop-Rauxel. Seit acht Jahren kehrte sie nach vielen Jahren in Dortmund wieder heim - in ihr Elternhaus sogar.

Der Repair-Bewegung als solcher gehört ihre volle Sympathie. Das erklärte Ziel, Dinge aus dem Lebensalltag möglichst zu reparieren, wenn sie defekt sind, statt sie wegzuwerfen, sei alternativlos, wenn Nachhaltigkeit keine leere Formel für schonenden Umgang mit Ressourcen ist.

Studie des Umweltbundesamtes

Ein banales Beispiel: Kinder hätten es immer schwerer dabei, Erwachsene zu finden, die ihre Spielsachen reparieren könnten. Leichter sei es sicherlich, einfach etwas Neues zu kaufen. „Vielleicht auch, weil es nicht mehr gefragt ist, Dinge an sich wert zu schätzen, sagt Anne Lehwald.

Auf einen besonderen Zusammenhang hinzuweisen, ist der neuen Organisatorin des Repair-Cafés wichtig. Dabei verweist sie auf eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes, die in diesem Jahr veröffentlicht worden ist.

Anne Lehwald ist die Neue an der Spitze des Repair-Cafés

© Abi Schlehenkamp

Sie untersucht die Themenfelder Handwerk und Reparatur. Demnach erzielen kleine Betriebe mit bis zu vier Handwerkern bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes mit Reparaturen. 46.000 dieser kleinen Handwerksbetriebe gebe es in Deutschland, sie erwirtschafteten rund sechs Prozent des Gesamtumsatzes in dieser Sparte von 31 Milliarden Euro im Jahr. 210.000 Menschen arbeiteten hier in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Umweltschutz und nachhaltige Unternehmensziele könnten zukünftig im Handwerk noch mehr zum Jobmotor werden, ist Anne Lehwald überzeugt.

Gleich den ersten größeren Termin am 13. April

Nun ist sie erst in der zweiten Woche in ihrem neuen ehrenamtlichen Job - und hat am Samstag, 13. April, gleich ihr erstes Repair-Café im Wilhelm-Kauermann-Zentrum der AWO an der Bahnhofstraße 83a vor der Brust.

Dort hat das Team seit einem Jahr eine dauerhafte Bleibe für sein Angebot gefunden. Geöffnet ist das Café wie gehabt von 10 bis 12 Uhr. Grundsätzlich, sagt sie, sei hier die Luft nach oben noch ein bisschen offen. Sie könnte sich auch Infoveranstaltungen vorstellen.

Zusammenarbeit mit dem Handwerk

„Von der Kita bis zur Seniorengruppe“, erklärt Anne Lehwald. Und die Zusammenarbeit mit dem Handwerk, auch das sei eine Idee, die man mit Leben füllen könnte. Ihr kaputter Drucker wartet übrigens immer noch darauf, dass er repariert wird. „Das wird passieren“, sagt sie.

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Ihre Waschmaschine hat sie tatsächlich selbst reparieren können. Dem Internet und ihrer Hartnäckigkeit sei Dank. Anne Lehwald: „Wir bräuchten eigentlich für jedes Produkt eine Checkliste, in der alle Ersatzteile aufgeführt sind.“

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