Leon Plischke (18) hat erst sein eigenes Modelabel „BTBR – Born to be rich“ gegründet. Nun ist er mit Finanzspekulationen per App erfolgreich. © Plischke
Neo-Broker

Anleger Leon Plischke und seine Blitz-Geschäfte an den Börsen der Welt

Es gibt eine neue Bezeichnung für das, was Menschen wie Leon Plischke (18) aus Castrop-Rauxel tun, die an der Börse blitzschnell Geld vermehren: „Neo-Broking“. Er hat jetzt Tausende Euros verdient.

Leute, wenn ihr am Schlafen seid, verdienen wir Geld! Das schrieb Leon Plischke vergangene Woche in seinem What‘sApp-Status. Der Castrop-Rauxeler postete dort Screenshots aus einer App, in der er mit Aktien handelt. 1477 Euro investierte er laut seiner App, mit der er „tradet“ wie ein „Broker“, in die rein digitale Währung Dogecoin. Zwölf Stunden später lag der Wert bei 8658 Euro. Alles über Nacht.

Leon Plischke, 18-jähriger Modeschöpfer und 2020 Gründer der Marke „BTBR – Born to be rich“ aus Castrop-Rauxel, hat ein Geschäft für sich entdeckt. Es ist das sehr kurzfristige Anlegen von Geld in Aktien oder Kryptowährungen, die über sogenannte „Neo-Broker“ vermarktet werden. Das sind Dienstleister, oft in Form von Apps auf den Smartphones der Nutzer, über die man auf schnelle Weise Börsenhandel betreiben kann.

Die Anbieter gelten als revolutionär für den Aktienmarkt. Es ist die Rede davon, dass sie den Handel mit Wertpapieren demokratisieren und für jeden ganz einfach und schnell verfügbar machen. Sie führen nun dazu, dass sich das Aktiengeschäft verändert. Und Leon Plischke mischt mit.

Er ist jetzt 18 Jahre alt, wohnt noch bei seinen Eltern, verließ schon vor einiger Zeit die Sekundarschule an der Schillerstraße; ohne Abschluss. 2020 gründete er das Modelabel „BTBR – Born to be rich“. „Ich bin selbstständig, Experte für Kryptowährung und Aktien, mache Online-Marketing, habe das Label“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ein Kumpel hat mir davon erzählt, was bei Dogecoin abgeht“, erzählt Leon Plischke. „Die Geschichte, dass man die Währung auf 1 Dollar pushen will.“ Mit ihm zusammen habe er dann einen fünfstelligen Betrag investiert. Schritt für Schritt über die App Bitpanda. „Da gibt es Tageslimits“, sagt er. Also kauften sie für 0,007 Euro die erste Charge. Dann stieg der Kurs, und sie investierten Häppchenweise täglich weiter.

Der große Plan mit der Krypto-Währung

Das steckt hinter Dogecoin: Die Krypto-Währung stieg Ende Januar, als ein Anteil 0,7 Cent wert war, binnen weniger Stunden im Wert auf 4,6 Cent. Was wie „Peanuts“ aussieht, ist eine Wertsteigerung auf über 600 Prozent des vorherigen Werts. Wer also am 27. Januar 10.000 Euro* in Dogecoin angelegt hatte und am 29. Januar verkaufte, hatte am Ende 60.000 Euro. Wer allerdings am 29. Januar zum Tages-Schlusskurs einstieg, weil er darauf wetten wollte, dass der Kurs weiter steigt, der konnte seine Dogecoins am 30. Januar zum Schlusskurs von 2,8 Cent verkaufen, also mit einem Wertverlust um etwa ein Drittel.

Der Kurswert des Dogecoin in den vergangenen Tagen: Es gibt Insider, die wollen ihn auf 1 Euro bringen. Zurzeit liegt er zwischen 2 und 3 Cent.
Der Kurswert des Dogecoin in den vergangenen Tagen: Es gibt Insider, die wollen ihn auf 1 Euro bringen. Zurzeit liegt er zwischen 2 und 3 Cent. © Martin Klose © Martin Klose

Leon Plischke ist im richtigen Moment eingestiegen. Weil er den Markt durchschaut? Weil er die neuen Möglichkeiten des Internets entdeckte? Oder weil er einfach nur Glück hat? Er sagt, der richtige Moment sei auch jetzt noch.

Experten sagen, dass er damit ein gefährliches Geschäft betreibt. Aber wer sich an den richtigen Stellen im Internet herumtreibt, der kann persönlich Profiteur dieses Neo-Brokings sein. „Ich habe keine Angst, ich weiß, dass das klappen wird. Der Dogecoin wird hoch gehen“, sagt Plischke. „Ob er so krank bis auf 1 Dollar steigen wird, weiß man nicht. Die Community dahinter ist aber so stark, dass ich daran glaube.“

Der inszenierte Hype um eine Ladenkette

Ein anderes Beispiel für das, was da gerade abgeht, ist Gamestop: Rund 66 Euro war eine Aktie des Unternehmens am 26. Januar um 16.30 Uhr an der Frankfurter Börse wert. Es handelt sich dabei um ein US-Unternehmen, das Videospiel-Geschäfte betreibt. Auch in deutschen Fußgängerzonen ist Gamestop verbreitet, leidet aber unter einer rapide zunehmenden Digitalisierung des Computerspiele-Handels und einer Verlagerung auf große Download-Plattformen wie Steam. So ist das Unternehmen laut Experteneinschätzung in Gefahr.

Das haben sich auch Hedgefonds-Manager gedacht. So verdichteten sich Anzeichen, dass es eine Kapitalmarktwette auf fallende Kurse von Gamestop gibt. Dann entstand eine Gegenbewegung: Über die weltweit führende Diskussionsforum-Plattform Reddit fanden sich viele der kleinen Privatanleger zusammen und starteten dort und über ihre Social-Media-Kanäle eine „Stützungsinitiative“: Sie forderten ihre Bekannten auf, Gamestop-Aktien zu kaufen. Und das blitzschnell und zeitgleich über die Neobroker-Apps.

So stieg die Nachfrage rasant. Und während der Hedgefonds Melvin Capital auf einen fallenden Kurs wettete, stieg der Kurs von Gamestop binnen Stunden um 400 Prozent. Mehr noch: Am 28. Januar um 13.30 Uhr wurde die Aktie mit 409 Euro gehandelt. So stieg der gehandelte Börsenwert des Unternehmens binnen kürzester Zeit auf ein vielfaches und überstieg damit auch weit den eigentlichen Wert, der sich in Unternehmensbilanzen, Beschäftigten, Geschäftsstellen, Markenwert und anhand anderer marktrelevanter und valider Bestandteile bemisst. Der Kurs werde nach dem Hype zusammenfallen wie ein Soufflé, sagte Anlage-Experte Christian W. Röhl der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagsausgabe).

Und auch hier: Wer bei über 280 Euro einstieg, weil er dachte, es geht sicher noch weiter, der hätte mit Stand Montag, 1.2., 12.30 Uhr, Verlust gemacht. Und es ging weiter abwärts: Am Dienstag schloss die Aktie bei 75,10 Euro, am Mittwoch (3.2.) stieg sie zwar wieder etwas auf 78,42 Euro – das ist aber immer noch weniger als ein Fünftel des Wertes vom 28. Januar.

Leon Plischke verließ die Sekundarschule in Castrop ohne Abschluss. Er machte sich mit einem Klamottenlabel selbstständig und berät andere inzwischen auch bei Finanzgeschäften an der Börse.
Leon Plischke verließ die Sekundarschule in Castrop ohne Abschluss. Er machte sich mit einem Klamottenlabel selbstständig und berät andere inzwischen auch bei Finanzgeschäften an der Börse. © Plischke © Plischke

Das Beispiel zeigt: Man kann auch scheitern. Der Berliner Neobroker „Trade Republic“ verbot seinen Nutzern laut „Süddeutsche Zeitung“ phasenweise den Kauf von Gamestop-Aktien. Das Unternehmen gab an, das zum Schutze der Nutzer zu tun. Börsenexperten sehen eine solche Beeinflussung des freien Handels sehr kritisch. Hintergrund ist, dass der Anbieter unter der Last der vielen gleichzeitigen und verabredeten Nutzer am Donnerstag (28.1.) zusammenbrach.

Plischke ermuntert Bekannte, mitzumischen

Leon Plischke mischt munter weiter mit und ermutigt auch Leute in seinem Umfeld dazu, das zu tun. Experten sehen die Gefahr, dass der Aktienmarkt zu einem Spielcasino verkommen könnte. Dabei entstand er einst, um in der Wirtschaft durch Kapitaleinlagen bei guten Ideen die Expansion und das Wachstum eines Unternehmens zu fördern und Anleger auf mittlere und längere Sicht bei breit gestreutem Aktienbesitz an Wirtschaftswachstum zu beteiligen. Das ist bei Bitcoin und Dogecoin nicht mehr so. Es ist ein Spiel um Geld und Digitalgeld.

Leon Plischke (18) ist das egal. „Ich war früher bei Bitcoin schon dabei. Da haben die Experten auch gewarnt. Der Bitcoin ist auf 30.000 Euro heute, damals war er auf 750 Euro. Ich glaube an das, was ich lese, nicht an das, was andere sagen“, erklärt er. Und teilt munter weiter seine Käufe über WhatsApp: „Meine Geschäftspartner vertrauen mir, die kommen zu mir“, sagt er. „Wenn ich mir sicher bin, dann erklär ich denen, wie das läuft, und dann machen die das. Ich will dafür kein Geld, ich will, dass viele Leute mitmachen, damit der Kurs steigt.“

„Das ist krank“

Er habe schon viele begeistert, da mitzumachen. „Der Kurs wird weiter steigen“, sagt Leon Plischke zum Dogecoin. Der Einstieg sei nicht so schwer. „Man zahlt 2 Prozent Transaktionsgebühren“, sagt er. „Und wenn ich mir die Kohle auszahlen lassen würde, dann ginge das über Skrill. Das dauert da manchmal nur zehn Sekunden. Das ist krank.“

*Anmerkung der Redaktion: Hier ist uns ein Zahlenfehler unterlaufen. In einer vorigen Version schrieben wir, bei einem Invest von 100 Euro kämen 60.000 Euro zustande. Wir meinten aber ein Invest in Höhe von 10.000 Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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