36-Jähriger will aus Hunger zum Dieb geworden sein

Auto aufgebrochen

Gleich zwei Einbrüche sind einem 36-jährigen Castrop-Rauxeler zur Last gelegt worden. Sein Motiv: Hunger. Doch die Probleme des Mannes liegen deutlich tiefer.

Castrop-Rauxel

, 08.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegen Auto-Aufbrüchen musste sich ein Mann vor dem Amtsgericht verantworten.

Wegen Auto-Aufbrüchen musste sich ein Mann vor dem Amtsgericht verantworten. © picture alliance / Heiko Wolfrau

Der 36-Jährige gesteht es sich selbst ein: Er ist das schwarze Schaf der großen Familie. Sieben Kinder hatten die inzwischen verstorbenen Eltern. Die Familie hält zusammen, nur wenn der Angeklagte „Mist baute“, ging sie schon mal auf Distanz zu ihm. Weil ihre Hilfe nicht fruchtete. Dabei ist der große Bruder das absolute Idol, hat einen guten Job und Familie.

Der Angeklagte hat dagegen „nix gelernt“, wie er nun angab. Lebt von Hartz IV und von der Großzügigkeit der Familie. „Ich hatte die falschen Freunde, bin vor 20 Jahren auch angefangen zu kiffen“, erklärt er seine Situation. Zum Haschisch kam später Speed. Drogen, die er auch aus Langeweile konsumierte, weil der Alltag sonst nichts zu bieten hatte.

„Ich schäme mich“

Jetzt stand er vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel. Er sollte im März 2019 aus einem verschlossenen Pkw eine Geldbörse mit 150 Euro, diverse Bankkarten sowie eine sogenannte Bomberjacke gestohlen haben. Außerdem wurde ihm ein Einbruch in einen Keller an der Ickerner Straße knapp ein Jahr zuvor zur Last gelegt. Dort wurden ein Fahrrad, ein Laptop und diverse Werkzeuge entwendet. Auf rund 1000 Euro hatte der Bestohlene den Wert dieser Dinge geschätzt.

„Trifft zu“, sagte der 36-Jährige. „Ich schäme mich sehr dafür, Herr Richter.“ Auf die Frage nach dem Warum die schlichte Antwort: „Ich hatte Hunger.“ Und Gelegenheit macht Diebe. Als er in dem am Straßenrand geparkten Auto die Geldbörse sah, griff er nach einem Stück Baumstamm, schlug die Scheibe an der Beifahrerseite ein und langte zu. „Aber die Angaben stimmen nicht“, sagte der Angeklagte. Die Geldbörse habe nur 10 Euro enthalten, eine Jacke habe er auch nicht mitgenommen.

Auch der Kellereinbruch soll nicht sonderlich „ergiebig“ gewesen sein. Ein gemeinsam ausgeübter Diebstahl, begangen mit einem Bekannten, von dem er nur den Vornamen kannte. Ein paar Sachen im Wert von vielleicht 150 Euro, dazu ein Pokemon-Album habe er mitgenommen, den großen Rest der Kollege, der alles mit seinem Pkw abtransportierte.

Ins Gefängnis muss der Mann nicht

Vorstrafen hat der Angeklagte nicht. „Sie haben es doch bis jetzt geschafft, straffrei zu sein“, so der Richter, und traf den wunden Punkt. „Ich will ja auch die ganze Scheiße beenden“, kam es von der Anklagebank. Ängstlich und aufgeregt. „Keine Angst, sie müssen nicht ins Gefängnis“, beruhigte der Vorsitzende.

Worte, die Vertrauen schufen. Und so könnte das Urteil – eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten – ein guter Weg sein, dem Leben eine andere Richtung zu geben.

„Ich stelle Ihnen eine Bewährungshelferin zur Seite“, erklärte der Richter. „Nehmen Sie einen Drogenentzug in Angriff. Das wird nicht leicht, aber es lohnt sich.“

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