Alles voller Gänsekot: Anwohnern am Gondelteich reicht‘s mit den Tieren

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Der Stadtgarten von Castrop ist ein Idyll. Aber es gibt Tiere, die die Anwohner ärgern. Ein mistiges Problem, das nun politisch wird. Die vermeintlich einfachste Lösung hat aber kaum Freunde.

von Nora Varga

Castrop

, 15.06.2020, 10:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner am Stadtgarten haben genug: Von Jahr zu Jahr werden es mehr, und die Situation droht zu eskalieren. Sie dringen in Gärten ein, verschmutzen die Wege, fressen ganze Blumenbeete ab und machen mitten in der Nacht einen Heidenlärm.

Was klingt wie aus einem schlechten Krimi ist für die Anwohner des Stadtgartens Realität. Die Täter sind keinen gewieften Kriminelle, sondern Kanadagänse.

Mit zwei Anwohnern stehen wir an einem Freitagnachmittag am Gondelteich. Es stimmt: Wo man auch hinschaut, alles ist voll mit Gänsen. Sie grasen auf der Wiese, dackeln im Familienverbund über die Wege und schwimmen auf die Insel in der Mitte des Teiches.

Die Gänse machen es sich in den Gärten und Vorgärten bequem.

Die Gänse machen es sich in den Gärten und Vorgärten bequem. © Julia H.

„Es sind einfach zu viele geworden“, erklärt Anwohnerin Julia H., „und es werden von Jahr zu Jahr mehr.“ Sie und ihre Nachbarn berichten von den tierischen Taten der Gänse, die in Gärten eindringen und Blumen abfressen, bis tief in die Nacht laut schnattern und vor allem, und das ist das größte Problem: die überall ihr Geschäft machen.

Bewohner erzählen, dass sie im Sommer nicht einmal die 5 Meter von der Terrasse zum Pool gehen könnten. Denn der ganze Garten ist voller Gänsekot. Um sich zu schützen, bauen die Leute in der Nachbarschaft Zäune und Barrikaden. Doch die Gänse kommen zurück.

Mit diesen Gattern und Zäunen versuchen sich die Anwohner am Stadtgarten vor den gefiederten Eindringlingen zu schützen.

Mit diesen Gattern und Zäunen versuchen sich die Anwohner am Stadtgarten vor den gefiederten Eindringlingen zu schützen. © Nora Varga

Der gesamte Park ist voll mit den Exkrementen der Gänse. Auf der Wiese zu sitzen oder dort zu spielen, ist angesichts der Tretminen nicht möglich. Der Kot der Gänse kann außerdem Salmonellen und so genannte koliforme Bakterien übertragen. Er ist deswegen ein echtes Problem.

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Einige Menschen haben den ernst der Lage nicht begriffen und füttern die Tiere sogar noch mit Brot, das nicht für Gänse geeignet ist und wovor gewarnt wird. Das lockt die Tiere noch mehr an. Selbst einen Ausflug in die Altstadt haben die frechen Vögel schon in Großgruppen unternommen.

Auf unserem Spaziergang durch den Park finden wir überall Gänsekot. Die Bewohner beklagen sich, dass es an besonders schlimmen Tagen zu einem Hindernislauf wird, die Schule, das Auto oder den eigenen Gartenstuhl zu erreichen.

Auf unserem Spaziergang durch den Park finden wir überall Gänsekot. Die Bewohner beklagen sich, dass es an besonders schlimmen Tagen zu einem Hindernislauf wird, die Schule, das Auto oder den eigenen Gartenstuhl zu erreichen. © Nora Varga

Die Gänse haben keine natürlichen Fressfeinde hier. Sie vermehren sich rasch, wenn sie ungestört sind.

Das Problem ist nicht neu und auch andere Städte haben mit den eingewanderten Gänsen zu kämpfen. Mancherorts werden die echten Eier in den Gelegen mit Gipseiern getauscht. Zum Teil werden Höckerschwäne angesiedelt, die ihr Revier gegen die Gänse verteidigen.

Gipseier und Höckerschwäne könnten die Lösung sein

So eine Lösung sieht auch ein Antrag der CDU in Castrop-Rauxel vor. Denn nun wird das Thema politisch: Fraktionschef Michael Breilmann will einen „interfraktionellen Arbeitskreis zusammen mit Stadtgrün-Chef Klaus Breuer nach dem Vorbild in der Landeshauptstadt Düsseldorf“, um einen „effektiven Maßnahmenkatalog zur Reduzierung der Kanada- und Nilgansbestände rund um den Gondelteich vorlegen“, heißt es in einem Papier der CDU im Vorgriff der Ratssitzung kommende Woche (Do, 25.6., 17 Uhr, Stadthalle).

Die Gänse haben sich prächtig vermehrt in den letzten Jahren. Sie ziehen oft in großen Gruppen und Verbänden durch den Park.

Die Gänse haben sich prächtig vermehrt in den letzten Jahren. Sie ziehen oft in großen Gruppen und Verbänden durch den Park. © Nora Varga

Anwohner am Stadtgarten wollen die Tiere „auf keinen Fall“ jagen lassen, sagt Julia H. beim Ortstermin. Sie wird in einigen anderen Städten gehandhabt. Gegen Tiere generell habe man nichts einzuwenden und wer am Stadtgarten wohnt, wisse um Gänse und Enten. Nur die schiere Anzahl der Tiere ist das Problem. Julia H. fürchtet, dass die Tiere durch einen neuerlichen trockenen Sommer auf der Suche nach Nahrung wieder in die Gärten gehen. Und das macht Mist und Ärger.

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