Alles andere als öko: BUND schimpft über Emscherland-Pläne und IGA 2027

dzEmscher erleben

Der Naturschutzbund BUND hat das gesamte Projekt Emscherland 2020 in Bausch und Bogen verurteilt. Die Emscher erlebbar zu machen sei anti-ökologisch.

Castrop-Rauxel

, 20.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Emscher renaturieren und erlebbar machen: Das steht eigentlich im Fokus des Programms Emscherland 2020. Und das wiederum soll elementarer Bestandteil der Internationalen Gartenausstellung IGA 2027 Metropole Ruhr werden. Dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschlands (BUND) ist all das ein Dorn im Auge. Thomas Krämerkämper hat in der aktuellen Sitzung des Castrop-Rauxeler Umweltausschusses das Programm und die Maßnahmen in Bausch und Bogen verurteilt.

„Das ist ein gewaltiger Griff in einen Außenbereich“, sagte Krämerkämper, der dem Landesvorstand angehört. „Auf den Dutzenden Hektar vor allem agrarlich genutzten Bereiches werden 90 Prozent künstlich überplant. Wir zerstören hier Land, da wird gebuddelt und gegraben, da entstehen Hügelchen auf historischem Flachland, weil ein Landschaftsarchitekt lieber Hügelchen haben will mit künstlichem Bodenaufhub.“ Damit werde Land zerstört.

Die Emscher und der Suderwicher Bach würden für Millionen Euro verändert. „Dabei sind das wichtige Wandertrassen. Das macht mich sprachlos“, sagt Krämerkämper. Er lehne es ab, das Gelände nun einzuzäunen, um Rehe draußen zu halten und Wildverbiss zu vermeiden.

„Das kann nicht der Sinn sein“

Krämerkämper weiter: „Es gibt immer wieder das Argument: Wir haben so viel Geld ausgegeben für die Renaturierung der Emscher, jetzt müssen wir sie auch begehbar machen. Aber wir schaffen so viele neue Wege und damit versiegelte Fläche, die wir anderswo renaturiert haben – auch mit Steuermitteln. Das kann doch nicht der strategische Sinn sein!“

„Wir sollten nicht bloß, weil Fördermittel winken, draufspringen. Das wird uns viel kosten!“ Auch Spätfolgen müsse man bedenken: „Wir schaffen einen Stadtpark. Muss dann in der Folge auch Wegebeleuchtung her? Dabei ist künstliche Beleuchtung im Außenbereich ein großer Faktor beim Insektensterben.“

Man müsse nicht alles begehbar machen, nicht einen Hektar Parkplatz schaffen. „Im Plan steht der Wunsch nach ortsteilnaher Naherholungsfläche für Henrichenburg und Habinghorst. Wenn man das gewollt hätte und sich an die Leitplanken halten würde, könnte man etwas ganz anderes machen, das die ökologischen Gesichtspunkte berücksichtigt.“

„Schlimmste Eingriffe verhindern“

Sein Fazit: „Für mich sind die ökologischen Ziele hier nicht erkennbar. Ich wünsche mir, dass hier noch ins Rad gegriffen und die schlimmsten Eingriffe verhindert werden“, so Krämerkämper.

Der Umweltausschuss nahm das zur Kenntnis und beschloss, den Plan voranzutreiben: Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung der Grünen erntete der Vorschlag der Verwaltung ansonsten nur Zustimmung. Krämerkämper kämpfte weitgehend allein.

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