Aldi hat Interesse an einem neuen Standort auf Schwerin

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Ein Aldi auf Schwerin? In der Nachbarschaft von Edeka? Das könnte den Weg den Berg hoch verkürzen, sagen manche hinter vorgehaltener Hand. Aldi hat Interesse. Die Stadt hat sich geäußert.

Schwerin

, 15.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch ist über den Moschee-Neubau und das Minarett auf Schwerin nicht entschieden, da gibt es schon ein weiteres Thema, das Potenzial zum Polarisieren besitzt. Stimmen die seit Wochen wabernden Gerüchte, dass sich ein großer Lebensmitteldiscounter am sogenannten Nahversorgungsstandort an der Dortmunder Straße unweit vom Neuroder Platz ansiedeln will?

Als vor zehn Jahren der Umzug von Edeka Richter feststand und auch, dass ein Discounter dazu kommen soll, war zunächst die Rede von Aldi – dann wurde es bekanntlich ein Lidl. Jetzt pfeifen es auf Schwerin die Spatzen von den Dächern, dass Aldi gerne großflächig in der direkten Nachbarschaft bauen würde. Womöglich mit einer Erschließung ziemlich neben dem Mevlana-Gemeindezentrum. Und angeblich 1,5 Millionen Euro offeriert habe. Passt das alles zusammen?

Bebauungsplan soll den Plänen Riegel vorschieben

Geht es nach der Stadtverwaltung, kommt hier ein klares Nein. Den Riegel für solcherart Ansiedlungspläne, zu denen übrigens auch ein Rossmann gehören soll, soll der Bebauungsplan Nummer 260 liefern. Den will die Stadt jetzt zum Planbereich „Südliche Frohlinder Straße“ aufstellen.

Aldi hat Interesse an einem neuen Standort auf Schwerin

Das Wäldchen auf Schwerin ist nicht öffentlich von der Bodelschwingher Straße zu erreichen. Ganz früher galt hier wegen des Bergbaues auch der Begriff „Die verbotene Stadt“ für Graf Schwerin. © Schlehenkamp

In der nächsten Sitzungsfolge der politischen Gremien, die am Dienstag, 18. Februar, beginnt, ist dieser Bebauungsplan Thema in den Sitzungen dreier Fachaussschüsse. Am Dienstag im Umweltausschuss und im Ausschuss für Wirtschaftsentwicklung; am Donnerstag, 20. Februar, im B3, zuständig für Bauen, Verkehr und Sport. Alle Sitzungen sind öffentlich.

Stadt will einen neuen Bebauungsplan aufstellen

In der Verwaltungsvorlage heißt es wörtlich: „Einen aktuellen Planungsanlass bietet eine Bauvoranfrage für einen großen Lebensmitteldiscounter.“ Es geht hier um den Bereich zwischen Bodelschwingher, Overbergstraße, Frohlinder- und Dortmunder Straße.

Das Plangebiet ist laut Verwaltungsvorlage geprägt durch ein Gewerbe im Innern (Bauunternehmen), eine dichte straßenseitige Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern entlang der Frohlinder Straße, Overbergstraße und Teilen der Bodelschwingher Straße. Große Teile des Plangebietes bestünden außerdem aus Gartenland. Und im Süden gebe es eine bewaldete Fläche von rund 1,2 Hektar.

Aldi hat Interesse an einem neuen Standort auf Schwerin

In dem neuen Plangebiet gibt es mehrere stattliche alte Platanen und jede Menge Birken. Hier geht die Zuwegung zu Edeka und Lidl hoch. © Volker Engel

Und weiter wörtlich: „Aufgrund seiner geringen Entfernung zu einem Nahversorgungszentrum, aber auch zum Hauptverkehrszentrum ist in diesem Bereich eine vorbeugende Planung geboten, um die bestehende Nahversorgungszentrenstruktur zu erhalten, zu sichern und Entwicklungsoptionen offen zu halten. Der Bebauungsplan soll damit der konsequenten Umsetzung des Zentren- und Einzelhandelskonzeptes 2016 dienen.“

Aldi hat Interesse an einem neuen Standort auf Schwerin

Auf dem ehemaligen Balo- und RAG MI-Gelände stehen noch mehrere Hallen und andere Gebäude. © Schlehenkamp

Genau eben jenem vor zehn Jahren entwickelten und fortgeschriebenen Konzept, das Wildwuchs bei ansiedlungswilligen Läden verhindern soll und klare Strukturen zur Versorgung der Bevölkerung vorgibt.

RAG MI hat das alte Balo-Grundstück an eine Bauunternehmung verkauft

Und wieso ist in dem Plangebiet überhaupt so viel Platz? Hier geht es immerhin um eine Fläche von rund 5,8 Hektar. Und es handelt sich immer noch zumindest um Teile des alten Balo-Grundstücks, mitsamt der Hallen und anderer Gebäude, die den Besitzer gewechselt haben. Lange Jahre war die Ruhrkohle-Montan Immobilien (RAG MI) der Eigentümer, dann erfolgte vor gut einem Jahr der Verkauf an eine ortsansässige Bauunternehmung. Die macht sich nach Informationen unserer Redaktion Gedanken über die Entwicklung des Areals.

Aldi hat Interesse an einem neuen Standort auf Schwerin

An der Bodelschwingher Straße auf Schwerin geht es gegenüber von der Funkestraße direkt auf das ehemalige Balo- und RAG-MI-Grundstück, das den Besitzer gewechselt hat. © Schlehenkamp

Das Hauptversorgungszentrum Altstadt liegt 1,5 Kilometer entfernt vom Plangebiet, der Standort Westring rund 2,5 Kilometer. Einen Aldi gibt es zum Beispiel in knappen Kilometern Entfernung in Dortmund-Bodelschwingh, in Dortmund-Kirchlinde und in Bövinghausen – und natürlich den großen Aldi-Neubau am Westring.

Ein Aldi-Sprecher hat auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt, dass man vitales Interesse am Standort auf Schwerin habe.

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