Aktivist kritisiert USA und BRD - Nun fühlt er sich vom EUV der Fußgängerzone verwiesen

dzWochenmarkt

Siggi Hellig, bekannter Friedensaktivist aus Ickern, hatte kürzlich Stress mit der Marktmeisterei am Castroper Altstadt-Markt. Es geht um Kritik an den USA und der Bundesrepublik.

Castrop-Rauxel

, 04.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 20 Jahre stand der Friedenskreis mit einem lnfostand auf dem Lambertusplatz, im Zentrum der Fußgängerzone. Immer mal wieder. Durch die Verlegung des Marktes in die Fußgängerzone wurde er „an den Rand des Treibens gedrängt“, heißt es nun von Seiten des Friedenskreises. Am 13. Juli kam es dort zu einem einzigartigen Vorgang.

So geht die Geschichte von Friedensaktivist Siegfried Hellig: „So standen wir auch am 13. Juli am Reiterbrunnen, abseits der vielen Menschen, die wir eigentlich erreichen wollten“, berichtet der Ickerner.

„Das Anliegen des Friedenskreises, über die drohende Kriegsgefahr in der Nahostregion aufzuklären, erreichte nicht die vielen Menschen in der Fußgängerzone. Doch angesichts der bedrohlichen Weltlage - auch Deutschland wäre im Ernstfall betroffen - schien es mir überaus wichtig, die Menschen im Fußgängerbereich wenigstens mit einem Plakat zu erreichen, das ich in der Fußgängerzone tragen wollte. Kaum hatte ich jedoch die Fußgängerzone im Marktbereich betreten, verbot mir die Marktmeisterin das Weitergehen.“

„Da lief sie an mir vorbei‚ um mich zu fotografieren“

Hellig ließ sich davon offenbar nicht beirren: „Ich ging trotzdem weiter. Da lief sie an mir vorbei‚ um mich zu fotografieren. Ich wies sie darauf hin, dass sie mich ungefragt fotografiert hatte, und wollte ihr noch meinen Namen sagen. Den hatte sie schon von meinem Schild abgelesen.“

Aktivist kritisiert USA und BRD - Nun fühlt er sich vom EUV der Fußgängerzone verwiesen

Siggi Hellig war Lehrer, protestiert seit 20 Jahren gegen den Krieg und ist jetzt in der Innenstadt mit einer Marktmeisterin aneinander geraten. © Friedenskreis

„Hiermit protestiere ich entschieden gegen diese kleinliche, undemokatische Auslegung der Marktordnung. Schließlich hat sich niemand von den Marktbesuchern geäußert, sich durch mich gestört zu fühlen. Ganz im Gegenteil bekam ich von manchen Passanten zustimmendes Kopfnicken und auch Zurufe.“

Es könne und dürfe doch nicht sein, findet Siggi Hellig, dass ein Begehen der Fußgängerzone mit einem die Allgemeinheit betreffenden Plakat mit einem Verbot belegt werde. „Die Fußgängerzone sollte doch offen für alle Menschen sein. Schließlich habe ich keine Werbung für eine bestimmte Partei betrieben.“

Hellig stellt eine Frage an den Bürgermeister

Siggi Hellig fragt sich und auch den Bürgermeister: „Sollte eine politische Mitbeteiligung der Bürger durch den Ausschluss aus dem Fußgängerbereich behindert werden?“

Margita Gudjons von der Linkspartei tritt ihm nun zur Seite: „Ich kann nur meine Bewunderung für diesen unermüdlichen, selbstlosen Einsatz aussprechen“, schreibt sie in einer Stellungnahme. Die Informationen der Flugblätter des Friedenskreises seien „absolut seriös recherchiert und sehr informativ. Eine Bereicherung für die Bürger der Stadt.“

Gudjons sei am 13. Juli selbst vor Ort gewesen. „Der Stand war wie zu sehen, menschenleer und vom Geschehen abgedrängt. Wollen wir Bürgerengagement so missachten?“, fragt sie. Und: „Ist Siggi Hellig eine Störung der Sicherheit und Ordnung?“ Das meint sie in Bezug auf die Marktordnung, die besagt: „Der Veranstalter kann in begründeten Einzelfällen eine von den Vorschriften dieser Satzung abweichende Regelung zulassen, wenn hierdurch die Sicherheit und Ordnung des Marktes nicht beeinträchtigt wird.“

Das sagt der zuständige EUV dazu

Was sagt die Stadt bzw. der zuständige EUV-Stadtbetrieb dazu? „Den konkreten Fall werden wir nicht öffentlich kommentieren“, schreibt EUV-Sprecherin Sabine Latterner auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir haben den direkten Kontakt zum Friedenskreis gesucht und ein klärendes und konstruktives Gespräch geführt.“

Verweise seien bisher nicht ausgesprochen worden, so Latterner weiter. Es sei lediglich darauf hingewiesen worden, dass das Wochenmarktgeschehen nicht gestört werden dürfe. „Darauf achtet die Marktaufsicht und leistet hier gute und zuverlässige Arbeit.“

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