Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit an der Widumer Straße, zieht im Interview Bilanz des Corona-Arbeitsmarkt-Jahres. Er sagt: „Das ist auch ein Erfolg der Unterstützungsmaßnahmen der Politik und der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie der Kurzarbeit.“ © Agentur für Arbeit
Arbeitsmarkt

Agentur-Chef Bunse zieht Bilanz: Kurzarbeit hat die Corona-Krise gerettet

Im Dezember ist die Arbeitslosigkeit in Castrop-Rauxel um 0,1 Prozentpunkte zurückgegangen. Wie passt das in den Kontext des Corona-Lockdowns? Wie fällt die Bilanz für 2020 aus? Wie wird‘s 2021?

Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel, nimmt im Interview Stellung zur Entwicklung der Zahl der Arbeitslosen im Jahr 2020 und wagt eine Prognose: Was ist für das neue Jahr am Arbeitsmarkt zu erwarten?

Herr Bunse, in Castrop-Rauxel waren laut Statistik der Agentur für Arbeit im Dezember mit 3146 Personen 24 Menschen weniger arbeitslos als im November. Wie passt das mit Geschäftsschließungen und abgesagten Veranstaltungen durch den erneuten Corona-Lockdown zusammen?

Mögliche Auswirkungen des harten Lockdowns geben die Zahlen noch nicht wieder, da der Beginn am 16. Dezember erst nach dem statistischen Jahresende der Arbeitslosenstatistik am 10. Dezember lag. Insofern ist das Bild etwas schräg. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass die Arbeitslosigkeit im Dezember sinkt, das kam landesweit in NRW seit 1980, also in 40 Jahren, erst fünfmal vor.

Was bedeutet das?

Das zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt trotz des leichten Lockdowns, den wir zuvor hatten, grundsätzlich im Dezember weiter stabil entwickelt hat. Das ist auch ein Erfolg der Unterstützungsmaßnahmen der Politik und der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie der Kurzarbeit. Unser Dank, dass das trotz der Größe der Aufgabe so gut funktioniert hat, geht da auch an unsere Netzwerkpartner. Hinzu kommt, dass die Unternehmen gelernt haben, mit einem Lockdown umzugehen und – wo möglich – so gut es geht zu wirtschaften.

Wie fällt Ihre Jahresbilanz für Castrop-Rauxel aus?

Das muss man heterogen betrachten. Bis Anfang März stand in vielen Branchen der Ausgleich der hohen Fachkräftenachfrage im Vordergrund. Beispielhaft dafür steht das erste „Feierabendgespräch Handwerk“, bei dem wir zusammen mit der Wirtschaftsförderung und Handwerksbetrieben Lösungen gesucht haben. Es ist wichtig, dass wir da weiter im Gespräch bleiben. Denn es wird eine Zeit nach Corona geben. Wie sich der Arbeitsmarkt kurzfristig ohne Corona weiterentwickelt hätte, war dann allerdings Mitte März bereits Makulatur.

Und dann?

Kurzarbeit hat allein im April bundesweit bis zu 1,2 Millionen Arbeitsplätze gesichert und Arbeitslosigkeit in derselben Größenordnung verhindert, auch in Castrop-Rauxel. Die dann einsetzende kräftige Herbstbelebung mit einer erheblichen Nachfrage nach Arbeitskräften und Aufbau von Beschäftigung wäre sonst nicht denkbar gewesen.

Was befürchten Sie für den aktuellen zweiten harten Lockdown?

Da der Lockdown diesmal nicht in eine Phase der Belebung am Arbeitsmarkt fällt, dürfte der Effekt nicht so stark ausfallen, wie im Frühjahr. Aber klar müssen wir abwarten, wie lange die gesamtgesellschaftlichen Einschränkungen andauern. Je länger das der Fall ist, desto vorsichtiger agieren Firmen perspektivisch bei Einstellungen.

Was sieht Ihr Ausblick für 2021 aus?

Wenn man einen Strich unter 2020 zieht, lag die Arbeitslosigkeit in Castrop-Rauxel am Ende des Jahres mit 8,1 Prozent um 1,2 Prozentpunkte über der des Vorjahres. Der „Corona-Effekt“ bleibt also nach wie vor deutlich sichtbar und der Arbeitsmarkt weiter unter Druck. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Pandemie bis zur Frühjahrsbelebung soweit beherrschbar ist, dass dann nicht weitere Eindämmungsmaßnahmen dazu führen, dass die zum zweiten Mal nach 2020 erneut ausbleibt. Das wäre für den Arbeitsmarkt schwierig. Mittelfristige Aussagen zu treffen, ist derzeit aber kaum möglich, so lange nicht absehbar ist, wann die volle wirtschaftliche Tätigkeit wiederaufgenommen werden kann.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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