„Frau Merkel, wir wollen nicht wie Sie in Ihrer Jugend leben“: „Querdenker“ sind mit solchen Transparenten auf Demonstrationen unterwegs. Dr. Walter Weber trat wiederholt als Redner solcher Demos auf. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Ärzte für Aufklärung offline: Macher spricht von Missverständnis

Das Netzwerk „Ärzte für Aufklärung“ hat nach einem Bericht unserer Redaktion reagiert: Eine Liste mit 2000 Unterstützern der Initiative, auf der auch zwei Castrop-Rauxeler standen, ist offline.

Die Antwort fällt kurz aus, sie erreicht unsere Redaktion per E-Mail am Sonntagabend um 22.50 Uhr, doch sie ist klar: Der Castrop-Rauxeler Joachim Kantus hat wirklich vollkommen zu unrecht online auf einer Liste von rund 2000 Unterstützern des Netzwerks „Ärzte für Aufklärung“ gestanden.

Dieses Netzwerk, das sich im Zuge der Corona-Pandemie bildete, wird angeführt von Köpfen, die an der Dramatik der Situation zweifeln, die Sars-CoV-2 herbeigeführt hat. Dr. Walter Weber aus Hamburg zum Beispiel, der im Impressum der Website genannt war, trat als Redner auf Querdenker-Demonstrationen auf. Dort war er Teil einer Gruppe von Corona-Leugnern, Impfgegnern, harten Lockdown-Kritikern und Masken-Verweigerern. Auch Rechtsextreme mischten sich unter Demonstranten.

So sprach Walter Weber auf Corona-Demos

Weber bezeichnete Corona als „inszenierte Pandemie“, die Maskenpflicht als „ein Verbrechen“. Medizinisch sei sie widersinnig, weil ein Mensch sein Immunsystem zerstöre, der vier Wochen eine Maske trägt. Der Impfstoff-Einsatz zeige einen „totalitären Charakter der Merkel-Regierung“, so Weber. Die „gesamte Bevölkerung einer Impfung durch gentechnische Manipulation auszusetzen, sei „ein Verbrechen“.

mRNA kann die körpereigene DNA nicht manipulieren. Gute Masken schützen den Menschen vor Partikeln der Atemluft und können so ein Übertragungsrisiko von Viren senken. Das Immunsystem beeinträchtigen sie nicht.

Nun war unserer Redaktion bei einer Websuche aufgefallen, dass zwei Castrop-Rauxeler als Unterstützer auf einer Liste standen: Heilpraktikerin Rosalie Surmann aus Ickern und Joachim Kantus, Leiter der Sozialdienste der Vestischen Kinderklinik Datteln. Surmann erklärte das damit, dass sie es als ihre Pflicht ansehe, sich vielseitig zu informieren, und darum zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie Teil wurde, als vieles, was wir heute wissen, noch unklar war.

Kantus stand vollkommen zu Unrecht auf der Liste

Kantus bestritt, dass er überhaupt als Unterstützer angetreten sei. Er habe im Sommer 2020 eine E-Mail an die Macher geschickt mit der Bitte um Infos und Quellenangaben. Daraufhin landete er auf der Liste, obwohl er am 4. Juni in einer Mail darauf hingewiesen habe, dass er als Unterstützer nicht zur Verfügung steht. Erst von unserer Redaktion habe er Ende Januar erfahren, dass er auf der Liste steht.

Weil Kantus seinen Aussagen gegenüber unserer Redaktion aber nicht belegte, fragten wir telefonisch und per Mail bei Dr. Walter Weber an. Die Antwort kam Sonntagabend: „Die Aussage von Herrn Kantus ist korrekt. Es hat ein Missverständnis gegeben, das wir inzwischen geklärt haben“, so Weber. „Wir haben unsere Webseite umgestaltet und dabei besagte Liste vorläufig runtergenommen.“

Die Website war am Montag (1.2.) um 6 Uhr unter der alten Adresse offline. Die Liste der Unterstützer war nicht zu finden.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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