So kann es kommen: Wenn Autos zu eng stehen, kann das Räumfahrzeug gar nicht erst in die Straße hinein fahren. © Matthias Langrock
Schnee-Chaos

Ärger um Müllentsorgung: Warum kommt der EUV nicht gegen das Chaos an?

Wieso fährt der EUV so lange keinen Müll ab? Warum fährt der Winterdienst seit Tagen durch die Stadt, und es liegt immer noch Schnee auf den Straßen? Beschwerden und Erklärungen.

Leser Jörg Hennig aus Rauxel ist sauer. Seine Tonnen werden wie die der anderen Castrop-Rauxeler nicht geleert. Erst hieß es, dass am Montag keine Müllabfuhr fahren könne aufgrund des Schnee-Chaos in der ganzen Stadt. Dann hieß es, dass am Dienstag auch nichts geht. Und Dienstagnachmittag vermeldete der EUV Stadtbetrieb: Die ganze Woche wird kein Müll abgefahren, alle verfügbaren Kräfte werden im Winterdienst eingesetzt.

Die ganze Woche leert der EUV die Mülltonnen in Castrop-Rauxel nicht.
Die ganze Woche werden die Tonnen in Castrop-Rauxel nicht geleert. Doch im ganzen Stadtgebiet stehen sie seit Tagen an Straßenrändern. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Die ganze Woche, das sei nachvollziehbar bei den momentanen Straßenverhältnissen, findet Hennig. Aber dass in der kommenden Woche auch die regulären Leerungstermine für die blauen und braunen Behälter ausfallen müssen, das bringt ihn auf die Palme.

„Die Abfuhr der blauen und der braunen Tonne erfolgt für Bürger, bei denen der Leerungstermin nun in dieser oder der nächsten Woche ausfällt, dann erst wieder im regulären Rhythmus von zwei Wochen (Biotonne) und von vier Wochen (Altpapierbehälter)! Das kann und darf doch nicht wahr sein! Ist das das Know-how und die unternehmerische Flexibilität, von dem der EUV auf seiner Homepage schreibt?“

Warum geht das an Feiertagen?

In Wochen, in denen es mehrere Feiertage gebe wie Weihnachten oder Ostern, würden die Leerungstermine auch nicht abgesagt, argumentiert Hennig. „Der Bürger, der das ganze ja finanziert, bleibt im wahrsten Sinne des Wortes auf seinem Müll sitzen! Wie nennt man sowas? Unterirdisches Krisenmanagement eines Monopolisten!“

Aber woran liegt das nun? Wie erklärt es die EUV-Spitze und der Bürgermeister, der als Chef der Stadtverwaltung auch der Chef des EUV-Verwaltungsrats ist?

Die Entscheidung sei am Dienstag in Anbetracht der vorhergesagten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt gefallen. „Es ist somit davon auszugehen, dass sich die Straßenverhältnisse nicht verändern und ein gefahrloser Ablauf der Müllabfuhr nicht gewährleistet werden kann“, erklärte EUV-Vorstand Michael Werner am Dienstagnachmittag. Erst am Sonntag soll der Dauerfrost enden, dann werden tagsüber eventuell +1 Grad erreicht.

Warum werden einige Tonnen nachgeleert, aber nicht alle?

Ab dem 15. Februar würden dann die Restmüllbehälter sowie die gelben Wertstofftonnen nachgeleert. Die liegen in der internen Priorisierung der Müllabfuhr für Sondersituationen vor Papier und besonders im Winter auch vor Bio. Grund: Papier kann man auch an den 13 Containerstandorten im Stadtgebiet selbst entsorgen. Biotonnen sind im Winter nicht so voll, da Gartenabfälle dann meist nicht anfallen. Zudem ist hier die Schimmelbildungsgefahr und damit auch die Ratten-Problematik geringer, gerade, wenn die Abfälle tiefgefroren sind.

Aber warum fallen die Leerungen ersatzlos aus? Wenn die Müllabfuhr die normalen Leerungen laut Abfuhrkalender kommende Woche vornimmt und zusätzlich Restmüll und Wertstoffe dort nachleert, wo die Leerung diese Woche ausgefallen ist, ist der Abfalldienst mehr als ausgelastet. Die kompletten Fahrten sind erst im vergangenen Jahr neu strukturiert worden. Dabei ging es insgesamt schon um eine engere Taktung. Der EUV argumentiert: Alle Kräfte der Müllabfuhr werden für die Nachleerung sowie für die reguläre Abfuhr der Restmüllbehälter und der gelben Wertstofftonnen gebraucht.

Zu berücksichtigen sein wird auch, dass noch immer Schneemassen in engen Anwohnerstraßen die freie Fahrt für große Fahrzeuge einschränken. So ist davon auszugehen, dass die Leerung länger dauert als an Tagen, an denen alle Straßen frei sind.

Wie gut das klappt, testete der EUV am Dienstagmorgen. Die benachbarte EDG in Dortmund, wo die Müllabfuhr bis Mittwoch einschließlich ausfiel, hat am Donnerstag (11.2.) wieder begonnen, Tonnen zu leeren.

Warum sind immer noch viele Straßen weiß?

Auch das Thema Winterdienst wird heiß diskutiert: Warum sind auch drei Tage nach dem Ende der starken Schneefälle immer noch viele Straßen vereist oder verschneit? Der EUV begann am Dienstag damit, auch Nebenstraßen zu räumen. Aber das Räumen dauert.

Ein Schneeschieber des EUV hat ein Schild mit Gummilippen, um bei normaler Schnee-Lage den Asphalt nicht zu beschädigen. Der kann die Eisschicht nicht brechen. Das Streusalz das er nach hinten auswirft, kann die Eisschicht aufweichen, aber sie friert aufgrund der niedrigen Temperaturen und nachfolgender Autos schnell wieder ein. So muss ein Räumfahrzeug bis zu 15 Mal durch eine Straße fahren, bis sie frei ist.

Bürgermeister Rajko Kravanja fuhr am Mittwoch auf einem Räumfahrzeug mit. Er zählte danach auch zu eng parkende Fahrzeuge (Parkstreifen sind oft zugeschneit) und von Anwohnern durch eigene Räumungsarbeit aufgetürmte Schneehügel auf Straßen oder an deren Rändern als Begründungen auf, warum es so schwer ist.

Warum können Winterregionen das so viel besser?

Vergleich zu Winterregionen hinken: Während man in Castrop-Rauxel Schnee-Ereignisse wie dieses vielleicht einmal in 20 Jahren erlebt, ist das im Sauerland oder gar in Hochgebirgslagen Standard. Dort sind Schneeraupen, härtere Schilde, Schneeketten und mehr Personal im Winterdienst selbstverständlich. In Castrop-Rauxel wären sie zuletzt wohl im Winter 2010/11 gebraucht worden, also vor zehn Jahren. So ist das Thema auch eine Frage von Kosten-Kalkulationen.

Das Schneetreiben am Montag, 8. Februar, in Castrop-Rauxel: Wie soll man da auf den Parkstreifen kommen? Ein Problem für viele Anwohner, hier auf der Dortmunder Straße auf Schwerin.
Das Schneetreiben am Montag, 8. Februar, in Castrop-Rauxel: Wie soll man da auf den Parkstreifen kommen? Ein Problem für viele Anwohner, hier auf der Dortmunder Straße auf Schwerin. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Am Ende sind das tatsächlich Kosten, die auf den Steuer- und Gebührenzahler, also alle Bürger der Stadt, umgelegt werden. Wie hoch sie ausfallen, ist am Ende eine politische Entscheidung.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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