ADFC-Leitlinien und wo Castrop-Rauxels Chancen liegen, sie umzusetzen

dzRadfahren in Castrop-Rauxel

Radfahren in Castrop-Rauxel: Seit Wochen beschäftigen wir uns mit diesem Thema. Es gibt eine Interessenvertretung für Radler, den ADFC. Was fordert der? Und was meint ein Vertreter vor Ort?

von Dieter Duewel

Castrop-Rauxel

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) hat klare Leitlinien, wie er sich das Radfahren der Zukunft vorstellt. Sie klingen gut, aber sind sie realistisch?

Das sind die Leitlinien:

  • Die gesamte Radverkehrsinfrastruktur soll für alle Alters- und Nutzergruppen sowie Mobilitätszwecke intuitiv nutzbar und attraktiv sein. Diese Infrastruktur soll als durchgängiges Radverkehrsnetz alle wichtigen Quellen und Ziele verbinden sowie einen leichten und flüssigen Radverkehr fördern. Sie muss flächendeckend und in hoher Qualität vorhanden sein.
  • Moderne Radverkehrsführung vermeidet Umwege und schafft direkte Verbindungen.
  • Moderne Radverkehrsinfrastruktur wird nach folgenden Kriterien gestaltet: bei echter Verkehrsberuhigung und gefahrenen Geschwindigkeiten bis 30 km/h wird der Radverkehr im Mischverkehr geführt. An Straßen mit Verkehrsgeschwindigkeiten über 30 km/h und auf Straßen mit Tempo 30 und hohem Kfz-Aufkommen erfolgt die Führung auf Radfahrstreifen. An Straßen mit Geschwindigkeiten über 50 km/h fahren Radfahrer auf baulich getrennten Radverkehrsanlagen.
  • Die Kapazitäten für den Radverkehr müssen zukunftsfähig für die gewünschte Erhöhung des Radverkehrs festgelegt werden. Sie sind bei allen Baumaßnahmen zu berücksichtigen. Die Breitengestaltung von Radverkehrsinfrastruktur muss Möglichkeiten zum Überholen und Nebeneinanderfahren beinhalten.
  • Schutzstreifen auf der Fahrbahn sind nur dann zielführend, wenn sie Flüssigkeit, Sicherheit und Attraktivität für den Radverkehr gewährleisten. Sie sollen nur zum Einsatz kommen, wenn bauliche Radverkehrsanlagen oder Radfahrstreifen nicht umsetzbar sind.
  • Breite Radfahrstreifen sind attraktiv und sicher. Werden solche breiten Radfahrstreifen durch Pollerreihen oder ähnlich wirkende Verkehrseinrichtungen geschützt, vermitteln sie Sicherheit und erhöhen das Sicherheitsempfinden sowie die Attraktivität des Radverkehrs.

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Und was ist das Fazit des ADFC in Castrop-Rauxel?

Wir legten dem Sprecher Martin Kühl-Lukas die Ergebnisse unseres Themenschwerpunktes inklusive der Leserrückmeldungen vor. Er sagt:

„Die Alltagstauglichkeit des Radwegenetzes unserer Stadt kann noch stark verbessert werden, insbesondere die Verknüpfung einzelner, baulich gut umgesetzter Radwegstrecken zu einem zusammenhängenden, sicheren Radewegenetz.“ Auf Landes- und Kreisebene werde zu dem Thema derzeit das regionale Radwegenetz des RVR diskutiert.

Kühl-Lukas gibt zu bedenken, dass es in Castrop-Rauxel Straßen sowohl in kommunaler als auch überörtlicher Trägerschaft gibt: „Nicht immer arbeiten die zuständigen Behörden gemeinsam an einem Konzept bzw. oft beklagt man das fehlende Geld, mit dem Effekt, dass gar nichts passiert.“

Laut ADFC sind jedoch nicht nur die Politik und Verwaltung gefragt, ein geeignetes Radwegenetz zu planen und umzusetzen: „Das Thema Verkehrswende ist leider bei vielen Menschen noch nicht angekommen, die weiterhin auch für kürzeste Strecken das Auto benutzen, zum Beispiel für die zwei Kilometer lange Fahrt zum Bäcker.“

Natürlich bedürfe es auch eines Angebots für Radfahrer, analog dem Angebot für Autofahrer: Je mehr und breitere Straßen gebaut werden, umso höher ist dann auch der Fahrzeugverkehr.

Martin Kühl-Lukas empfindet die Bedingungen für den Radtourimsus in Castrop-Rauxel als erheblich besser: „Als Beispiele sind der Emscherradweg und der Radweg am Rhein-Herne-Kanal genannt, wobei es zum Erreichen dieser Wege innerörtlich an Hinweisen fehlt, ebenso wie an einer Vermarktung markanter Landmarken und Sehenswürdigkeiten in unserer Stadt.“ Hier fehle es vor allem an einem Radbeauftragten in der Stadtverwaltung.

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